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Alternative Mobilität: Umweltverträglicher unterwegs

Konstanz – Aus den Niederlanden übernommen gehört er in der Nachbarstadt Konstanz mittlerweile schon zum Stadtbild: Der neue Trend zum Lastenvelo. Klimawandel, Luftverschmutzung und gestiegenes Umweltbewusstsein lassen immer mehr Menschen auf umweltfreundliche Transportmittel umsteigen. Dabei ist dieser Trend nicht nur ein ökologischer Gewinn. Kosten, Gesundheit und Zeitersparnis können je nach gewähltem Transportmittel optimiert werden.

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Schnell unterwegs mit einem Transportfahrrad. (Bild: Fotolia #66206793)

 Ökologie-Trend in Sachen Mobilität

Schwere Einkaufstaschen und Getränkekisten ohne Auto nach Hause transportieren? – Und das zudem noch völlig umweltfreundlich? An verschiedenen Standorten in Konstanz sind Verleihstationen für Lastenvelos installiert, an denen die auffälligen Lastenvelos gemietet werden können. Das Verleihsystem funktioniert bisher reibungslos. Es ist nur eine einmalige Anmeldung und die Angabe der Kontonummer nötig. Um die Attraktivität zu steigern, sind die ersten 60 Minuten gebührenfrei. Erst danach muss ein Euro pro Stunde bezahlt werden. Damit sind diese Velos eine kostengünstige Alternative zu anderen Transportmitteln.

Der Hauptvorteil liegt jedoch nicht im günstigen Mietpreis, sondern in der grösseren Flexibilität: Der Transport kann von Tür zu Tür stattfinden. Das Schleppen vom Parkplatz zur Haustüre entfällt somit. Auch der Zeitfaktor scheint viele zu überzeugen. Mit dem Lastenvelo muss sich weder in Staus eingereiht noch lange nach einem Parkplatz gesucht werden. Für grössere Städte ist es damit das ideale Transportmittel.

Da die Lastenkiste, die zwischen Lenker und Vorderrad angebracht ist, zwischen 80 und 100 kg trägt, transportieren einige auch ihre Kinder mit. – Und wem der Transport per Muskelkraft zu anstrengend ist, hat die Option sich eine elektrische Variante des Velos auszusuchen. Dafür existiert eine Sharing-Plattform von carvelo2go, die von der Schweizer Lastenrad-Initiative der Mobilitätsakademie und des Förderfonds Engagement Migros ins Leben gerufen wurde. Dadurch, dass einzelne Besitzer eines Cargo-Bikes dieses über die Plattform vermieten können, wird ein relativ grosses Netz abgedeckt.

Bei häufigem Gebrauch lohnt sich aber auch der Erwerb eines solchen Velos. Vernünftige Modelle kosten zwischen 1 500 und 2 500 Euro. Soll ein Elektromotor dabei sein, müssen nochmal 1 500 Euro mehr eingeplant werden. Damit liegen die Kosten dennoch deutlich unter denen eines Wagens. Statt dem früheren Trend, der in Richtung Zweitwagen ging, geht er nun in Richtung Lastenrad. Die Kombination aus dem klassischen, akkubetriebenen E-Bikes und dem E-Cargo-Bike gelten als optimale Alternativen, die auch von älteren Menschen mit wenig Kraftanstrengung genutzt werden können.

Wünschenswert wäre flächendeckend ein kompletter Umstieg auf diese umweltfreundliche Transport-Variante. Dennoch wird wahrscheinlich in naher Zukunft noch nicht komplett auf das Auto verzichtet werden können. Bei weiten Fahrstrecken ist das Auto immer noch im Vorteil. Aber auch hier muss dies nicht unbedingt auf Kosten der Umwelt gehen. Auch bei Autos gibt es eine umweltfreundliche Variante, die Elektroautos, die ähnlich wie E-Bikes aufgeladen werden und keine schädlichen Emissionen freisetzen. Dass der Trend in Richtung Ökologie bei Autos im Kommen ist, wurde auch auf der diesjährigen Auto Basel Messe gezeigt. Die Anzahl der dort vorgestellten Elektroautos und erdgasbetriebenen Fahrzeuge stieg im Vergleich zu den Vorjahren deutlich an.

