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Die Maschinerie des Krieges

Kreuzlingen – Im Kunstraum Kreuzlingen ist heute um 19.30 Uhr Vernissage der Fotoausstellung «Krieg ohne Krieg» von Meinrad Schade sowie einer Installation von Boris Petrovsky, die sich inhaltlich ergänzen.

Die Fotografien von Meinrad Schade zeigen im Kunstraum die Facetten des Krieges. (Bild: zvg)

Wann ist ein Krieg vorbei? Das ist eine Frage, der sich der Fotograf Meinrad Schade in seinen analogen Werken widmet. Zum einen beantwortet er diese im Blick auf die Zeit, zum anderen stehen Orte im Bildzentrum. Schade ist in den vergangenen fünfzehn Jahren durch verschiedene Länder gereist, in denen Krieg herrscht. Allerdings war er nicht als Reporter an der Front, sondern als Künstler an der Grenze. Zu Kriegsgebieten, aber auch inhaltlich. Dabei ist er kein Moralist. Er will nicht mit erhobenem Zeigefinger voranschreiten oder eine Message vermitteln. Seine Bilder machen sichtbar, was Brecht so schön gesagt hat: «Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht.» In Kategorien wie «Landschaft», «Helden», «Wohnen» oder «Waffen» zeigen Schads Aufnahmen schonungslos die Realität von Israel bis Russland. Selbst Kriege, die vorbei sind, haben noch Fangarme, die bis in die Gegenwart reichen. «Ich war an einem Samstag Vormittag in einem Kriegsmuseum in Kiew. Das war proppenvoll, man konnte fast nicht vorankommen. Das Böse hat eine unglaubliche Faszination auf die Menschen, und zwar nicht nur auf Perverse, sondern auf eine breite Masse», so der aus Kreuzlingen stammende Künstler. Die Fotografien sind Leihgaben der Fotostiftung Schweiz aus Winterthur und dem Kunstmuseum Kanton Thurgau. Sie lassen den Betrachter anfangen den Krieg an sich zu hinterfragen und damit auch unsere Gesellschaft, in der wir aktuell leben. Untermalt wird die Betrachtung von Geräuschen, die aus dem Keller des Gebäudes dringen.

Unheimliche Atmosphäre
Schon vom Erdgeschoss aus hat man den Eindruck, dass dort eine Art Schiffsmotor oder ein Maschinenraum untergebracht ist, deren Geräusche eine unheimliche Atmosphäre erzeugen. Hier hat Boris Petrovsky seine Installation «Abwesenheitsassistenz» aufgebaut. Mit einer industriellen Ästhetik, die an Autotuning und Bodybuilding erinnert, steht dort eine Feder, wie man sie von Wipptieren auf dem  Spielplatz kennt. Auf dieser findet sich eine Plattform mit sechs Industriemotoren, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten laufen. Damit beginnt ein wildes, unkontrolliertes Spiel von Bewegung und Stillstand. Energie wird aufgebraucht, ohne dass etwas entsteht. Diese Kontroversen finden sich auch im Titel wieder: ein Abwesenheitsassistent ist ja anwesend, wenn ein anderer es nicht ist. Petrovsky sieht einen klaren Kontext zu den Bildern über seiner Installation: «Die Technik als soziale Konstruktion verändert Landschaften, Menschen und Gesellschaften. Das ist, was beide Bereiche aufzeigen. Und erst ein Rückblick macht eine klare Einordnung möglich, die in der Gegenwart gar nicht gesehen werden kann.» Die Ausstellung ist bis zum 9. April zu sehen. Weitere Infos gibt es unter
www.kunstraum-kreuzlingen.ch

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