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Gregorianik meets Pop

Konstanz – «The Gregorian Voices» sind am 14. Januar um 17 Uhr in der Lutherkirche in Konstanz zu hören. Klassische gregorianische Chorälen, orthodoxe Kirchengesänge und Lieder der Renaissance und des Barock sind neben Leonhard Cohens «Hallelujah», «Sound of Silence» von Simon & Garfunkel sowie Bob Dylans «Knocking On Heaven‘s Door» und Rod Stewards «I’m Sailing» zu hören.

Gregorianische Gesänge mischen sich mit modernen Songs. (Bild: zvg)

Stehende Ovationen und frenetischer Jubel bei gregorianischen Gesängen in der Kirche sind ungewöhnlich? Nicht bei «The Gregorian Voices». Das bulgarische Vokaloktett löst seit dem Frühjahr 2011 bei seiner Tournee durch Europa regelmässig derartig emotionale Reaktionen aus. Kein Wunder, dass dieser besondere Chor bereits mehrere   internationale Auszeichnungen erhalten hat. Sein Können umfasst ein erstaunliches Spektrum, das vom einstimmigen liturgischen Gesang bis hin zur polyphonen  Fünfstimmigkeit mit schallenden Bässen und aufsteigenden Falsettstimmen reicht. In schlichte Mönchskutten gekleidet erschaffen «The Gregorian Voices» durch die beeindruckende Präsentation ihrer substanzreichen Stimmen eine grossartige, mystische Atmosphäre, die gerade in Kirchen Raum greifend und sehr berührend ist. Dieser stimmgewaltigen Formation von acht Sängern ist die klassische Gesangsausbildung anzuhören. Ihre glockenklaren Stimmen, der Zwiegesang von Bass, Bariton und Tenor breitet sich komplex und spannungsreich über dem Publikum aus. Der achtköpfige Männerchor aus dem bulgarischen Sofia begeistert und fasziniert mit gregorianischen Chorälen, orthodoxen Gesängen und Madrigalen unter der künstlerischen Leitung von Georgi Pandurov ein breites Publikum.

Das Herausragende an diesem Chor ist, dass er die frühmittelalterlichen gregorianischen Choräle völlig neu belebt und interpretiert. Wie das gelingen kann, beweisen «The Gregorian Voices» eindrucksvoll, wenn sie berühmte Klassiker der Popmusik im gregorianischen Stil arrangieren. Auch mit diesem gewagten Experiment lösen sie überwältigende Reaktionen im Publikum aus: «intensiv, aufwühlend, überragend oder erstaunlich» sind Ausrufe, die häufig zu hören sind. Rod Stewards «I’m Sailing» in einer sakralen Modulation zu hören, ist schon ein emotionales Erlebnis. Auch «Imagine», ein bekannter Song von John Lennon, erntet neben «Ameno» von ERA treffsicher und beständig  Beifallsstürme. Die Spannung im Publikum ist zum Greifen, wenn «The Gregorian Voices» ihr Konzert mit einer Hommage an Michael Jackson und Lionel Richie krönen: «We Are The World, We Are The Children».

«The Gregorian Voices» sind am 14. Januar um 17 Uhr in der Lutherkirche in Konstanz zu hören.

Die Gregorianik
Unter Gregorianik oder gregorianischem Choral versteht man den einstimmigen, unbegleiteten, liturgischen Gesang der katholischen Kirche in lateinischer Sprache. Bis heute werden verschiedene Theorien zur Entstehung der Melodien diskutiert. Gesichert erscheint, dass die Form der gesungenen Liturgie im Wesentlichen aus Rom stammt, wo sie zwischen dem 4. und dem frühen 8. Jahrhundert nach und nach entstand. Im klerikalen und im klösterlichen Leben des Mittelalters hatte das gesungene Lob Gottes, Laus Dei, den höchsten Stellenwert. Kleriker und Mönche widmeten viele Stunden des Tages und der Nacht dem Singen und der  Weiterentwicklung der Liturgie. Heute, 1200 Jahre nach seiner Blütezeit, entdeckt ein breites Publikum die heilsame Wirkung des Gregorianischen Chorals sowie die Freude an  überraschenden Interpretationen von Popsongs, die es nicht für möglich gehalten hätte. So erleben die mittelalterlichen Sakralgesänge dank des Könnens von Chören wie «The Gregorian Voices» ein fulminantes Comeback. Dem Publikum öffnet sich eine Tür zu einer musikalischen Zeitreise durch zwölf Jahrhunderte. Dass es diesen grandiosen acht Künstlern immer wieder gelingt, eine spannungsreiche Atmosphäre zu schaffen, bewiesen «The Gregorian Voices» erneut, als ihre Tournee sie ins Kloster Ebersbach führte, in dem der Film «Der Name der Rose» von Umberto Eco gedreht wurde. Es war einfach sensationell, wie dieser Chor inmitten der historischen Kulisse die mystische Grundstimmung des Films wieder aufleben liess. Hier erlebt man die Faszination, die diese gesungenen Gebete auf ein breites Publikum ausübt!

 

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