/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Strategiefindung mit Eigentümern und Gewerbe

Kreuzlingen – Die Stadt Kreuzlingen erarbeitet derzeit unter Mithilfe des «Netzwerks Altstadt» eine «Nutzungsstrategie» für das Stadtzentrum. Daran beteiligt sind auch die Eigentümer der Liegenschaften und die Gewerbetreibenden im Zentrum. Mittels Umfragen und Workshops wurden sie um ihre Inputs gebeten und direkt einbezogen. Aus der Nutzungsstrategie werden dann geeignete Massnahmen abgeleitet.

Symbolbild. (Archivbild: Emil Keller)

Symbolbild. (Archivbild: Emil Keller)

Im Auftrag der Stadt steht derzeit das Netzwerk Altstadt mit Ladenbetreibenden und Liegenschaftseigentümern im Dialog. Dabei geht es um die Frage, wie das Kreuzlinger Zentrum weiterhin ein Detailhandelszentrum und Begegnungsort sein kann und was man konkret unternimmt, um dies sicherzustellen. Denn zu erwarten sind weitere Herausforderungen, nicht nur wegen der Nähe zu Konstanz sondern auch wegen dem allgemeinen Wandel der Einkaufsgewohnheiten.

Umfrage und Workshops
Ende September fanden zwei Workshops statt, in denen die Ergebnisse der Umfragen mit den Eigentümern sowie Ladenbetreibern und Gastronomen im Zentrum diskutiert wurden. Dabei zeigte sich, dass zwar alle für den Ortskern einstehen, die Lösungen aber noch nicht klar sind. Zwar sind die klassischen Forderungen wie mehr Parkplätze und attraktive Aussenräume schnell auf dem Tisch. Wenn es aber um konkretere Konzepte geht, wird das Bedürfnis nach gemeinsamer Strategiearbeit sichtbar.

Eine Frage der Lage
Aufgrund der unterschiedlichen Zentrumsbereiche, die im Ortskern verstreut liegen (Konstanzerstrasse, Bahnhofstrasse, Hauptstrasse, Löwenstrasse), stellt sich die Frage, ob und wie diese Lagen als Zentrum bestehen können. Die Ladenangebote sind in manchen Bereichen wenig dicht und die Atmosphäre nicht immer einladend. Während der Boulevard als Zentrumslage klar positioniert ist, ringen die Befragten mit klaren Aussagen zur weiteren Entwicklung der anderen Lagen. Gerade die Löwenstrasse bietet Potential.

Auch die Stadt muss sich dieser Frage stellen, nachdem eine Aufwertung des Aussenraumes irgendwann ansteht. «Wir werden die Aussagen aus diesen Umfragen und Diskussionen in unsere Überlegungen zur Zukunft der Löwenstrasse aufnehmen», kommentiert Stadtpräsident Andreas Netzle. Je eher man weiss, welche Nutzungen im Zentrum sinnvoll und deshalb anzustreben sind, umso eher lässt sich eine Investition rechtfertigen. Denn eine schöne Strasse alleine mache noch keinen attraktiven Geschäftsstandort aus.

(Bild: Archiv)

Der Boulevard, unbestritten Kreuzlingens erste Adresse. (Bild: Archiv)

Thema Boulevard
Der Boulevard war mehrfach Thema bei den Diskussionen. Aus der Sicht des «Netzwerks Altstadt» hat Kreuzlingen eine attraktive Zentrumslage mit einer ausreichenden Auswahl an Läden, obwohl der Ladenmix nicht optimal ist. Der Boulevard sei eine gute Adresse und als Ortskern unbestritten. Die an sich berechtigten Fragen zu Verkehrsmenge oder Flanierqualität führten leider dazu, dass die positiven Aspekte teilweise zu wenig beachtet werden. Paul Hasler, einer der beiden Berater des Netzwerkes Altstadt, ermutigte daher die Vertreter der Geschäfte, den positiven Aspekten des Boulevards mehr Beachtung zu schenken.

