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Landleben, Helden und Nihilismus

Konstanz – Das Stadttheater Konstanz startet an diesem Wochenende mit drei Premieren und dem Theaterfest am Samstag, 8. Oktober, in die neue Spielzeit.

Szene aus Tschechows "Onkel Wanja". (Bild: Illja Mess)

Szene aus Tschechows «Onkel Wanja». (Bild: Illja Mess)

Im Herbst werden die Wälder bunter, aber auch das kulturelle Spektrum: Nach sechs Wochen Sommerpause startet das Theater in die neue Spielzeit. Am kommenden Wochenende geht es gleich in die Vollen. Mit drei Premieren an drei Spielorten wird geöffnet und als Sahnehäubchen gibt es das Theaterfest am Samstag, 8. Oktober, von 14 bis 18 Uhr. Am Münsterplatz und in der Inselgasse gibt es Musik, Aufführungen, Diskussionen und Spiele. Zudem präsentiert sich «I’m glad I found you» über Neil Young, das musikalische Nachfolgestück des Publikumsmagneten «Johnny Cash», ebenfalls unter der Leitung von Wulff Twiehaus. Auch eine Kostümversteigerung wird wieder stattfinden. Aber nun zu den Stücken: Am Premierenwochenende wird am Freitag Tschechows «Onkel Wanja» im Haupthaus gezeigt. Regie hat Neil LaBute, einer der bedeutensten zeitgenössischen Schriftsteller. Er kommt aus New York, das Stück aus Russland, die Besetzung ist deutsch und die Interpretation erfolgt im Tschechien 1968. Es geht um Sehnsüchte und die Befreiung von der Moral. LaBute gefällt es am Konstanzer Theater. Er mag kleine Spielstätten, da es einfacher ist, den Menschen ihren Sicherheitsabstand zu nehmen. In der Spiegelhalle wird am Samstag, 8. Oktober, das Stück «Helden! Oder warum ich einen grünen Umhang trage und gegen die Beschissenheit der Welt ankämpfe» gezeigt. Dem Titel ist nicht viel hinzuzufügen. Es geht um Jugendliche, die sich fragen, wofür es sich lohnt zu kämpfen, die Zeichen setzen, Identifikationsfiguren bilden. Auftakt bietet das Stück für Ingo Putz, den neuen Leiter des Jungen Theaters. Am Sonntag gibt es in der Werkstatt Becketts «Endspiel». Regie führt der herausragende Andrej Woron, der bereits mit Kafkas «Amerika» und «Orpheus in der Unterwelt» bewiesen hat, dass Klassiker sich selbst übertreffen können. Nun widmet er sich dem Phänomen der Endgültigkeit und greift fehlende Antworten in der Dimension ihrer Vielzahl auf. «Es war ein einziger Kampf, das Stück überhaupt auf die Bühne zu bringen», äussert sich der Regisseur. Wie die Werkstattbühne als Blackbox für Woron funktioniert, darf also mit Spannung erwartet werden.

Leidenschaft und Verzweiflung
Der Intendant Christoph Nix zeigt sich dankbar für die Zusammenarbeit: «In Zeiten, in denen wenig Inhalt die Welt bestimmt, werden hier mit viel Leidenschaft die grossen Fragen der Ernsthaftigkeit und Verzweiflung gemeinsam beantwortet. Jedes der Stücke widmet sich dieser Thematik.» Weitere Highlights: Als Weihnachtsmärchen gibt es in diesem Jahr «Peterchens Mondfahrt», Open Air auf dem Münsterplatz «Wilhelm Tell» und auf keinen Fall darf man sich die Starregiesseurin Anna-Sophie Mahler mit «Alla Fine del Mare» entgehen lassen. Das gesamte Programm bietet eine Mischung aus bekannt und neu. Doch nun heisst es «Toi, toi, toi» und dreimal über die Schulter spucken!

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