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Der erste Shitstorm ist 500 Jahre alt

Frauenfald – Der «Shitstorm» ist ein Unwort und gleichzeitig ein Symptom für eine Krise. Wenn mediale Beschimpfungen dramatisch zunehmen, kündigt sich eine Zeitenwende an. Dies ist heute so und auch vor 500 Jahren, als man sich öffentlich aufs Übelste verunglimpfte.

Auch der Papst war während der Reformation vor Verunglimpfungen nicht gefeit. (Bild: zvg)

Auch vor 500 Jahren waren die Zeitgenossen schockiert. Auf Strassen und Plätzen wurden Flugblätter herumgereicht, die Menschen durch den Dreck ziehen, den Papst als Schwein darstellen oder Nonnen und Juden als Teufelsgeburten beleidigen. Die Parallele zu den heutigen Diffamierungskampagnen auf Facebook oder Twitter ist frappant und ein deutliches Zeichen für eine Zeitenwende. Am 26. Januar um 12.30 Uhr erläutert Kurator Dr. Dominik Schnetzer am Museumshäppli des Historischen Museums Thurgau die Hintergründe der ersten Shitstorms der Geschichte.

In Windeseile und gnadenlos
Ob katholisch, reformiert oder politisch zur vermeintlich falschen Seite gehörend: Niemand konnte im 16. Jahrhundert sicher sein, nicht Opfer einer üblen medialen Beschimpfung zu werden. Diese verbreiteten sich jeweils rasant und bis ins kleinste Dorf. Durch den Buchdruck war es möglich geworden, massenhaft Flugblätter in Umlauf zu bringen. Ein Verteilnetz von den Druckern, über Kleinkrämer bis zu den Marktschreiern garantierte die rasche Verteilung der Schmähschriften, deren Inhalte sich als Feindbilder in den Köpfen festsetzten. Die Diffamierungskampagnen begleiteten die einschneidende Zeitenwende vom Mittelalter zur Neuzeit und sind Symptom einer grossen Krise, die geprägt ist von massiven kriegerischen Auseinandersetzungen und der Umbildung von Politik und Gesellschaft.

Am Referat im Schloss Frauenfeld geht Kurator Dr. Dominik Schnetzer auf die medialen Beschimpfungen der Umbruchszeit vor 500 Jahren ein und zieht Parallelen zum heutigen Phänomen des Shitstorms. Dabei steht die Frage im Raum, ob Shitstorms auch heute Symptom eines grossen Umbruchs sind. Der Eintritt ist frei, ohne Anmeldung.

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