Der Schritt nach vorne
In der Diskussion um konkrete Massnahmen wurde das Bedürfnis nach einem gemeinsamen Zentrumsmanagement spürbar. Dieses würde sich aktiv um die Ansiedelung von Läden kümmern, den Dialog zwischen Gewerbe, Eigentümer und Stadt pflegen und beim Marketing beratend mithelfen. Laut Hasler muss die ideale Lösung hier aber noch gefunden werden, was mit einiger Vorarbeit verbunden ist. Der Alltag ist für die meisten Geschäfte aber aufreibend genug, sodass übergeordnete Strategiearbeit kaum Platz in den Agenden hat. Dass trotzdem über 30 Inhaber oder Geschäftsführer zur Diskussion erschienen, war ein Erfolg und hat die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit diesen Themen gezeigt.

Auch die Liegenschaftseigentümer betonten die Notwendigkeit einer besseren Koordination mit den Läden, um bestehende Flächen gezielter zu besetzen und Leerstände zu vermeiden. Gleichzeitig sind sie sich der Grenzen der Vermietbarkeit bewusst.

Gibt es Alternativen zum Laden?
Eine Vollbesetzung der heute bestehenden Ladenflächen mit Detailhändlern ist illusorisch. Auch ohne die Nähe zu Konstanz wäre Kreuzlingen heute in der Situation, dass der Detailhandel im Zentrum einen schweren Stand hat. Hasler betonte, es gebe ein Überangebot an Ladenflächen durch den Zuwachs an Einkaufszentren und die Verlagerung in den Internethandel. «Wir müssen über Schrumpfungsprozesse reden.» Diese Schrumpfung geht einher mit dem Rückgang von Erträgen, sowohl bei den Läden, wie auch bei den Eigentümern. Daher war der Workshop mit den Eigentümern besonders wichtig. Teilweise kann es angezeigt sein, Mietverträge für Ladenlokale nach unten zu korrigieren, um einen Laden halten zu können. Die Eigentümer teilten im Grundsatz diese These, wobei jeder Fall einzeln geprüft werden muss.

Auslegeordnung
Die Umfrage und die Diskussionen ergaben eine erste Auslegeordnung der Probleme und Bedürfnisse der Betroffenen. In einem nächsten Schritt werden die Berater des Netzwerks Altstadt eine mögliche Strategie formen, die sie als Entwurf den Beteiligten wieder zur Diskussion vorlegen. In einer zweiten Phase wird die Bevölkerung eingeladen werden, sich zu den konkreten Vorschlägen zu äussern. Dies wird voraussichtlich im Frühjahr 2017 sein.

Share Button

One thought on “Strategiefindung mit Eigentümern und Gewerbe

  1. Bruno Neidhart

    Wenn hier von einem „Schrumpfungsprozess“ in dieser zentralen Stadtlage gesprochen wird, so ist die Frage erlaubt, wie weit nicht auch der vorgesehene Wegzug des Stadthauses aus der historischen „Stadtmitte Hauptstrasse“ zusätzlich seinen Teil dazu beitragen würde. Jede Stadt braucht eine lebendige Mitte. Wird diese durch ein Stadthaus – zusammen mit den heute wichtigen Insignien „Parkhaus Zentrum-Stadthaus“! – hervor gehoben, und zeigt gleichzeitig dieses Stadthaus eine mutige, architektonisch attraktive Modernität, so kann davon ausgegangen werden, dass sich allein durch diesen baukulturellen Aspekt das Interesse an der Kreuzlinger Mitte grundlegend zu verändern vermag. Man kommt und staunt. Und was in der Folge wesentlich erscheint: Das positive Beispiel einer modernen Baukultur kann für weitere Institutionen, geschäftliche Aktivitäten aller Art, kulturelle Einrichtungen, andere Projekte, sowohl in privater, wie in städtischer Regie realisiert, als Animation zum Aufbruch in eine moderne Zukunft der Mitte begriffen werden. Kreuzlingen ist seit rund 900 Jahren bekanntlich nicht „geschichtslos“. Es hat daher sein Baumerkmal. Was heute urban fehlt, ist eine baulich konzentrierte, attraktive moderne Mitte. Diese gilt es in den kommenden Jahren zu schaffen. Gibt es einen anderen Weg? Oder begnügt man sich als „Schlafstadt mit ausgegliederten Einkaufszentren und attraktiver Nachbarstadt“? Kreuzlingen kann mehr. Es braucht nur Mut.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.