/// Rubrik: Leserbriefe

Nochmals zum Stadthaus

Leserbrief – Der Gemeinderat hat nun ja gesagt zum nachgebesserten Projekt, diese Hürde scheint nun überwunden. Ich sage «scheint», denn verschiedene Gruppierungen haben offenbar immer noch Zweifel an der Tauglichkeit des Vorhabens vor dem Volk und Angst vor einer Ablehnung. (Ado Trautmann, Kreuzlingen)

Mit Recht, wie käme es sonst, dass jetzt eigens ein Komitee gebildet wurde mit dem Zweck, das Projekt nur hoch zu loben und kräftig für eine Zustimmung zu werben. War die Zustimmung im Rat nicht unter anderem auch ein Eingeständnis dafür, dass man einfach müde war ob dem ewigen Hin und Her und schliesslich abnickte. Das soll und darf aber nicht dazu verleiten, nun sämtliche Kritik einfach über Bord zu werfen und aus Bequemlichkeit keine anderen Standpunkte mehr zu vertreten.

Diese Luftaufnahme zeigt sehr schön die Dimensionen des geplanten Stadthauses. (Bild: Gaccioli)

Diese Luftaufnahme zeigt sehr schön die Dimensionen des geplanten Stadthauses. (Bild: IDK)

Da ist zum einen der Standort, der sei zwar fast sacro sanct, aber solange noch nichts gebaut ist, ist auch noch nichts in Stein gemeisselt. Ich vertrete die gleiche Meinung wie der Leser vor etwa drei Wochen. Hier sollen nun x Aren der auf Stadtgebiet nur noch spärlich vorhandenen Grünfläche überbaut werden ohne Kompensation an anderer Stelle. Auch wenn diese Flächen im noch gültigen Zonenplan für öffentliche Gebäude vorgesehen sind, staune ich trotzdem wie hier der heute überall gehörte Ruf nach verdichtetem Bauen und sparsamem Umgang mit Bauland einfach nirgends ersichtlich ist. Ein über hundert Meter langes Gebäude mit nur zwei Stockwerken, ein kleiner Teil davon wohl aufgestockt auf drei, in meinen Augen ist das purer Landverschleiss. Keinem Privaten würde es einfallen, ein Bürogebäude in dieser Länge mit nur zwei Stockwerken zu planen, er könnte es sich einfach nicht leisten. Die hier überbaute Grünfläche würde auch der Festwiese gut anstehen. Hier wird offenbar Wasser gepredigt und Wein getrunken!

Zum anderen das Gebäude selbst. In den bestehenden Gebäuden wird das Treppensteigen kritisiert, mit vollem Recht. Bei einem mehrgeschossigen Neubau werden vertikale Wege über mehrere Stockwerke einfachst mit Liften überwunden, das ist Stand der Technik. Warum also kein markantes Hochhaus, und das dann wirklich im Zentrum der Stadt. Der Standort beim Dreispitz liegt nach meiner Ansicht höchsten am Rande des Zentrums. Noch etwas zur Ästhetik: betrachtet man das veröffentlichte Bild des Stadthauses aus der Vogelperspektive so sieht dieser Flachbau mit den Solarzellen die wie Sheds aussehen doch eher wie ein Produktionsbetrieb eines mittleren KMUs aus aber bestimmt nicht wie ein Stadthaus, das doch einen minimalen repräsentativen Aspekt haben sollte. Die Kosten scheinen mit den angesparten Vorfinanzierungen für eine Stadt  wie Kreuzlingen tragbar zu sein, aber nur weil man sich etwas  leisten kann, heisst das noch lange nicht, dass es auch gut ist. Und hier vertrete ich die gleiche Meinung wie Paul Stähli vor einer Woche, wenn man richtig in die Hosen stiege und pragmatisch vorginge könnte ein neues Projekt in kurzer Zeit vorgelegt werden.
Für die jetzt vorgelegte  Lösung kann ich mich auch nach den diversen Korrekturen nicht erwärmen.

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3 thoughts on “Nochmals zum Stadthaus

  1. Bruno Neidhart

    „Nochmals zum Stadthaus“ ist ein erfreulicher Leserbrief! Herr Trautmann stellt nicht nur einige unübersehbare Schwachstellen des einzig vorliegenden Projekts deutlich heraus, sondern bezieht auch grundlegend die enorme Grösse der beanspruchten Fläche auf dem von weisen Vorfahren offen gelassenen Stadtviertels in seine Überlegungen mit ein. Es ist in jeder Beziehung ein totes Projekt, was da vorliegt. Ein Stadthaus gehört schon grundsätzlich nicht hier hin. Dem Hinweis von Herrn Trautmann, im eigentlichen Stadtzentrum das Stadthaus als „markantes Hochhaus“ zu erstellen, kann ich beipflichten mit dem Zusatz, dass hier ein Top-Architekt ein tolles, repräsentatives, attraktives „Ding“ schaffen kann. Die Stadt muss es in eigener Regie anstellen, den notwendigen Aufbruch in eine moderne Zukunft im zentralen Kreuzlinger Geschäfts- und Begegnungsviertel zu realisieren. Kommt dann in diesem Innenstadtbereich noch mehr Kultur dazu (nur ein Beispiel: „Alti Molki“), muss sich die Stadt mit ihrer „Mitte“ nicht verstecken. Und wenn dann dereinst noch vom Helvetiaplatz zum Hafengelände mittels eines Steges ein direkter Zugang vom – und zum – Zentrum erstellt werden sollte, gewinnt Kreuzlingens Mitte zusätzlich an Aufmerksamkeit. Es wird Zeit, mutig zu handeln.

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  2. Frischknecht Ernst

    Ach ja – Bertold Brecht meinte: Mach einen Plan und dann noch einen und dann…
    Vieles was Herr Trautmann äussert, ist vertretbar und könnte Sinn machen – nur: Es ist genug geredet, zerredet, geplant und wieder verworfen worden – und das soll offensichtlich in dieser Manier weitergehen??
    Gewiss ist das vorliegende Projekt weit weg von einem grossen Wurf; es ist ein funktionales und archtektonisch eher bescheidenes Gebäude. Dennoch schafft es den bitter nötigen Raum und setzt einen Akzent eingangs Boulevard.
    Fazit: Statt erneut jahrelangem Hin und Her mit beträchtlichen Folgekosten für den Steuerzahler ist es vernünftig, die Pläne umzusetzen!

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  3. Bruno Neidhart

    Soll denn, Herr Frischknecht, ausgerechnet auf die letzte offene Fläche der Stadtmitte ein 100-Meter langer Baukörper „hingeplatscht“ werden, dem Sie selbst das Attribut „……weit weg von einem grossen Wurf“, sowie „…architektonisch eher bescheidenes Gebäude“ attestieren? Ist das die zeitgemässe Kreuzlinger Antwort auf das 21. Jahrhundert, damit verbunden die nur allzu bekannte Kreuzlinger Problemstellung im historischen Geschäftszentrum Hauptstrasse? Eine gegenteilige Meinung hat mit Brecht nichts zu tun. Mit urbaner Vernunft schon. Und besonders mit Verantwortung.

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