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Tiefe Einblicke

Kreuzlingen – An der Pädagogischen Maturitätsschule Kreuzlingen präsentierten 87 Schülerinnen und Schüler die Ergebnisse von einem Jahr Forschung. (Text: Inka Grabowsky)

Rektor Lorenz Zubler zeigte sich beeindruckt. (Bild: zvg)

Rektor Lorenz Zubler zeigte sich beeindruckt. (Bild: zvg)

Rektor Lorenz Zubler hat einen interessanten Abend hinter sich: «Ich bin heute gedanklich in der halben Welt herumgereist», sagt er zum Abschluss des ersten Präsentationstags. «Von Palmölplantagen in Indonesien über Korruption in Zentralasien bis zum Spracherwerb in Sri Lanka: die Themenvielfalt bei den Maturaarbeiten ist beeindruckend.» Zwölf Monate haben Maturanden Zeit, sich mit einem Thema intensiv zu befassen, es theoretisch zu beschreiben, gegebenenfalls praktisch umzusetzen und schliesslich der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Verständlich, dass sie sich ein Gebiet aussuchen, für das sie sich ohnehin interessieren. Kendra Alder beispielsweise begleitete das Herisauer Kleintheater «Alte Stuhlfabrik» bei seinem Neustart, nachdem ihre Eltern es übernommen hatten. «Ich habe dadurch natürlich einen persönlichen Bezug zum Theater bekommen», sagt sie. Nach ihrer Untersuchung kann sie ihren Eltern Hoffnung machen: «Es ist eine grosse Herausforderung, finanzielle Unterstützung für die Alte Stuhlfabrik zu bekommen, aber der Standort ist gut. Die Bevölkerung ist überzeugt davon, dass es einen Kulturort in Herisau braucht. Wenn das Angebot gut ist, kommen die Menschen.»

Tanz und Musik

Das Supersax von Alexandra Oswald in Aktion. (Bild: zvg)

Das Supersax von Alexandra Oswald in Aktion. (Bild: zvg)

Marco Kummer ist seit früher Jugend ein begeisterter Tänzer. Für seine Arbeit setzte er sich folgerichtig mit dem «Popping Dance» auseinander, einer modernen Stilrichtung, die mit Breakdance, Pantomime und Hip-Hop verwandt ist. Marcos Maturaarbeit bestand nicht nur in der schriftlichen Arbeit, sondern auch in der Choreografie, die er innerhalb von sechs Monaten einstudiert hatte und nun vorführte.

Alexandra Oswald begeisterte sich für den Bau eines neuartigen Blasinstruments, einer Mischung aus Alphorn und Saxophon. Rund 250 Stunden hat sie für die Entwicklung ihres Prototyps investiert, bis sie bei der Präsentation dann tatsächlich das Thurgauerlied intonieren konnte. Für die theoretischen Grundlagen konnte sie auf Erkenntnisse aus der Physik oder dem Instrumentenbau zurückgreifen, doch als sie konkret vor der Frage stand, wo sie Löcher in den selbstgebauten Korpus des Instruments bohren sollte, musste sie improvisieren. «Es gibt keine Formel dafür. Ich habe es einfach ausprobiert und manche Löcher später wieder zugeflickt.» Auch bei der Klappenmechanik gab es Rückschläge: «Nach 15 Stunden Arbeit stellte ich fest, dass die Drähte zu kurz waren. Ich musste vor vorne anfangen.» Umso beeindruckter war nun das Publikum vom Ergebnis.

Neben kulturellen Themen beschäftigten sich viele Schülerinnen und Schüler mit Sport und unternahmen diverse Selbstversuche: Sie dokumentierten zum Beispiel ihren Muskelaufbau oder die Vorbereitung auf einen Triathlon oder den Engadiner Inline-Marathon. Wie zur Warnung für ihre Schulkollegen erforschte Tamara Zogg die Sportsucht, sprach mit Betroffenen und stellte fest, wie schwer es ist aus dem Teufelskreis auszubrechen, der entsteht, wenn man Trainingsziele zu hoch steckt, auf die Regenerationszeit verzichtet, deshalb noch mehr trainiert und gerade so nie seine Ziele erreicht. «Das führt zu körperlichen, psychischen und sozialen Belastungen, die noch viel besser erforscht werden sollten.»

Wie an der pädagogischen Maturitätsschule nicht anders zu erwarten ging es in einigen Arbeiten explizit um pädagogische Themen wie «Powerfranzösisch», kindliches Spielverhalten oder die Vor- und Nachteile des Schulnotensystems. Saskia Hossli schlug die Brücke zur aktuellen Tagespolitik, indem sie die Integration von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden durch Bildung und Ausbildung in den Kantonen St. Gallen und Thurgau verglich. «Ich bin zum Schluss gekommen, dass die Integration am besten funktioniert, wenn die Jugendlichen dezentral in unterschiedlichen Gemeinden untergebracht werden, wenn sie am Alltagsleben in der Schweiz teilnehmen und in Sportvereinen Mitglied sein können. Je praxisnäher der Unterricht ausfällt, wenn man also die Sprache mit Lebenskunde oder der Arbeit in einer Werkstatt verknüpft, desto besser sind die Erfolge.»

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