/// Rubrik: Kultur

«Enklave» neu entdecken

Kreuzlingen – Eine verwaiste «Irrenanstalt», eine monatelange Kunstorgie, eine verlorene Volksabstimmung: Inspiration für Künstlerinnen und Künstler gibt es genügend bei der vierten Ausschreibung des Kunstprojekts «Entdeckung des Stadtraumes».

Stadträtin Dorena Raggenbass und Architekt Bernard Roth betrachten die möglichen Standorte für das Kunstwerk.(Bild: ek)

Stadträtin Dorena Raggenbass und Architekt Bernard Roth betrachten die möglichen Standorte für das Kunstwerk. (Bild: ek)

Idyllisch schlängelt sich der Weg hinter dem Hauptbahnhof am Schoderbach entlang ins Quartier Emmishofen. Eine bisschen versteckte, aber durchlässige und rege genutzte Verbindung von Fussgängern und Velofahrern. Das war jedoch nicht immer so: Bis 1980 gehörte das 70000 m² grosse Gelände zum Sanatorium Bellevue. Mit einer meterhohen Hecke umgeben, rankten sich Gerüchte und Geschichten um das Areal, welches für die normale Bevölkerung verschlossen blieb. Erst 1984 erhielt diese Einblick durch die Mammutveranstaltung «Kunstgrenze».

Rund 70 Künstlerinnen und Künstler bevölkerten während zwei Monaten die verlassene Klinik und zeigten Kunst, Fotografien und Filmvorführungen. 1985 wollte die Stadt sogar das gesamte Bellevue-Areal kaufen, das Volk lehnt dies in einer Abstimmung jedoch ab. «Genau an diese Geschichten möchten wir mit der vierten Ausschreibung unseres Kunstwettbewerbs anknüpfen», sagt Mitinitiant Bernard Roth. Einen kleinen Aufenthaltsort soll damit geschaffen werden, um das Gebiet in den Fokus zu rücken. Jeder darf sich mit einer Idee bewerben: «Nicht der Künstler, sondern das Objekt soll einen Bezug zum Ort haben», erklärt das Mitglied der Kunstkommission der Stadt Kreuzlingen.

 

Am Schoderbach soll Kunst im öffentlichen Raum entstehen. (Bild: zvg)

Am Schoderbach soll Kunst im öffentlichen Raum entstehen. (Bild: zvg)

«Die Kunst verbreitet sich dadurch langsam im öffentlichen Raum», erklärt Stadträtin Dorena Raggenbass die Beweggründe fürs Projekt. Gleichzeitig soll die Bevölkerung verwaiste Kreuzlinger Orte, wie eben die abgeschnittene «Bellevue-Enklave», neu entdecken. 20000 Franken stellt die Stadt Bewerbern dabei zur Verfügung. «Ein relativ geringer Betrag», sagt Raggenbass, müssen damit doch Planungs-, Material- und Honorarkosten gedeckt werden. Bis zum 1. Februar 2017 können Projekte eingereicht werden, danach kürt eine sechsköpfige Jury einen Gewinner. Den gesamten Projektausschrieb samt detaillierten Ortsplänen gibt es auf www.kreuzlingen.ch.

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