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Perspektiven für die Betreuung von Asylbewerbern

Kreuzlingen – An einer Veranstaltung in Kreuzlingen wurden Neuerungen des Kantons, vor allem aber auch Erfreuliches aus den Gemeinden vorgestellt. (Jochen Kelter)

Am Donnerstag, 19. Januar, fand in den Räumlichkeiten der «Arbeitsgruppe für Asylsuchende Thurgau»  (AGATHU) in Kreuzlingen eine Orientierungsveranstaltung  über Neuerungen und neue Entwicklungen in der Betreuung von Asylbewerbern im Kanton statt.  Etwa fünfzig Personen, darunter zahlreiche mit der Betreuung von Asylsuchenden in den Gemeinden Beauftragte und Gemeinderäte waren der Einladung des Vereins AGATHU gefolgt, der, bedingt nicht zuletzt durch das örtliche Empfangszentrum für Flüchtlinge (EVZ), eine Pionierrolle in der Flüchtlingsarbeit durch Freiwillige im Thurgau gespielt hat.

AGATHU hat eine Vorreiterrolle gespielt, aber allmählich verstärkt einerseits der Kanton seine Anstrengungen für eine möglichst rasche Integration der Flüchtlinge durch Sprachkenntnis und Eingliederung in den Arbeitsprozess, andererseits gibt es erfreuliche Entwicklungen der sozialen Integration durch Gemeinden, in denen Asylbewerber, vorläufig aufgenommene und  anerkannte Flüchtlinge untergebracht sind.

Karl Kohli (r.), Präsident des Vereins AGATHU, der an der Freiestrasse das Flüchtlingscafé betreibt. (Bild: archiv)

Bettina Vincenz, Leiterin des Pilotprojektes «Koordinationsstelle für die Integration vorläufig aufgenommener Personen» beim kantonalen Migrationsamt, informierte zum Schluss der rund eineinhalbstündigen Veranstaltung, die freundlich zurückhaltend von AGATHU-Präsident Karl Kohli moderiert wurde, über die neuen koordinierten Massnahmen für vorläufig Aufgenommene ab 24 Jahren. Dazu gehören sprachliche Einstufungstests, Deutsch-Intensivkurse auf verschiedenen Niveaus, berufliche Fähigkeitsabklärungen durch Einsätze an verschiedenartigen Arbeitsorten, Heranführung an den 1. Arbeitsmarkt, Qualifikationsmassnahmen und Job Coaching. Der gesamte Prozess soll nach längstens zwei Jahren mit dem Eintritt ins Berufsleben abgeschlossen sein. Die Deutsch-Intensivkurse finden zentral an drei Orten statt, nämlich Frauenfeld, Romanshorn und Amriswil.

Bund trägt Kosten
Und natürlich erkundigten sich Gemeindevertreter nach den zusätzlichen Kosten, die da vielleicht auf die Gemeinden zukämen: Ausser den Spesen keine. Die sprachlichen und berufsintegrierenden Massnahmen werden vollumfänglich mit der Integrationsbauschale des Bundes finanziert. Auf die Gemeinden entfallen lediglich die mit einem Besuch der verschiedenen Massnahmen entstehenden Fahrkosten. Diese gehören zum Unterhalt einer vorläufig aufgenommenen Person, wofür die Wohngemeinde zuständig ist. Erfreulich auch, dass der Kanton, wie zu hören war, ab dem Sommer neu aufeinander abgestimmte Integrationskurse für Personen mit Migrationshintergrund im Alter zwischen zwölf und 24 einführt.

Christine Holzer, die Beauftragte der Gemeinde Egnach am Obersee, berichtete über die Integrationsanstrengungen in ihrer Gemeinde mit etwa 4500 Einwohnern. Durch die Einbeziehung der Einwohner, von Vereinen, Kirchen und Ortsbehörden sei es gelungen, ein entspanntes Klima und Verhältnis der Bewohner zu den Asylbewerbern zu schaffen. Das könne man nicht von oben verordnen, sondern müsse es sich mit Hilfe von Personen und Institutionen, Lehrern, Pfarrern, Vereinsmitgliedern  erarbeiten. Wozu die Überschaubarkeit einer Gemeinde wie Egnach, der Umstand, dass die Bewohner einander meist kennen und viel von dem, was im Dorf passiert, rasch bekannt wird, sicherlich beiträgt.

Ähnliches berichtete Jeanette Ledergerber aus der sehr dezentralen Gemeinde Kemmental mit etwa derselben Einwohnerzahl. Sie habe sich vom Kanton ein Integrationsprogramm absegnen lassen und dann angefangen, Kontakte zu knüpfen. Auf den Wegen der verstreuten Dörfer seien die Fremden ja gut, und man folge ihnen unterdessen mit durchaus wohlwollenden Blicken. Dass etwa  Asylanten mit den Schülern der Sekundarschule auf dem Schulgelände gemeinsam Fussball spielten, sei ein wichtiger Baustein für deren soziale Integration gewesen. Die Schüler berichteten natürlich daheim von ihren Kontakten, was zur atmosphärischen Verbesserung beitrage. Und sie hatte auch gleich einen «Betroffenen», den Obstbauern Lukas Neuhaus, mitgebracht. Der erzählte, dass er immer mal wieder ein Ehepaar bei der Obsternte und anderen Arbeiten beschäftige,  wofür die Gemeinde ein Taschengeld bezahle. Schon fast freundschaftlich sei er diesen Leuten mittlerweile verbunden, er habe auch immer wieder mit ihnen über ihre Situation und ihre Perspektiven gesprochen. Er lobte ihre Arbeitsmoral und ihre Selbstständigkeit in der Bewältigung der eher einfachen Arbeitsabläufe. So wie er seien auch andere Einwohner den Fremden inzwischen eher wohlgesonnen und sähen sie auch längerfristig durchaus als mögliche Entlastung gerade in der Landwirtschaft.

Was den Berichterstatter am meisten beeindruckt hat, war das zivilgesellschaftliche Engagement, das an diesem Abend spürbar wurde. Dadurch können Pauschal- und Vorurteile, die skandalösen und tendenziösen Berichte eines Teils der Medien wirksam unterlaufen werden. Jedenfalls wurde ein differenziertes und verantwortungsbewusstes Bild des Umgangs mit Flüchtlingen sichtbar.

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