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Die Weihnachts­geschichte

Kreuzlingen – Alle Jahre wieder wird sie erzählt: die Weihnachtsgeschichte. Sie handelt von Maria und Josef, die sich auf eine Reise begeben und ein Kind zur Welt bringen. Die Geschichte ist zu einem Symbol geworden. In ihrem Ursprung steckt eine der grössten Liebeserklärungen aller Zeiten.

Die heilige Familie an der Krippe. (Bild: Karl-Michael Soemer/pixelio)

Die Geschichte von der Geburt Jesu beginnt mit seiner Empfängnis. Maria ist nicht verheiratet und dennoch schwanger – in der damaligen Zeit ein Grund aus der Gesellschaft verstossen oder gar gesteinigt zu werden. In dieser Geschichte aber tritt Josef auf den Plan und nimmt Maria zur Frau. Dem ist aber nicht genug. Als ihm im Traum ein Engel erscheint, der ihm sagt, dass Maria den Sohn Gottes unter ihrem Herzen trägt, nimmt Josef diese Botschaft an und verbreitet sie in der Welt.

Durch die Liebe dieses Mannes also wird eine Frau von der Hure zu einer Heiligen. Josef vermittelt diese Botschaft mit einer solchen Überzeugungskraft, dass seine Botschaft geglaubt wird und sich in der ganzen Welt verbreitet. Über tausende von Jahren hinweg. Durch seinen Rückhalt und seine Stärke wird Maria zur Ikone und Jesus zum Sohn Gottes ernannt. Es gibt kein Zögern und kein Zweifeln. Er nimmt das Kind, das nicht von ihm ist, an, wie seinen eigenen Sohn. Auch hier tritt sie also wieder in Kraft, die bedingungslose und stille Liebe von Josef. Er ist eine Randfigur in der Weihnachtsgeschichte. Es gibt kaum Darstellungen mit ihm und dem Kind, im Krippenspiel hat er kaum etwas zu sagen. Er handelt also nicht, um sich selbst als guten Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, um sich zu präsentieren und sich für seine Taten loben zu lassen, sondern er tut all dies still und leise, im Geheimen, für sich und seine Familie.

Furchtlos liebend
Als sich das junge Paar dann kurz vor der Niederkunft vor verschlossenen Türen findet, beweist Josef abermals eine unerschütterliche Stärke. Er bringt Maria in einen Stall und entbindet dort mit ihr ganz alleine ein Kind. Jeder, der einmal bei einer Geburt mit dabei war, kann sich vorstellen, was das bedeutet. Es gibt keinen Arzt und keine Hebamme, die sich mit dem Geburtsverlauf auskennen. Jede dritte Geburt in dieser Zeit endete für die Mutter tödlich. Wenn Komplikationen auftraten, konnte nicht wie heute mit medizinischen Mitteln eingegriffen werden. Und nun fand diese Geburt nicht in einem Bett statt, es gab kein Wasser, keine Tücher, keinen warmen Ofen. Es war kalt und schmutzig, weit und breit war keine Hilfe zu erreichen. Und da stand Josef dem Leben und dem Schicksal ausgeliefert, neben seiner Frau, die vor Schmerzen schrie und brachte mit ihr gemeinsam ein Kind zur Welt.

Josef wird zur Vaterfigur und damit zum Vorbild für seinen Sohn. Er lehrt ihm die wahre Form der Liebe, die nicht laut ist, nicht prahlt und nicht den Liebenden ins Zentrum stellt, sondern das Geliebte.

Somit gibt uns die Weihnachtsgeschichte eine Anleitung, wie Familie gelebt werden kann. In der heutigen Zeit, in der es Patchworkfamilien gibt, können wir uns hier ein Vorbild nehmen: Josef  und Maria zeigen uns, wie viel Mut es erfordert eine Familie zu gründen. Und wie viel Liebe es braucht, um sie zu erhalten – egal in welcher Form.

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