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Erlebnisse eines Weltenbummlers

Tägerwilen – Seine Geschichten unterhalten, berühren und regen zum Nachdenken an: Als Vermesser für Ölfirmen arbeitete Peter Wittich auf der ganzen Welt. Notizen über seine vielfältigen Begegnungen und Erlebnisse hat er jetzt in einem Buch zusammengefasst. Am Freitag liest er im Bindersgarten in Tägerwilen.

Peter Wittich war 26 Jahre alt, als er nach Afrika auswanderte. Aufgewachsen und zur Schule gegangen ist er in Gottlieben, seine Lehre hat er bei der Mowag gemacht. Dann wollte er mehr sehen: «Durch meine Arbeit wurde ich in jede Ecke der Welt geführt, zunächst ins Nigerdelta, dann nach Brunei in Borneo.» Sechs Jahre verbrachte er ausserdem in den Niederlanden, von wo er Projekte unter anderem in Ostafrika, Tunesien, der Türkei und USA betreute. Es folgten weitere Jahre in Südostasien. Zum Jahrtausendwechsel kam er zurück in die Schweiz.

Seine berufliche Tätigkeit erforderte dabei viel schriftliche Dokumentation. Der dienstlichen fügte er die private hinzu, Schubladen voller Inhalte. «Mitgebracht habe ich im wahrsten Sinne des Wortes einen ganzen Koffer voll Erinnerungen», sagt der 77-Jährige. Der Gedanke, diese umfangreichen Notizen zu Geschichten zu verarbeiten, liess ihn nicht mehr los. «Ich habe interessante Begegnungen und aufregende Abenteuer erlebt, bin viel gereist», so Wittich. Davon gibt es vor allem im ersten Teil des Buches zu lesen: Als junger Mann kroch er durch die Sümpfe Nigerias, verlor beinahe sein Leben oder entging einer Verhaftung durch aufgebrachte Dörfler nur knapp.

Peter Wittich wuchs in Gottlieben auf. Heute nachmittag liest er im Bindergarten in Tägerwilen aus seinem ersten Buch. (Bilder: zvg)

Peter Wittich wuchs in Gottlieben auf. Heute nachmittag liest er im Bindergarten in Tägerwilen aus seinem ersten Buch. (Bilder: zvg)

Unglaubliche Geschichten
Er trifft Chief Patrik, der nach dreissig Jahren noch seinen Namen weiss, oder besucht ein Dorf im tiefen Wald, wo man sich entschuldigte, dass man ihm kein Bier offerieren konnte. Teilweise sind die Geschichten unglaublich, wie die vom Vater, der aus Liebe zur Tochter als deren Sohn wieder zur Welt kam. Der kleine Junge sah tatsächlich aus wie ein alter Mann, schreibt Wittich.
Er erzählt von diesen Erlebnissen in kurzen, aneinandergereihten Episoden aus der Ich-Perspektive und in humorvollem Ton.

Der zweite Teil des Buches ist stärker literarisch aufgearbeitet und enthält sechs Erzählungen, teils mit tragischem Inhalt. In einer wird ein Garnelenfischer von seiner Frau verlassen, nachdem eine dem Sohn gegenüber sein Leben lang aufrecht erhaltene Lüge aufgeflogen ist. Ein Schotte musste dazu sterben. In einer weiteren töten die Krallen eines Steinadlers das Baby eines jungen Paares.

buch_wittichAuch Fotos und Illustrationen fertigte Wittich an. Diese holte er ebenfalls aus dem «Zettelkasten» und packte sie ins Buch.

«Mit meinen Erlebnisgeschichten möchte ich unterhalten, aber auch zum Nachdenken anregen», sagt der Autor. «Sie alle basieren auf wahren Begebenheiten. Ich habe sehr viele Leute an allen möglichen Orten der Welt kennengelernt. Das hat mich inspiriert.»
Heute lebt er in Grabserberg, St. Gallen. Hier arbeitete Wittich bis weit über das Pensionsalter als freischaffender Berater. Erst spät entschloss er sich dazu, das Erlebte in Buchform zu präsentieren. «Die rohen Geschichten bestanden schon lange, aber ich habe erst vor Kurzem angefangen, diese zu raffinieren», sagt er. Zu diesem Zweck besuchte er Kurse in Belletristik und Journalismus.

Seine Leser möchte er damit erfreuen und gleichzeitig gewonnene Erkenntnisse teilen: «Das Leben auch in armen Regionen der Welt ist nicht nur von Armut und Gewalt geprägt», weiss der Schriftsteller. «Menschen bewältigen ihren Alltag genau wie hier und versuchen, glücklich zu sein.»

Mal etwas von der Welt zu sehen, könnte er indes jedem nur empfehlen: «Ich bin immer dort zu Hause gewesen, wo ich mich gerade befunden habe», sagt er. Wenn seine Geschichten also beim ein oder anderen Fernweh hervorrufen, dann ist dies gewollt – obwohl viele der Orte darin nicht mehr oder nur noch mit grossem Risiko besucht werden können. Sie zeugen von einer Zeit, in der die Welt noch eine andere war.

Das Buch erschien in einer Auflage von 3000 Stück beim Verlag United P.C. Man kann es dort oder beim Autor bestellen (peter.wittich@bluewin.ch).

Diesen Freitag, 9. Dezember, ab 15 Uhr, stellt Autor Peter Wittich sein erstes Buch «Stöbern im Zettelkasten – Als die Welt noch eine andere war» im Bindersgarten in Tägerwilen vor. Im Anschluss ab 16.30 Uhr nimmt er am Stammtisch teil. Dort besteht die Möglichkeit, den Autor kennenzulernen und sein Buchexemplar signieren zu lassen.

 

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