/// Rubrik: Leserbriefe | Stadtleben

«Unser Stadthaus»

Kreuzlingen – Der Kreuzlinger Stadtrat steht geschlossen hinter dem Projekt neues Stadthaus. In unserer neuen Serie, die auf der Stadtseite erschienen ist, argumentieren die Stadträtinnen und Stadträte für ein die Stadtentwicklung nachhaltig bestimmendes Projekt.

Vize-Stadtpräsidentin Dorena Raggenbass. (Bild: sb)

Vize-Stadtpräsidentin Dorena Raggenbass. (Bild: sb)

Den fünften Teil schrieb Stadträtin Dorena Raggenbass.

Eine Wiese, die verbindet
«Kreuzlingen erhält seine Festwiese zurück!» So lobte Jury-Präsident Carl Fingerhut das Siegerprojekt. Mehr noch: Mit Festwiese, Dreispitzpark und dem Sallmannpark verfüge Kreuzlingen künftig über eine einmalige «grüne Mitte».
Durch die Kombination von Stadthaus und Dreispitz wird der bestehende Südzugang ins Foyer Festwiese aufgewertet und nutzbar. Es entsteht zudem ein neuer Aufenthaltsbereich für die Besucher des Kulturzentrums. Über diesen gestalteten Zwischenraum führt auch der Verbindungsweg zur Tiefgarage, zum Campus und zum Haupteingang Stadthaus und Dreispitz.
Eingefasst wird die «Festwiese» durch die Basilika St. Ulrich, einer breit angelegten Baumallee an der Hauptstrasse, einem gedeckten Zugang zum Stadthaus und zum Dreispitz und dem breiten Gehweg entlang des Verwaltungsgebäudes. Die Wiese wird so zu einem Platz, der zu Fuss überquert, als Freiraum bespielt und von allen individuell genutzt und belebt werden kann.
Auf dem speziell für grosse Belastungen entwickelten Rasen kann im Herbst die Jahrmarkts-Chilbi ihre Bahnen aufbauen und übers Jahr können vielerlei Veranstaltungen sowie sportliche und kulturelle Aktivitäten mitten in der Stadt durchgeführt werden. Unsere Festwiese ist endlich von parkierenden Autos befreit und wird wieder zu einem Treffpunkt für uns Kreuzlingerinnen und Kreuzlinger und zu einem Ort der Begegnung.

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One thought on “«Unser Stadthaus»

  1. Bruno Neidhart

    Es gibt keinen Grund, warum diese letzte Stadtwiese im Zentrum zu überbauen wäre. Der „Verlust für die geschäftliche Stadtmitte“, welcher durch den Umzug des Stadthauses vom jetzigen Standort eingeleitet würde, wäre durch nichts zu kompensieren, so angestrengt versucht wird, dieses Projekt als die Lösung aller Kreuzlinger Fragen darzustellen.

    Bereits die vorgesehene „normale Architekturerscheinung“, käme dieser 100-Meter Baukörper tatsächlich auf diese Wiese zu stehen, würde Kreuzlingen kaum als zeitgemässe, moderne Stadt begreiflich machen. Es handelt sich schlicht um einen durchschnittlichen, austauschbaren Zweckbau. Er könnte überall im Thurgau stehen. Das vorgesehene grosse Bauvolumen – da nützen alle raffinierten „Visualisierungen“ nichts – beansprucht zudem real einen viel grösseren „gefühlten Raum“ in der horizontalen, wie vertikalen Wirkung, als es die Befürworter sehen möchten. Da darf man sich nicht täuschen lassen.

