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Die flüssigste Geschwindigkeit

Kreuzlingen – Die Romanshornerstrasse muss saniert werden. Durch eine gleichzeitige Aufwertung stehen Bundesgelder vom Agglomerationsprogramm in Aussicht. Dafür muss jedoch die Sicherheit und Aufenthaltsqualität des Strassenraums erhöht werden. Gleichzeitig enthält das Projekt ein Novum: Bisher gibt es im Thurgau keine Kantonsstrasse mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30km/h.

Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h im Zentrum von Kurzrickenbach soll eine einfache Überquerung der Strasse ermöglichen.(Bild: archiv)

Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h im Zentrum von Kurzrickenbach soll eine einfache Überquerung der Strasse ermöglichen. (Bild: archiv)

«Der Belag ist in einem schlechten Zustand und auch die Werksleitungen sind in die Jahre gekommen», macht Stadtrat Ernst Zülle keinen Hehl um die Verfassung der Romanshornerstrasse. Eine Sanierung ist unumgänglich und als sich sein Departement Bau an die Planung machte, wurde schnell klar, dass es hier um eine Gemeinschaftsaufgabe geht. Weil es sich um eine Kantonsstrasse handelt, übernimmt der Thurgau die Hälfte der Kosten. Die Massnahmen wurden zudem im Agglomerationsprogramm Kreuzlingen-Konstanz der zweiten Generation vorgeschlagen und vom Bund genehmigt. 880’000 Franken sind nun maximal zugesichert, sofern gewisse Aspekte im Projekt enthalten sind.

Dazu zählen eine Verbesserung der Aufenthalts- und Wohnqualität, eine Verbesserung der Sicherheit für Fussgänger und Radfahrer, eine Reduktion der Trennwirkung der Strasse, eine Aufwertung des Ortsbildes sowie eine geringfügige Verkehrsverlagerung auf die Seetalstrasse. Im Kreditbegehren, welches am 10. November dem Gemeinderat zur Zustimmung vorgelegt wird, sind diese Punkte nun alle enthalten. 2’890’000 Franken gross ist der Anteil der Stadt Kreuzlingen an der Aufwertung und Sanierung der Romanshornerstrasse zwischen dem Kreisel Blauhausplatz und dem Ziilkreisel. Hinzu kommt dann ein gleich grosser Betrag durch den Kanton sowie der Beitrag des Bundes. Insgesamt will man 6,6 Millionen Franken in die Strecke investieren.

«Ohne die Aufwertung schätzen wir die Kosten für die Sanierung auf rund fünf Millionen Franken, wovon wir die Hälfte so oder so übernehmen müssen», zeigt Zülle den finanziellen Mehrwert des ausgearbeiteten Projekts auf.

Schnell ist nicht am besten
Die längste Strecke vom Blauhausplatz bis zum Zentrum Kurzrickenbach weist mit einer Fahrbahn von 6,3 Metern eine ziemlich schmale Breite auf. Deshalb soll der Velostreifen entfernt werden. «Was auf den ersten Blick als Nachteil erscheint, dient der Sicherheit der Velofahrer», so Zülle. Erfahrungen zeigen, dass Fahrradfahrer nur  dann überholt werden, wenn kein Gegenverkehr kommt. Auch bei den Bushaltestellen sollen die «Einbuchtungen» verschwinden, wodurch der Bus nicht überholbar wird. «Dadurch wird er zum ‹Pulkführer›, unterteilt die Kolone und sorgt so bei Knotenpunkten wie einem Kreisel für einen flüssigen Verkehr», erklärt der Stadtrat. Im Zentrum von Kurzrickenbach wird die Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer gedrosselt. Alle Fussgängerstreifen werden entfernt, wodurch überall die Strassenseite gewechselt werden darf. Nur der Zebrastreifen vor der Seetalschule bleibt samt Lichtsignal bestehen. «Darauf haben wir bestanden», sagt Zülle. Der letzte Abschnitt bis zum Ziilkreisel erhält wieder einen Radstreifen von 1,25 Metern, dafür wird es für den Autofahrer mit einer Fahrspur von 2,75 Meter Breite relativ eng.

12’500 bis 17’000 Fahrzeuge benutzen tagtäglich die Strecke. Messungen haben gezeigt: Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt auch heute nur bei 39 Stundenkilometern. Insgesamt rechnet das Departement Bau damit, dass es nach Abschluss der Aufwertung 30 Sekunden länger dauert, die gesamte Strecke zu befahren. «Dafür gewinnen wir Sicherheit sowie einen lebenswerten Dorfkern Kurzrickenbach», sagt Zülle.

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