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Drei Museen – ein Konzept

Kreuzlingen – Am 27. November wird per Volksabstimmung entschieden, ob das vorgelegte Museumskonzept für die drei Institutionen Museum Rosenegg, Planetarium-Sternwarte und Seemuseum angenommen wird. Es geht bei diesem Entscheid um etwas mehr als das Dreifache der bisherigen Summe: um 380 000 Franken. Und um die Existenz von Kulturgütern.

Das Museum Rosenegg, das Planetarium und das Seemuseum könnten künftig zusammen verwaltet werden.(Bilder: archiv)

Das Museum Rosenegg, das Planetarium und das Seemuseum könnten künftig zusammen verwaltet werden. (Bilder: archiv)

Die Gesellschaft hat sich verändert. Es gibt nicht mehr die Bereitschaft für ehrenamtliche Arbeit, wie es bislang der Fall war. Auch die Finanzierung mittels Spendengeldern gestaltet sich als zunehmend schwierig. Rainer Sigrist, Präsident der Stiftung Sternwarte, sieht hierfür zwei Faktoren: Zum einen die Anonymisierung des Zusammenlebens, zum anderen die zunehmende Führung der Betriebe durch aussenstehende Manager. Ersteres verhindert das Engagement der Bürger für die Gemeinschaft, letzteres verhindert ein direktes Sponsoring von Kultur. Die Veränderungen sind aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Man muss mit der Zeit gehen, und dies erfordert eben neue Massnahmen. Daran haben die drei Stiftungen der einzelnen Museen  zusammen mit Christoph Kübler, ehemals Chefkurator des Schweizer Landesmuseums, jetzt freischaffender Berater, in den letzten Wochen und Monaten gearbeitet. Ein ausführliches Konzept liegt nun vor. Dieses begründet mit einer Leistungsvereinbarung gegenüber der Stadt, was in den einzelnen Institutionen verändert werden soll: erhöhte Besucherzahlen, mehr Sonderveranstaltungen, professionelle Leitungen  sowie ein gesteigerter Gewinn. Am 27. November wird darüber abgestimmt. Die Stiftungspräsidenten sehen diesem Tag positiv entgegen. «Die Kreuzlinger sind vernünftig», sagt Thomas Fischer, Präsident der Stiftung Rosenegg, «sie wissen, was auf dem Spiel steht.» Alternativ müssten die Museen verstaatlicht werden, was eine weitaus höhere Summe als die vorhergesehene erfordert. Auch eine Privatisierung der Gebäude wäre möglich. Im schlimmsten Fall würde dies eine Schliessung der Kulturgüter bedeuten. Die Gelder würden in unterschiedlichen Höhen an die Institutionen aufgeteilt werden. Spendengelder bleiben auch weiterhin erforderlich, ebenso wie die Einnahmen der Stiftung Seemuseum durch die Vermietung der Wohnungen im Gebäude. Die unterschiedliche Verteilung der Summe liegt des Weiteren hauptsächlich darin, dass im Rosenegg die Kuration vollständig neu besetzt werden muss, was die grösste personelle Veränderung darstellt. Laut Leistungsvereinbarung ist in dieser Institution aber auch ein Anstieg des Gesamtertrags auf über das Doppelte geplant, ebenso wie auch im Planetarium und der Sternwarte. Zusammen mit der Erhöhung der Besucherzahlen um 30 bis 40 Prozent sind das ambitionierte Ziele.

Neue Stellen werden geschaffen
Was im Seemuseum schon seit dem Jahr 2007 Usus ist, wird durch den Ruhestand von Heidi Hofstetter im Rosenegg dringend erforderlich. Sie hat das Museum in ehrenamtlicher Arbeit zu dem gemacht, was es heute ist. Dies kann niemand ersetzen, ausser eben ein professioneller Kurator. Dieser ist bereits aus 70 Bewerbern ausgewählt. Sofern der Volksentscheid positiv ausfällt, steht einer Unterzeichnung des Arbeitsvertrags nichts im Wege. Auch in der Sternwarte und dem Planetarium ist eine professionelle Leitung erforderlich. «Das bedeutet aber nicht, dass damit die Arbeit der Freiwilligen ersetzt wird», sagt Jürg Schlatter, Präsident der Stiftung Seemuseum, «im Gegenteil! Wir haben immer noch sehr engagierte Ehrenamtliche, ohne deren Beitrag es nicht funktionieren würde. Aber durch die professionelle Leitung ist eine kompetente Koordination möglich. Je professioneller die Führung ist, desto höher wird die Bereitschaft von Ehrenamtlichen.»