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Die Fortbewegung der Zukunft könnten Elektroautos sein. (Bild: Fotolia #54944874)

Elektromobilität für private Nutzer: Ein Trend für alle?

Doch wie stark macht sich dieser E-Trend hierzulande bemerkbar? In Sachen E-Bikes zeigte sich über die letzten Jahre, dass die umweltfreundliche Elektromobilität gerne angenommen wird. Während 2007 noch unter 10‘000 E-Bikes verkauft wurde, stieg der Verkauf in 2013 auf 50 000 an. Mittlerweile ist jedes sechste verkaufte Fahrrad ein E-Bike.

Ein Blick auf die Nutzer der E-Bikes zeigt, dass auch immer mehr jüngere Personen diese Mobilitätsform Nutzen. So ist das Durchschnittsalter beim Kauf eines E-Bikes in den letzten fünf Jahren von 51 Jahre auf 47 Jahre gesunken. 72 Prozent der E-Bike-Besitzer stehen im Berufsleben, etwa 25 Prozent der Nutzer sind Rentner. Der grösste Teil der Personen lebt in einem Zweipersonen-Haushalt oder in einer Familie mit Kindern. Damit wurde diese Form der Elektromobilität in einer breiten Bevölkerungsschicht angenommen.

Eine Befragung durch das Bundesamt für Energie ergab, dass für 80 Prozent der Nutzer das E-Bike das wichtigste oder zweitwichtigste Verkehrsmittel im Alltag ist. Die Hauptnutzung wurde mit Zurücklegung des Arbeitswegs und für Fahrradtouren aber auch für Einkäufe und die Freizeit angegeben. Hier könnten die E-Cargo-Bikes in den kommenden Jahren eine immer grössere Rolle spielen. Da die Nutzung im Winter nach Angabe der Befragten nur selten erfolgt, wäre hier die logische Konsequenz der Umstieg auf das E-Auto. Und tatsächlich finden sich hierzulande bereits über 7 500 Elektro-Autos und an die 62 600 Hybridfahrzeuge. Dies macht insgesamt 1,6 Prozent der zugelassenen PW aus. Damit steht die Schweiz bereits besser dar, als ihr Nachbar Deutschland, wo trotz staatlicher Subventionen nur 0,26 Prozent des Verkehrs durch Hybrid- und Elektrofahrzeuge gestellt werden.

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Schon weit verbreitet – das E-Bike (Bild: #61357013)

Eine Investition in eine kostengünstige Zukunft

Das Kaufverhalten ist aber auch in der Schweiz noch sehr verhalten. Die Skepsis gegenüber den Kosten der neuen Technik scheint zu gross. Und tatsächlich sind Hybrid- oder Elektroautos im Erwerb deutlich teurer als herkömmliche Autos. Allerdings, über die gesamte Lebensdauer betrachtet, können sie durchaus um einiges günstiger sein. Der Treibstoff kostet weniger als bei einem Diesel oder Benziner und auch Reparaturen fallen oftmals weniger an, da zumindest die Elektroautos weniger Verschleissteile besitzen.

Auch im Unterhalt zeigen sich die kostensparenden Aspekte. In manchen Kantonen wird die Motorfahrzeugsteuer unter anderem durch ökologische Bewertungskriterien mitbestimmt. Demnach sind Steuerrabatte oder eine generell beziehungsweise befristete Steuerbefreiung möglich. Ebenso fällt die Haftpflichtversicherung für Elektrofahrzeuge tendenziell günstiger aus, da sie seltener in teure Schadensfälle verwickelt sind.

