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Rudi Rakete und der Weihnachtswunsch

Weihnachten steht vor der Tür und Rudi Rakete muss noch seinen Wunschzettel schreiben. Er hat aber alles, was er zum Leben braucht – eine Angel, ein Notizbuch, Cowboystiefel, einen Zylinder, einen Bleistift und einen Globus – und so weiss er nicht, was er sich wünschen soll. In den letzten Wochen hat er Prinzessin Moa um Rat gefragt, sie wünscht sich neue Socken. Das ist nichts für Rudi Rakete. Der Piratenhauptmann Schleuder möchte eine funkelnde Christbaumspitze für sein Schiff und das Hüpfschwein Nucki ist wunschlos glücklich. So geht es Rudi eigentlich auch. Als er seinen Brief an das Christkind beginnt, fällt ihm aber doch noch etwas ein. Hör gut zu, dann wirst du es erfahren!

Rudis Opa, der König, hat ein tolles Schloss. (Bild: zvg)

Rudi sitzt an Moas grossem Schreibtisch. Vor sich hat er einen Bogen Papier, in der Hand hält er einen Bleistift. Auf dem Papier steht schon geschrieben: «Liebes Christkind». Richtig! Rudi schreibt seinen Wunschzettel. Da er aber keinen einzigen Wunsch hat, ist das gar nicht so einfach. Das kannst du dir vermutlich denken. In den letzten Wochen hat Rudi viel überlegt und gegrübelt. Er hat jeden gefragt, den er kennt. Das Hüpfschein Nucki, Käpt’n Schleuder und Prinzessin Moa.

Ach ja, sicherlich hast du dich schon gefragt, warum Moa eigentlich eine Prinzessin ist. Nun, das ist sehr einfach zu beantworten. Prinz oder Prinzessin wird man nicht einfach so. Und es ist auch kein Beruf, den man sich aussuchen kann, wie Bäcker oder Metzger oder Lehrer. Als Prinz oder Prinzessin wird man geboren, und zwar dann, wenn der Vater ein König oder die Mutter eine Königin ist. So ist es auch im Fall von Moa. Ihr Vater, also der Grossvater von Rudi, ist König im Reich Banania. Ständig begleitet wird er von einem wilden Königshasen namens Mietzbert. Ein sehr besonderes Tier, das dem König kaum von der Seite weicht. Zusammen sitzen sie oft auf dem Balkon des Königsschlosses und blicken über ihr Reich.

Rudis Opa, der König, hat ein tolles Schloss, wie du dir vermutlich vorstellen kannst. Es steht mitten in einem Wald auf einem Hügel und ist schon von Weitem zu erkennen. Es hat viele Türme und noch mehr Zimmer. In jedem Zimmer ist etwas Besonderes. Eines ist voller Schiffe, wie in einem Museum. Und eines voller Fahrräder. Es sind so viele, dass Rudi jedes Mal, wenn er bei seinem Opa zu Besuch ist, ein anderes ausprobieren kann. Damit rast er dann den Burghang hinab, das macht so richtig Spass, wie du dir denken kannst. Es gibt aber noch viel mehr zu entdecken. Ein ganzer Turm ist voller Bücher. Gemütliche Sessel stehen in den Ecken der Zimmer und so kann man dort den ganzen Tag verbringen. Es gibt Geschichten von grossen Helden und Abenteurern, wilden Tieren im Dschungel und Astronauten auf dem Mond. Stunden kann Rudi hier verbringen, wenn sein Grossvater ihm vorliest oder sie zusammen die bunten Fotografien betrachten. Manchmal erzählt der König Opa auch Geschichten von früher, als er klein war. Das mag Rudi ganz besonders gerne. Das ist schon lange her, musst du wissen. Rudis Opa ist nämlich mindestens einhundert Jahre alt. Und als er klein war, da war die Welt ein bisschen anders. Rudi überlegt sich, wie es wohl ist, wenn er einmal so alt ist. Wie wird die Welt dann sein?

Ein bisschen traurig wird Rudi manchmal, denn er weiss, dass sein Grossvater dann vielleicht nicht mehr da sein wird. In diesen Momenten wünscht er sich, dass er immer so klein bleibt und alles so ist, wie eben jetzt. Aber insgeheim ahnt Rudi, dass er langsam gross werden wird. Die Zeit steht nicht still und eines Tages wird er eben doch hundert Jahre alt und König sein.

Jetzt ist es an der Zeit, den Wunschzettel zu verfassen. Rudi hat beschlossen, dass das ein guter Anlass ist, für diesen Wunsch. Es ist zwar nichts, was man unter den Weihnachtsbaum legen kann, aber das Christkind wird sich schon etwas einfallen lassen. Er schreibt also weiter: «Ich wünsche mir, dass alles so bleibt, wie es gerade ist. Die Welt ist wunderbar und so soll sie immer sein. Im Sommer sollen Kirschen an den Bäumen hängen und im Winter Eisblumen am Fenster glitzern. Zusammen mit Moa und Schleuder und Nucki möchte ich jeden Abend einen Fisch essen und der Sonne beim Untergehen zusehen. Und sonntags möchte ich meinen Opa, den König, besuchen. So wie wir es immer schon getan haben! Liebe Grüsse, dein Rudi Rakete». Zufrieden steckt Rudi den Brief in einen Umschlag und gibt ihm am nächsten Morgen Schleuder, der ihn zur Post bringen soll.

Und rate mal, was dann an Heiligabend passiert ist? Unter dem Baum lagen Geschenke. Socken für Moa, eine Christbaumspitze für Käpt’n Schleuder, Kekse für Nucki und für Rudi ein kleiner Karton. Darin waren Wasserfarben, Silvesterraketen zum in den Himmel schiessen, und Blumensamen. Dazu eine Karte, auf der stand: «Lieber Rudi! Vielen Dank für deinen Brief. Die Zeit kann man leider nicht aufhalten, nicht einmal ich kann das. Du wirst grösser und manche Dinge werden anders, aber auch das wird schön, du wirst sehen! Damit du siehst, was ich meine, pflanze die Blumensamen im Garten an und warte auf den Frühling. Und wenn dir die Welt einmal zu grau und eintönig wird, nimm Farbe und male sie an oder mach ein ordentliches Feuerwerk. Das hilft immer! Alles Liebe, dein Christkind!»

Das Buch kann man bestellen unter: v.fischer@kreuzlinger-zeitung.ch

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