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Rudi Rakete und der Weihnachtswunsch – Teil 3

In den letzten beiden Wochen hat Rudi Rakete überlegt, was er sich zu Weihnachten wünschen soll. Wer Rudi Rakete ist, weisst du ja schon längst. Er ist das beste Kind der Welt, mit dem golden glänzenden Haar, Cowboystiefeln und dem alten Zylinder. Und immer, ja wirklich immer, hat er kurze Hosen an. Auch im Winter. Moa und Käpt’n Schleuder wohnen mit ihm im Haus am Fluss, aber das weisst du ja auch schon. Von wem du noch nicht viel gehört ist, das ist Nucki. Bestimmt fragst du dich schon die ganze Zeit, was ein Hüpfschwein ist, und woher es kommt. Und was Rudi sich nun zu Weihnachten wünscht, willst du sicherlich auch wissen. Mach es dir gemütlich und hör gut zu, dann weisst du gleich mehr!

Das Hüpfschwein Nucki lebt mit Rudi Rakete im Haus am Fluss. (Illustration: vf)

Zunächst einmal werde ich dir erzählen wer Nucki ist. Nucki ist ungefähr kniehoch, durch und durch rosa und sehr sportlich. Es gehört nämlich zur Gattung der Hüpfschweine. Ein Hüpfschwein ist eine wahre Seltenheit, aber auch sehr praktisch. Man kommt damit an die abgelegensten Stellen und Orte. Auf Bäume zum Beispiel oder über hohe Zäune. Auch bei Wassergräben ist ein Hüpfschwein unglaublich hilfreich. Nucki schläft morgens sehr lange. Wenn das Schweinchen dann aber erwacht, rast es los. Zuerst auf die Veranda, nachsehen wie viele Fische und Wolkentiere Rudi schon eingefangen hat, danach in den Garten. Dort flitzt es wie eine gesengte Sau zwischen den Beeten und Bäumen umher. Man sieht nur noch einen rosa Blitz. Das geht ungefähr sieben Minuten so, dann ist Nucki ausgetobt und bereit für einen Spaziergang in normalem Tempo.

Nucki wurde eines schönen Tages von Käpt’n Schleuder auf einer seiner langen Reisen gefunden. Oder besser gesagt: Nucki hat Käpt’n Schleuder  gefunden. Das war so: Schleuder unternimmt manchmal sehr lange Fahrten mit seinem Schiff. Er bricht bereits im Morgengrauen auf und fährt dann Richtung Südsüdwest oder Nordost, immer geradeaus. Stundenlang. Bis er einen Fleck auf der Landkarte findet, an dem er noch nie gewesen ist. An jenem besagten Morgen war dies eine kleine Insel, mitten im Fluss. Sie sah unbewohnt aus, kein Hafen war zu sehen und so warf Schleuder noch im tiefen Wasser den Anker aus und ging mit einem kleinen aufblasbaren Schlauchboot an Land. Auf der Insel machte er seine übliche Erkundungstour. Das dauerte Stunden. Schleuder begutachtet nämlich immer jeden Winkel und jedes noch so entlegene Eckchen, da lässt er nichts aus. In all dieser Zeit also war sein Schiff unbeaufsichtigt.

Nun, keiner weiß genau, wie es passiert ist, aber Schleuder erklärt sich die Geschichte folgendermaßen: Als er die Insel nach einem Schatz durchkämmte, muss Nucki sich sehr erschrocken haben. Immerhin ist das Schweinchen wohl sein Leben lang ungestört und allein gewesen. Es ist also vermutlich panisch ins Wasser gesprungen und zum nächst möglichen sicheren Ort geschwommen. Richtig – das war Schleuders Schiff. Dort hat sich Nucki versteckt. Als Schleuder am Abend wieder Kurs aufnahm und Richtung Heimat segelte, ahnte er nicht, dass ein blinder Passagier an Bord war. Erst im Schutz der Dämmerung streckte Nucki sein rosa Rüsselchen vorsichtig hervor. Schleuder bemerkte es sogleich – ein guter Pirat weiß immer was auf seinem Schiff vor sich geht – und lockte das schüchterne Schweinchen mit Keksen aus seinem Versteck. Da Nucki Kekse liebt, waren sie sofort gute Freunde. Und was Moa und Rudi zu dem Mitbringsel sagten, kannst du dir bestimmt denken. Seither hat es sich das Hüpfschwein im Haus am Fluss bequem gemacht und ist ein treuer Begleiter von Rudi.

Obwohl ein Hüpfschwein nicht sprechen kann, will Rudi ihm dennoch von seinem Wunschproblem erzählen. Eines kann Nucki nämlich hervorragend: zuhören! Also beginnt Rudi seine Geschichte. Er erzählt von Moa und den Socken, von Schleuder und der Christbaumspitze. Von seinen Besitztümern und von Weihnachten im Allgemeinen. Doch Nucki grunzt nur beiläufig, als Rudi ihm sein Problem schildert. Das Schweinchen liegt vor dem warmen Ofen und es ist für jeden zu sehen, dass es sich dort so wohl fühlt und nichts weiter braucht. Wunschlos glücklich, könnte man sagen. Da fällt Rudi auf, dass es ihm eigentlich genauso geht. Und wenn er noch so lange darüber nachdenkt, ihm fällt nichts ein, was er sich wünschen könnte. Eigentlich ist das ja ziemlich schön, denkt sich Rudi. Wunschlos glücklich sein, einfach so, das können wahrscheinlich nicht viele. Entspannt lehnt sich Rudi zurück. So hat er die Sache bislang nicht betrachtet.

Was nun aber aus dem Weihnachtsfest werden soll, so ganz ohne Wunsch, das ist Rudi immer noch ein Rätsel. Aber ein paar Tage hat er ja noch Zeit. Er schlendert pfeifend in sein Zimmer und holt Stifte und sein Notizbuch. Auf eine freie Seite schreibt er mit Schönschrift «Liebes Christkind!» Dann kaut er am Ende seines Bleistiftes und überlegt. Wie der Brief weitergeht, erfährst du bald!

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