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Papstwahl als historischer Höhepunkt

Konstanz/Kreuzlingen – Das Konstanzer Konziljubiläum widmet sich 2017 der Papstwahl, welche das 40 Jahre andauernde abendländische Schisma beendete.

In einer feierlichen Zeremonie setzen die Kardinäle dem neuen Papst Martin V. seine Tiara auf. Er wurde 1417 von geistlichen sowie auch weltlichen Vertretern gewählt. (Bild: Richental-Chronik; Rosgartenmuseum Konstanz)

In einer feierlichen Zeremonie setzen die Kardinäle dem neuen Papst Martin V. seine Tiara auf. Er wurde 1417 von geistlichen sowie auch weltlichen Vertretern gewählt. (Bild: Richental-Chronik; Rosgartenmuseum Konstanz)

Eingesperrt und von Bogenschützen bewacht hatten die 53 Wahlmänner im Konstanzer Konzil eine Entscheidung zu treffen, welche Europa nach 40 Jahren religiöser Spaltung wieder vereinen sollte: einen gemeinsamen Papst. «Das am 11. November 1417, nach nur vier Tagen Bedenkzeit, der neue Papst gewählt war, glich einem Wunder», erklärt Konzilexperte Henry Gerlach.
Der neue geistliche Führer des Abendlandes für die nächsten 24 Jahre wurde Oddo Colonna, ein unehelich geborener Subdiakon, welcher sich den Namen Martin V. gab. Es sollte die erste und letzte gültige Papstwahl nördlich der Alpen bleiben. «Viele der vertretenen Nationen befanden sich während dem Konklave im Krieg, dennoch explodierte das Pulverfass nicht», sagt der Konstanzer Dekan Dr. Mathias Trennert-Helwig.

Geschichte lebendig machen
Und so soll 600 Jahre später unter dem Titel «Jahr der Religionen» dieser lösungsorientierte Diskurs der damaligen Konzilväter aufgenommen und in unsere multireligiöse Gesellschaft übertragen werden. Höhepunkt im vierten Jubiläumsjahr des Konstanzer Konzils wird am 11. November 2017 die Verkündung der Papstwahl. Mit Festakt, Chören und Prozession wird der Ausruf «Habemus Papam» gefeiert.

Während des Jahres thematisiert die Konziloper «La Juive» Konflikte zwischen Juden und Christen. Die Ausstellung des Archäologischen Landesmuseums zeigt auf, dass diese beiden Glaubensrichtungen dennoch enger miteinander verknüpft waren als gedacht. Der eigens geschaffene Kunstfonds Konzil ermöglicht wieder Ausstellungen, Filmprojekte oder Lesungen und die Volkshochschule Konstanz beleuchtet das Mittelalter und die Gegenwart.

Das Kreuzlinger Tor
In einem Planspiel, an dem bis zu 150 Jugendliche aus ganz Europa teilnehmen sollen, wird das Konklave sogar neu aufgerollt– möglicherweise mit ganz anderem Wahlausgang.
Und auch der Thurgau ist vertreten, heute wie damals. Die Wege des Konzils werden aufgefrischt, 2017 steht alles im Zeichen der Kirchen, Klöster und Kapellen im Thurgau. Im Museum Rosenegg wird die Ausstellung «Ländliches Leben im späten Mittelalter» im Mai und Juni um das Thema «Frauen im Mittelalter» ergänzt. Gleichzeitig wird nächstes Jahr der Hauptzoll als damaliges «Kreuzlinger Tor» bespielt. Zwölf Fahnen sollen von König Sigismund bis zum heutigen Einkaufstouristen Persönlichkeiten widerspiegeln, welche diese Passage vom Konzil bis zur Gegenwart benutzt haben.

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One thought on “Papstwahl als historischer Höhepunkt

  1. Bruno Neidhart

    In der Nähe des Hauptzolls „Kreuzlinger Tor“, zum See hin, ist übrigens die Ur-Zelle von Kreuzlingen. So lesen wir bei Arno Borst („Mönche am Bodensee“, Propyläen Taschenbuch): „….zwischen 1084 und 1110, wahrscheinlich nach 1105 liess Bischof Gebhard III. vor den Stadtmauern von Konstanz eine neue Kirche zu Ehren von St. Ulrich und Afra bauen, an der sich in einer Cella eine kleine Priestergemeinschaft niederliess“. Und weiter „……bereits vor 1120 hiess ihre Anlage Crucilin, also Kreuzlingen“. Kreuzlingen war das ersten Augustinerchorherrenstift am See. Die Ur-Anlage besteht nicht mehr.

    Die noch heute als Stadtmerkmal wirkende Kirche St. Ulrich und Afra geht – zusammen mit den augustinischen Klosterbauten – , unmittelbar auf die erste Gründung zurück. Kreuzlingen hat Geschichte! Die Stadt sollte sich dessen bewusster werden und auch in der heutigen Zeit erinnerungswürdig danach handeln, so, wie es unsere Vorfahren hielten.

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