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Knapp gewonnen ist auch gewonnen

Kreuzlingen – Es war ein denkbar knappes Ja zum Stadthaus am vergangenen Wochenende. Stadtpräsident Andreas Netzle freut sich mit dem gesamten Stadtrat über das Ergebnis. Im Interview verrät er, wie es nun weitergeht.

Herr Netzle, sportlich gesprochen war das ein Sieg mit einem Hundertstel Vorsprung. Kann sich der Stadtrat da überhaupt so richtig freuen?
Andreas Netzle: Nach unseren demokratischen Spielregeln braucht es eine einfache Mehrheit, um etwas machen oder ändern zu können. Es gibt kein Quorum. Wir hätten es umgekehrt auch akzeptieren müssen, wenn das Stadthaus mit der gleichen Differenz abgelehnt worden wäre. Der Stadtrat freut sich mit dem Gemeinderat und vielen Kreuzlingern darüber, dass das Stadthaus-Projekt, für das er sich so lange eingesetzt hat, jetzt endlich realisiert werden kann. Das kann man ihm nicht verübeln. Zahlreiche Briefe und Mails, die wir seit Sonntag erhalten haben, bestärken uns darin.

Die Stadträte Thomas Beringer (l.) und Ernst Zülle stossen mit Stadtpräsident Andreas Netzle (m.) auf das Ergebnis an.

Die Stadträte Thomas Beringer (l.) und Ernst Zülle stossen mit Stadtpräsident Andreas Netzle (m.) auf das Ergebnis an.

Wo und wie haben Sie gefeiert?
Der Stadtrat hat am Sonntagnachmittag mit vielen Einwohnern im Rathaus auf das positive Ergebnis angestossen. Privat haben die meisten von uns mit ihren Liebsten und Freunden eine gute Flasche aufgemacht und den Augenblick genossen, bevor ab jetzt die grosse Arbeit der Detailplanung beginnt.

Wie lange dauert es, bis die Baukommission loslegen kann?
Wir werden jetzt zunächst das weitere Vorgehen planen und für die nächsten Schritte den Rahmen und den Zeitplan festlegen. Dazu gehört die Bestimmung der Baukommission, die möglichst rasch erfolgen soll.

Wie gross ist diese? Wer soll da drin sitzen?
In der Baukommission muss möglichst viel Erfahrung und Wissen im Bereich des Baus von Gebäuden versammelt werden. Dazu gehören aber auch, wie schon bei der Jury im Architekturwettbewerb, Vertreter von Interessensgruppen und der Nutzer des Gebäudes.

Ein wichtiger Entscheid wird sein: Generalunternehmer oder Einzelvergaben. Welches würde der Stadtrat vorziehen?
Vor diesem wichtigen Entscheid wird sich der Stadtrat umfassend über die Vor- und Nachteile der beiden möglichen Vorgehensweisen informieren lassen. Er wird Verfechter beider Systeme zu einer Anhörung einladen. Übergibt man die Ausführung des Baus an einen Generalunternehmer, garantiert dieser, den Bau in der vorher definierten Art und Qualität zu einem festen Preis zu realisieren. Bei der direkten Vergabe der Aufträge liegt die ganze Arbeit der Ausschreibung und Auftragsvergabe bei der Stadt als Bauherrin. Allerdings ist sie da voll an das öffentliche Vergaberecht gebunden.

Wie stellt man sicher, dass einheimische Firmen beim Bau den Zuschlag erhalten?
Gemäss den Regeln des öffentlichen Vergabewesens nach Gatt/WTO müssen die Kriterien der Auftragsvergaben klar definiert und gewichtet werden. Dabei darf kein direkter «Heimatschutz» stattfinden. Wir werden aber den gegebenen Spielraum ausschöpfen und nach Möglichkeit Firmen aus Kreuzlingen und der Region berücksichtigen. Nicht vergessen darf man, dass später auch für den Betrieb und den Unterhalt Aufträge vergeben werden. Da gibt es mehr Möglichkeiten, Aufträge direkt an unser Gewerbe zu vergeben.

Dann gibt es noch das Verkehrskonzept und für die Altliegenschaften das Nutzungskonzept. Wer kann und soll diese machen?
Wie wir diese beiden Themen angehen und wer uns die Grundlagen dazu liefert, wird im Rahmen des weiteren Vorgehens bestimmt. Hier besteht aber weniger Zeitdruck als bei der Detailplanung.

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One thought on “Knapp gewonnen ist auch gewonnen

  1. Bruno Neidhart

    Es bleibt dabei: Ein Jahrhundertfehler! Das haben unsere Vorfahren nicht verdient. Sie waren stolz auf das Offenhalten der Mitte, dem freien Blick auf das Stadtmerkmal, sie waren geschichtsbewusster. Und sie hatten mit der Hauptstrasse/Löwenstrasse und angrenzende Bereiche ein Geschäftszentrum entwickelt, das leider u.a. durch die derzeitigen (Währungs-) Wirren an seiner Existenzgrundlage entlang schrammt, da dem Stadtrat in den vergangenen 10 Jahren, in der sich diese Entwicklung abgezeichnet hat, auch nicht viel eingefallen ist, wichtige Grundstücke (Löwen) brachliegen liess und rund um die Stadt Einkaufszentren schuf, jedoch kein „Parkhaus Stadthaus-Mitte“ zustande brachte, kein sicheres Radwegesystem ins Zentrum entwickelte, usw. Und der Begriff „Bouelevard“ – welch Grössenwahn (!) – hat die Sachlage nur noch mehr bestätigt: Es ist höchste Zeit für Kreativität, für eine Zukunftsgestaltung im Zentrum. Mit dem Wegzug des Stadthauses wird allerdings das Gegenteil erreicht. Diese Flucht, die eigentlich durch die Pro-Stimmen der Stadträte quasi, wenn man so will, selbst inszenniert wurde (!), wie das knappe Abstimmungresultat zeigt, ist unverständlich. Die Geschäftswelt hätte mit einem neuen, mutigen, modernen Stadthaus ohne Zweifel einen Schub bekommen, Kreuzlingen in der urbanen Mitte lebendig zu erhalten, hätten sich sicher selbst mehr zugetraut, ebenso zu investieren, an die Zukunft zu glauben. Und dann ist da noch die Jugend, die Bildungsstadt, die Kultur, der Sport, usw. Was für Chancen hätte Kreuzlingen, dies alles in seinem klassischen Zentrum – trotz derzeitiger negativer Prognosen – lebendig zu präsentieren!
    Ein mutiges, positives Erstellen und Umsetzen eines „Kreuzlinger Zukunftsbildes“ hätte mit einem neuen Stadthaus in der Stadmitte begonnen. Diese Chance ist nun vertan, dieser lebendige Schub bleibt aus. Gar nicht zum Wohl der Geschäftswelt Hauptstrasse-Löwenstrasse und angrenzende Bereiche und deren Zukunft, gar nicht zum Vorteil einer lebendigen Innenstadt, ohne eine solche Profilierung eine Stadt stirbt. Allein ein modernes kreatives Stadthaus hätte im Jahresverlauf Tausende von Menschen ins unmittelbare Zentrum bringen und es entscheidend beleben können! Der Stadtrat hat sich vehement für den Auszug stark gemacht, sich selbst ausgeschlossen. Das ist letztlich die Tragödie.

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