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Ja zum neuen Gesicht der Romanshornerstrasse

Leserbrief – Wie der Umbau der Romanshornerstrasse am Infoabend präsentiert wurde, machte deutlich, dass Stadt, Kanton und der Bund gewillt sind, die Anliegen der Anwohner, der Fussgänger und Velofahrer ernst zu nehmen. (Ernst Frischknecht, Kreuzlingen)

(Bild: archiv)

Diese Strasse soll eben nicht länger ein reiner  Durchgangskorridor für den Autoverkehr sein, der mit 50 und mehr km/h durch die Wohnquartiere brausen will. Die ständige Verbreiterung der Strassen, verbunden mit dem Abriss von Häusern hat gerade in Kurzrickenbach das Dorfbild beinahe zerstört. Gegensteuer ist gefragt, um etwas vom Charakter der Siedlung zu erhalten. Dazu gehören für den Strassenraum ein gedrosseltes Tempo und das heisst weniger Lärm, weniger Abgase und besseres Queren der Strasse; das heisst auch Begrünung und Pflästerungen an den Seiten, was zur Aufwertung des Quartiers beiträgt und es heisst auch, die verbliebenen Läden und Cafés zu unterstützen. Innerstädtisch soll zudem der Langsamverkehr wo immer gefördert werden; deshalb mehr Raum für die Schulkinder, für die Velofahrer und den Bus. Also weg von der rein autogerechten Siedlung und hin zu einer umweltfreundlichen Verkehrspolitik, das ist es, was der Stadtrat im Rahmen des subventionierten Aggloprogramms anstrebt.

Ein nachhaltiges Mobilitätskonzept nimmt die Anwohner, die Gewerbevertreter und die Interessierten am Langsamverkehr (Pro Velo, VCS) mit ins Boot: Das ist hier geschehen und das Resultat ist ein sorgfältig ausgearbeitetes Projekt, in dem auch Kompromisse zugunsten des Autoverkehrs einfliessen konnten.

Insgesamt ein gut austarierte Vorlage, die ein Ja verdient.

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One thought on “Ja zum neuen Gesicht der Romanshornerstrasse

  1. Bruno Neidhart

    Welches „neue Gesicht“ der Romanshornerstrasse auch verpasst wird: sie bleibt im Kern das Ende/der Anfang einer innerstädtischen West-Ost/Ost-West Durchgangsachse Unterseestrasse-Bachstrasse-Bärenstrasse-Egelseestrasse-Romanshornerstrasse und umgekehrt. Diese Achse wird zudem von verschiedenen Zufahrtsstrassen gespeist, womit das starke Verkehrsaufkommen definiert wäre. Die Haupt-Durchgangsachse Seetalstrasse läuft eher periphär durch die Stadt, aber ebenso durch urbane Gebiete. Somit wäre das Kreuzlinger Dilemma beschrieben. Es wird sich nie zur allgemeinen Zufriedenheit lösen lassen. Auch eine relative Entlastung durch eine Südumfahrung der Agglomeration – mit zwei-drei Stichstrasse hinunter zur Stadt -, ein Vorhaben, das in absehbarer Zeit ja nicht das Licht der Welt erblicken wird (!), könnte nur partiell eine Entlastung bringen – u.a. immerhin im Fernlastwagenverkehr und im Ferntourismusverkehr. Aber irgendwo würden auch diese Verkehre die Stadt erreichen, zumindest den ominösen Punkt „Autobahnzoll“ (der zwar für eine zweispurige Abfertigung ausgelegt ist, aber wohl nicht zuletzt wegen Personalmangel nur einspurig in Betrieb ist und daher verkehrsrückwirkend den Kreuzlinger Stadtverkehr stark belastet).

    Was wäre zu tun? Das Beispiel „Stadtbahhofplatz“ zeigt auf, wie der Verkehr „sich selbst plant“, und nicht die „Planer“ den Verkehr. Erinnert sei an die schönen Projekt-Visualisierungen (Visualisierungen haben es ganz allgemein so in sich!), hätte doch ein veritabler „menschenfreundlicher Platz“ entstehen sollen. Der Verkehr wird dort jedoch eindeutig als „Durchgangsereignis“ verstanden.

    Und so wird der Verkehr Kurzrickenbach weiterhin ebenso als „Durchgangsereignis“ definieren. Die Frage ist vielleicht nur, wie rasch dort gefahren werden soll, respektive wie lange eine stehende Fahzeugkolonne das überkommene Dorfbild „aufhübscht“, wenn irgendwo der Bus hält. Und dann kann man da und dort noch ein Bäumchen oder eine Hecke pflanzen oder eine Bank aufstellen. Das wars dann.

    Eine Entlastung des gesamten Strassenabschnitts Blaues Haus-Ziil wäre nur denkbar (und umgekehrt), wenn ab Blauem Haus die Verbindung übers Paulisguet zum Kreisel an der Seetalstrasse als verbindlich erklärt würde, sich nur noch der „Nebenstrassenverkehr“ auf der Romanshornerstrasse tummeln könnte. Die Blauhaus-Ableitung würde besonders an verkehrsprekären Tagen die Seetalstrasse als Haupt-Durchgangsachse jedoch derart belasten, dass dies wohl niemand verantworten möchte.

    Wie man es auch anstellt: alles ist gehupft wie gesprungen, solange der Individualverkehr Motor der gesellschaftlichen Aktivitäten in privater, wie wirtschaftlicher Ausrichtung bleibt. Und das wird noch sehr lange so sein. Die Städte selbst sorgen in Teilen dafür, haben sie doch immer mehr Gewerbe für den täglichen Bedarf an die Peripherie ihres Siedlungsgebietes gelegt. Und dazu kommt der überörtliche Individualverkehr in allen Richtungen, der vom ÖPNV nur bescheiden aufgefangen werden kann. Wer ein Fahrzeug besitzt, fährt es. Daran ist nicht zu weifeln! Auf lange Sicht.

    Was Kreuzlingen betrifft, so hat man es versäumt, vermehrt „konzentriert“ zu bauen, zu verdichten, ein grosses Stadtzentrum zu entwickeln, das aus sich heraus kurze Wege schafft und vermehrt Möglichkeiten einer anderen gesellschaftlichen Stadtkultur eröffnet, die im Stadtkern auch aus wirtschaftlicher und gewerblicher Sicht besser trägt. Der grosse Bauflächenverbrauch bringt es überdies mit sich (Beispiel: man ist quasi bereits oben beim Schützenhaus angelangt!), dass die Verzettelung Bedingungen schafft, welche einer gewünschten, weniger mobilen Stadtgesellschaft entgegen läuft. Sie wird – ja muss – weiter mobil bleiben.

    Somit kann nur partiell darauf geachtet werden, dass dort, wo die Verkehrbedingungen zu einem viele Menschen betreffenden „öffentlichen „Ärgernis“ mutieren, Regelung entstehen, um die Spitzen der Belastung der Bevölkeung – besonders auch in Sinn der Sicherheit – etwas zu kappen. Wie man dies an der Romanshornerstrasse anstellt: Darüber bestehen erkennbar verschiedene Meinungen. Die Realität holt dann nicht selten manche Wünsche rasch ein. Der „Stadtbahnhofplatz“ gibt – wie erwähnt – davon Zeugnis. Viel Glück!

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