/// Rubrik: Leserbriefe

Völlig am Ziel vorbei

Leserbrief – Die Initiative «Ja zu einer guten Thurgauer Volksschule» zielt völlig am Ziel einer guten Volksschule vorbei. Es verkompliziert und verzögert die Umsetzung und Einführung des Lehrplanes 21, der seit Jahren minutiös und genau von vielen Fachleuten erarbeitet wurde. (Franco Bucca, SP Bezirkspräsident Kreuzlingen)

Dabei wird ganz und gar nicht die Basis einer guten Schule vernachlässigt – wie von den Befürwortern angegeben. Im Gegenteil! Das Lernziel ist und bleibt weiterhin eine gute Bildung, die aber nun den neuen Anforderungen und Gegebenheiten angepasst ist.

Überhaupt, was soll daran so falsch sein, dass auch den Kindern bereits gewisse Kompetenzen und Entscheidungen übertragen werden? Jeder hat bis zu einem gewissen Grad die Chance, etwas gestalterischer in seiner Lernphase zu sein. In dieser schnelllebigen und sich rasch verändernden Welt ist es wichtig, dass man sich bereits ein wenig darin zurecht findet und zwar möglichst früh.

(Bild: archiv)

(Bild: archiv)

Ein wichtiger Punkt, den der Lehrplan 21 erfüllt, ist die Harmonisierung der Bildung. Harmonisierung heisst übrigens nicht, dass sämtliche Regelungen vollständig und einheitlich auszugestalten sind. Harmonisieren heisst, die existierenden verschiedenen Regelungen unter Wahrung der kantonalen Selbstständigkeit einander anzugleichen. Jeder Kanton bleibt weiterhin frei bei der Unterrichtsorganisation, den Stundentafeln, der internen Strukturierung, den Anstellungs- und Arbeitsbedingungen der Lehrpersonen sowie der Auswahl der Lehrmittel.
Sollte diese Initiative angenommen werden, so muss jedes Jahr der Lehrplan von unseren Kantonsräten – die grösstenteils keine professionellen Fachkräfte sind, sondern meistens Parteien und fremde Interessensverbände vertreten – neu diskutiert werden. Eine langfristige Planung ist somit nicht möglich.

Das Wichtigste zuletzt: der Lehrplan 21 wurde nicht einfach so in einer Nacht- und Nebelaktion erfunden, sondern er entstand in mehreren Schritten. Die Lehrerschaft, die Fachwelt und interessierte Öffentlichkeit wurde im Rahmen von Vernehmlassungen, Tagungen und Hearings miteinbezogen. Die nötige öffentliche Diskussion hat stattgefunden.

Wollen wir wirklich eine Verpolitisierung unserer Schule? Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir nun auf dem eingeschlagenen Weg ohne Verzögerung bleiben und ein NEIN auf dem Wahlzettel schreiben.

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