Leider sind die Regelungen in der Schweiz uneinheitlich, so dass es nicht einfach ist, die vollen Kosten direkt im Blick zu haben. Eine Vereinheitlichung und eine eventuelle zusätzliche Förderung durch den Bund würden den Umstieg transparenter machen und vereinfachen. Einen kleinen Bonus gibt der Bund bereits, indem er bei Elektroautos auf die Importabgabe von vier Prozent verzichtet.

Doch noch etwas anderes lässt viele Menschen vor einem Kauf zurückschrecken: Die Reichweite der Elektroautos ist geringer als die der Autos mit klassischem Antrieb. Dabei wird nicht berücksichtigt, welche Distanzen die meiste Zeit zurückgelegt werden: Über 90 Prozent der zurückgelegten Strecken belaufen sich auf kurze bis mittlere Distanzen. Auf diesen Strecken können Elektroautos ohne weiteres mit Diesel- oder Benzinfahrzeugen mithalten. Nur für längeren Fahrten besteht ein Nachteil gegenüber den klassischen PW. Demnach wäre es tatsächlich möglich, dass die meisten komplett auf die ökologischen Transportmittel umsteigen könnten. Für die wenigen Fernstrecken könnte auf Car-Sharing mit Diesel- oder Benzinfahrzeugen oder die Bahn zurückgegriffen werden.

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Eine Tankstelle für Strom. (Bild: Bild: #81097892)

Eine Frage der Infrastruktur

Ein weiterer Aspekt ist die vorhandene Infrastruktur. Je mehr E-Tankstellen es gibt, desto leichter werden sich die Menschen von einem Umstieg auf Elektroauto überzeugen lassen. Bisher wurde in der Schweiz schon einiges in diese Richtung getan. Bereits jetzt gibt es hierzulande europaweit das dichteste Netz an Ladestationen, welches aktuell noch weiter ausgebaut wird. Green Motion, ein Waadtländer Unternehmen, ist dabei Gemeinden mit ausreichendem Potential kostenlos Ladestationen zur Verfügung zu stellen. 250 Ladestationen sollen es bis Ende des Jahres werden. Ende 2017 sollen es schon 1000 sein. Die Planungen gehen gar schon bis 2020, wo das gesamte Netz 1600 Ladestationen umfassen soll.

Die Realisierung dieses Projekts wird durch die Unterstützung von etwa einem Dutzend Partnern ermöglicht, die ihre Parkplätze zur Verfügung stellen. So werden Besitzer eines Elektroautos demnächst unter anderem bei Aldi oder McDonalds entsprechende Ladestationen vorfinden. Aber auch die Gastronomie schliesst sich diesem Trend an. Immerhin lassen die Hochrechnungen der Vereinigung der Strassenverkehrsämter erwarten, dass bis 2020 an die 100 000 Elektrofahrzeuge in der Schweiz ihre Zulassung haben werden. Da gehört es zum guten Geschäft Kunden anzulocken, die während des Ladevorgangs eine Tasse Kaffee oder ein Stück Kuchen essen.

Alternative Transportmittel: ein europaweiter Trend

Auch wenn die Schweiz mit ihrem Ausbau bisher besser dasteht als seine Nachbarn, die Elektromobilität kommt langsam in ganz Europa in Schwung. Italien investierte allein zwischen 2013 und 2015 rund 50 Millionen Euro, um die Ladeinfrastruktur weiter auszubauen. In Frankreich nahm die Anzahl der Ladestationen in diesem Jahr um 30 Prozent auf 12 800 öffentliche Ladestationen zu. Und auch in Deutschland mit seinen aktuell 3000 Stromtankstellen gibt es das ambitionierte Ziel bis 2020 rund 86 000 öffentliche Ladestationen vorweisen zu können. – Die Entwicklungen zeigen, dass die Elektromobilität eine immer grössere Rolle spielen wird. Demnach ist er aktuelle Trend zu mehr umweltfreundlicher Mobilität keine kurzzeitige Modeerscheinung, sondern der Beginn einer Nutzung anderer, alternativer Transportmittel.

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