Aufgabenverteilung noch ungewiss
Abgesehen von den drei Leitungspostionen sollen die administrativen Tätigkeiten und Bereiche wie Marketing oder Instandhaltung von gemeinsamen Stellen für alle drei Institutionen erfolgen. So könnten die Sekretariate zusammengelegt werden, oder auch die Werbekonzepte, ebenso wie Hausmeistertätigkeiten. Hier sind sich alle drei Stiftungspräsidenten einig: «Die Synergien müssen genützt und optimiert werden.» Wie dies dann aber im Einzelnen aussehen wird, ist bisher noch nicht geplant. Die derzeit angestellten Sekretärinnen und Hausmeister müssen aber laut der Präsidenten nicht um ihre Arbeitsplätze bangen. Wer sich für die vielseitige Kulturlandschaft engagieren möchte, weiss was am 27. November zu tun ist.

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One thought on “Drei Museen – ein Konzept

  1. Bruno Neidhart

    Kultur kostet. Ebenso Kultur-Vermittlung. In grösseren Städten werden gut gemanagte attraktive Museen, Ausstellungshallen und kulturell Sonstiges derzeit von Besuchermassen geradezu überrollt. Und dies bei zum Teil horrenden Eintrittspreisen. Kreuzlingen nennt sich „Bildungsstadt“! Auf einem deutlich bescheideneren Niveau als dies in eine Großstadt angelegt werden kann, ist auch in einer kleinen Stadt einiges möglich (zumal als Nachbar einer grösseren Stadt!). Das führt folgerichtig zu einer gewissen Professionalisierung im Kern der drei oben erwähnten Institutionen. Freiwillige Hilfskräfte jedoch werden nach wie vor benötigt, wie beschrieben.

    Ich gehe davon aus, dass zur Attraktivitätssteigerung als Basis einer erfolgreicheren Bilanz bei zumindest zwei Institutionen auch kräftig nachinvestiert werden muss, will man die „30 bis 40 Prozent“ erreichen, was die Steigerung der Besucherzahlen betrifft (hat auch mit Werbung zu tun. Auch die ist kostenintensiv – jedoch unumgänglich!). Zudem ist u.a. das Projekt „Alti Molki/Schiesserareal“ (als Kulturzentrum auszubauen) noch immer latent im Gespräch. So stellt sich denn die Frage, wie sich die Bildungsstadt in Zukunft kulturell (im weitesten SInn) aufstellt. Das hiesse etwa, dass zum Beispiel durch einen 10-15-Jahresplan „Kultur in der Stadt“ ganz allgemein so abzustecken wäre, dass neben den inhaltlichen Aspekten auch die entsprechenden Gelder, die zur Verfügung stehen müssen, bereit sind, um einerseits investieren zu können, andererseits um die laufenden Kosten zu decken. Als Grundlage einer solchen „kulturellen Gesamtschau“ wäre eine Planung zu entwickelt, die als Kanon sämtliche Kulturangelegenheiten beinhalten würde. Das vorliegende „Museeums- und Sternwartekonzept“ kann vielleicht als Pilotprojekt gesehen werden, um aus diesen Erfahrungen heraus einen Weg aufzuzeigen, wie es weitergehen könnte in kulturellen Belangen der Bildungsstadt. Nebensatz: Es könnte in diesem Zusammenhang auch mal an eine kleine Steuererhöhung zugunsten von „Kultur“ gedacht werden! Diese Bemerkung ist sicher kein Reisser. Wie eingangs erwähnt: Kultur kostet. Doch ohne Kultur – im weitesten Sinn – geht gesellschaftlich wenig. Oder gar nichts.

    Was die Stadt in Sachen „Kultur“ in den kommenden Jahren plant, vor hat, sollte jedem Einwohner laufend transparent gemacht und laufend fortentwickelt werden. Das wäre schon mal Werbung für „Kultur in der Stadt“. Und erst noch gratis.

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