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Blackout ohne Atomkraft?

Leserbrief – Für die sichere Versorgung mit Strom sorgt in der Schweiz Swissgrid, unsere nationale Netzgesellschaft. Sie besitzt das Schweizer Hochspannungs-Übertragungsnetz und stellt sicher, dass immer so viel Strom im Übertragungsnetz bereitsteht, wie in den Verteilnetzen benötigt wird. Unsere alten AKW, die grossen Wasserkraftwerke und der Strom-Export/Import finden im Übertragungsnetz zusammen. (Georg Klevenz, Kreuzlingen)

(Bild: pixelio)

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Swissgrid hat eine tolle Website mit vielen nützlichen Informationen. Perfekt, um politische Propaganda gegen den Atomausstieg zu überprüfen. Denn Swissgrid produziert selbst keinen Strom und ist politisch neutral. Bei Swissgrid lesen wir, dass in der Woche ohne Atomkraft im August 2015 das Netz nie kritisch belastet war. Und das Ende 2015, als beide Beznau – Blöcke ungeplant abgeschaltet waren und die Flüsse wegen Trockenheit nur wenig Wasser führten, zwar erhöhte Aufmerksamkeit geboten, die Versorgung aber nie gefährdet war. Swissgrid muss dafür vorsorgen, dass unsere alten AKW zwar rumstehen und in Theorie Strom produzieren könnten, in Praxis mit zunehmenden Alter immer häufiger ausfallen und stillstehen. Alte AKW sind nur die Illusion einer sicheren Stromversorgung.

In Wirklichkeit sind sie ein Risiko. So wie gerade Beznau 1, dass seit 18 Monaten vom Netz ist. Ende unbekannt. Und Leibstadt, das das nächste halbe Jahr wegen unerwarteter Korrosion der Brennstäbe unplanmässig ausfällt. Es ist an Swissgrid, zusammen mit allen anderen grossen Stromerzeugern das auszugleichen. Und Swissgrid ist auch klar, dass das Ende der AKW nahe ist. Swissgrid sorgt vor. Denn, so liest man, es gibt in Mitteleuropa mehr als genügend Strom im 380 kV Netz, in das auch Gösgen und Leibstadt einspeisen. Aber im 220 kV Netz, in das beide Beznau und Mühleberg einspeisen, gibt es bei Annahme der Atomausstiegsinitiative Ersatzbedarf. Nach der angespannten Situation in Winter 2015 / 16 werden im März 2017 neue Stromtransformatoren in Betreib genommen, die mögliche Engpässe bei Abschaltung der alten AKW Ende 2017 ausgleichen. Und damit ist die Schweiz vorbereitet! Kein Blackout, keine Panik, kein Risiko, nichts. Denn das Ende der Atomkraft ist absehbar. Neue AKW wird es nie mehr geben. Die alten Baugesuche für Ersatz wurden gerade zurückgezogen. Nur die SVP träumt noch von neuer Atomkraft, aber die fragt hier niemand. Auch wenn anfangs im Winter mehr europäischer Naturstrom importiert werden muss, das Abschalten der alten AKW macht den Weg frei für neue Investitionen in Schweizer Kraftwerke.

Mühleberg wird von der BKW sowieso Ende 2019 stillgelegt und Beznau 1 kommt vermutlich wegen Sicherheitsbedenken nie mehr ans Netz. Die Atomausstiegsinitiative macht nur klar, was sich gerade sowieso abzeichnet. Das Risiko überalterter AKW für die Bevölkerung und die Sicherheit des Stromnetzes müssen wir nicht mehr eingehen. Und auf ein Fukushima in der Schweiz sollten wir nicht warten. Die Zeit ist reif für den Atom-Ausstieg.

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