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Die Arbeit der Bootsbauer und die Liebe einer Frau

Kreuzlingen – Die neue Sonderausstellung im Seemuseum widmet sich dem Geschehen in Werften, «Bootsbau hautnah». Die Vernissage mit Vorträgen von Experten ist am Mittwoch, 25. Januar, um 19 Uhr.

Arbeiten im Inneren eines Bootes. (Bild: Kerstin Schulze)

Wenn die Fotografin Kerstin Schulze, deren Werke ab Mittwoch im Seemuseum zu sehen sind, von ihrer Arbeit erzählt, wird schnell deutlich, dass es sich nicht um ein Fotoprojekt handelt, bei dem rein das Ästhetische im Vordergrund steht. Es ist eine Reportage, die hier angefertigt wurde. Ein ausführlicher Bericht, mit wissenschaftlicher Genauigkeit und technischer Präzision.
Wenn Schulze anfängt zu erzählen, kann man sich staunend zurücklehnen und zuhören. Sie referiert über die Geschichte der dokumentierten Boote, weiss jeden Namen, jedes Detail, jeden Schritt der Restaurations- oder Aufbauarbeiten. Sie spricht in Fachwörtern, ihre Augen strahlen, wenn sie von den Bootsbauern erzählt, von ihrer Körperlichkeit beim Handwerken. Da merkt man es:

Museumsleiterin Ursula Steinhauser (links) und Fotografin Kerstin Schulze. (Bild: vf)

Bootsbau ist sexy!
Zwei Jahre lang hat die Fotografin Arbeiten an den beiden 45er Kreuzern «Gaudeamus» und «Pillipu» in der Werft von Stefan Züst und der Martin-Werft fotografisch begleitet. Die Boote zeichnen sich aus durch ihren Löffelbug, ihre Schnelligkeit bei Leichtwind, die solide Bauweise sowie die vielfältige Einsatzbereitschaft. Zwischen Staub und Holzlack hat Schulze ihre Bilder mit grafischer Formsprache aufgenommen. Es ging ihr darum, die Bewegungen der Menschen einzufangen, den Hobel, der über das Holz rast, die Geräusche des Tackers, die Enge im Schiffsbug – Bootsbau hautnah eben. «Durch meine Perspektive als Frau habe ich dieser Männerdomäne im Bootsbau eine weitere Facette gegeben», sagt die Fotografin. «Zu den technischen Daten kommt nun eine emotionale Betrachtungsweise, die eine runde Sache entstehen lässt.» Eine runde Sache ist die Ausstellung in der Tat, dank des Einsatzes von Ingo Schulze, dem Ehemann der Fotografin. Er hat spontan zum Werkzeugkasten gegriffen und begonnen einen Kanadier aus Holz zu bauen. Für den Schreinermeister und Segler eine schöne Herausforderung. Die Werkstätte ist in die Ausstellung integriert. Somit ist das Thema Bootsbau fast zum Anfassen. Verheiratet sind die beiden seit zwölf Jahren und es ist nicht das erste Projekt, das sie gemeinsam meistern. Beide haben schon als Kinder von Booten geträumt. Kerstin Schulze hat Segelknoten geübt, bis sie diese blind konnte und jedes Buch zum Thema verschlungen. Ingo Schulze hat als kleiner Junge Modellschiffe gebaut und diese auf dem Ententeich fahren lassen. Gemeinsam haben sie nun diese Ausstellung im Dachgeschoss des Seemuseums konzipiert. Wie sie auf das historische Gebäude in Kreuzlingen kamen? «Meinen Mann bekomme ich nur schwer ins Museum», antwortet Kerstin Schulze hierauf, «aber hier im Seemuseum kriege ich ihn fast nicht mehr raus.» Die Ausstellung ist bis Ende Juni im Dachgeschoss vom Seemuseum zu sehen. Zur Vernissage halten Wolfgang Beck, der Präsident der 45er Klassenvereinigung, und Josef Martin,  Bootsbauer und Inhaber der Martin Yachten, Fachvorträge. Museumsleiterin Ursula Steinhauser freut sich über diese Sonderausstellung, die Dank der hohen Motivation und des Herzblutes aller Beteiligten im Schnellgang auf die Beine gestellt werden konnte. Vielleicht springt der Funke ja über auf die Besucher der Ausstellung, an Begeisterung für den Bootsbau mangelt es hierbei definitiv nicht.

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