    Kurz zur „Chronik der Geschichte“: Der Stadtrat wolle zuerst das Stadthaus konkret in die bestehende Dreispitz-Parkanlage stellen. Es tauchten bereits Bilder auf. Das misslang insofern, als man einerseits einsehen musste, dass das mächtige Bauvolumen, welches ein Stadthaus beansprucht, im Dreispitzpark nicht unterzubringen war, andererseits der Denkmalschutz intervenierte, der die Dreispitzanlage unangetastet sehen wollte. Dies wäre damals der Zeitpunkt gewesen, sich zu besinnen, ob es nicht grundsätzlich sinnvoller wäre, das neue Stadthaus dort zu belassen, wo es bereist ist: Im Geschäftszentrum, in der damit zu belebenden „City“ (dazu noch später). Dieser Gedanke wurde rasch verworfen. „Die Mitglieder des damaligen Rates“ wollten nun unbedingt „dieses Ding“ plötzlich auf der Festwiese sehen, die vorher aus grundsätzlichen Erwägungen überhaupt nicht in Frage kam, dieser Gedanke jedoch zumindest andeutungshalber bereits im Raum schwebte, jedoch planerisch „noch als zu gefährlich“ galt. Deswegen hatte man sich vorerst auf den Dreispitzpark konzentriert.

    Nun wurde die Denkmalbehörde beackert, eine Formel zu kreieren, die dennoch eine Bebauung der Festwiese vor dem Klosterareal ermöglichen würde. U. a. wurde postuliert, die St. Ulrichkirche (einziges nennenswertes Stadtmerkmal!) sei kein zu schützendes Bauwerk. Liest man jedoch die „gezwängte Begründung“, warum es vielleicht doch denkbare wäre, sofern alle möglichen Punkte berücksichtigt sind, welche dem Vorhaben einer Bebauung vor der Kirche entgegen stehen könnten, so gewinnt man den Eindruck, dass es dieser (auswärtigen!) Behörde im Ganzen keineswegs so wohl bei der Sache bestellt war – und immer noch unwohl sein dürfte, wie es nun andererseits die Stadt „als alles super“ dazustellen versucht.

    Insofern bestand überhaupt keine Notwendigkeit, munter auf der Wiese drauflos zu planen. „Mitglieder des damaligen Rates“ hätten die Einwände der Denkmalbehörde auch anders interpretieren können, ja müssen! Sie taten es nicht, sondern schienen beglückt, es doch noch realisiert zu haben, was, wie erwähnt, bereits zu Beginn als Idee im Untergrund lebte: Die Belegung dieses in all seinen Bezügen sensiblen, offenen Stadtraums durch „ihr“ Stadthaus. Und der Gemeinderat gab schliesslich dazu sein „Ja“.

    Es wurde daher trotz der „Problematik Festwiese“ kein Projekt durchgearbeitet, wie die Stadt durch einen in allen Teilen repräsentativen Bau am jetzigen Ort, in der „City“, dazu beitragen könnte, der Misere der „Hauptstrasse“ einen kräftigen Riegel vorzuschieben: Mit einem mutigen Gebäude, das weit über die Stadtgrenzen hinaus Aufmerksamkeit erlangen würde, wie wir es bei anderen Städten erleben. Architektur, ob alt oder neu, hat in einer Stadt stets eine wesentliche Ankerfunktion: Eine Stadt wird dadurch erst erlebbar, und zugleich auch attraktiver. Dazu braucht es nur etwas Mut. Das Geld ist in K. vorhanden.

    Ein solches modernes Stadthaus, das in seiner Funktion weit über die nur administrativen Stadtbelange hinaus zu gehen hätte, wäre die wichtige Initialzündung für ein zukünftig attraktiveres, belebteres Zentrum. Es stellte sich krass dem entgegen, was auf der letzten Freifläche der Stadt mit einem Solitärbau angedacht wird.

    Verlässt die Stadt das Zentrum, wird die Chance deutlich minimiert, dass die Hauptstrasse „endlich wieder mehr zu leben beginnt“.

    Durch eine Bebauung der Festwiese verliert die Stadt einen bedeutenden Teil ihres raumoffenen Charakters, dem sie sich bis heute, trotz mancher Fehlentwicklungen, noch immer verpflichtet fühlen sollte. Zusätzlich tritt das einzige Stadtmerkmal (St. Ulrich) in seiner Ankerfunktion in den Hintergrund.

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