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«Abdruck im Niemandswo»

Gottlieben – Nächsten Donnerstag, 3. November, 20 Uhr, liest im Bodman-Literaturhaus wieder Lyrik angesagt. Jochen Kelter hat den Lyriker Thomas Böhme eingeladen.

Thomas Böhme. (Bild: Andreas Laich)

Thomas Böhme. (Bild: Andreas Laich)

Thomas Böhme ist 1955 in Leipzig geboren, wo er auch heute lebt. Er war als Bibliothekar und Werberedakteur tätig und arbeitet seit 1985 fast durchgängig als freier Autor. Er hat kurze Prosa, Erzählungen und Romane veröffentlicht und schreibt nicht zuletzt Gedichte. Er liest aus seinem jüngsten Gedichtband «Abdruck im Niemandswo».

Sachsen mag auf der politischen Landkarte zur Zeit nicht gerade der Garten Eden sein. Aber die Region hat erstaunlich viele gute Lyriker hervorgebracht, unter anderen den Büchnerpreisträger Volker Braun, die es nicht zuletzt verstehen, eine eher unspektakuläre, spröde Landschaft durch poetische Sprache zu beseelen. So etwa der Doyen der sächsischen Poeten Ulf Kirsten oder Thomas Rosenlöcher aus Dresden, aber auch der junge Thilo Krause, der an der ETH Zürich forscht und vor einiger Zeit zu Gast im Bodmanhaus war. Thomas Böhme steht ganz in dieser Tradition, etwa mit einem Gedicht wie «Braunkohlensommer», das übriges Ulf Kirsten gewidmet ist: «Nie stürzte der Himmel ein in diesen endlosen Sommern / in denen Sepiawolken & kandierte Aromen / von den südlichen Kokereien in die Stadt geweht wurden.» Oder Kindheitszeilen wie den folgenden: «Verrohrt & verstrippt, von Totholz versperrt / das Wäldchen, das sich an die Schutthalde krallt. / Hier brauchte man Trapperkleidung / Enterbeil. Drahtschere, Fahrtenmesser / sich einen Weg durchs Gestrüpp zu bahnen.»

Unsere Region ist Thomas Böhme nicht unbekannt. Er war zusammen mit einer Gruppe junger Autoren und Autorinnen aus der DDR just beim Mauerfall im Herbst 1989 zu Gast an der Universität Konstanz und hat so auch ganz kurz den Thurgau besucht.

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