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Warten auf das Signal aus Lausanne

Kreuzlingen – Das Verkehrsregime auf Probe für den Boulevard kommt erneut auf den Prüfstand. Von den zwei Beschwerden gegen die neue Signalisation wurde eine nun ans Bundesgericht weitergezogen. Der geplante Start des Versuchs im Mai ist damit hinfällig.

Angedacht ist eine Halbierung des Durchgangsverkehrs auf dem Boulevard, doch die Pläne dazu wurden bis anhin verhindert. (Bild: archiv)

Seit 2014 liegt eine neue Verkehrsregelung für den Boulevard bereit. In einem einjährigen Versuch soll Fahrzeugen die Einfahrt in den nördlichen Eingang des Boulevards verwehrt werden. Die Schützenstrasse zwischen Haupt- und Sonnenstrasse soll zu einer autofreien Zone werden. Auch die Schützenstrasse zwischen Sonnenstrasse und Einfahrt Coop-Tankstelle soll zur Einbahnstrasse werden.

Jahrelanger Rechtsstreit
Obwohl im Vorfeld alle Betroffenen an einen Tisch geholt wurden, regte sich dennoch juristischer Widerstand gegen die einjährige Versuchsphase. Anfangs gingen sechs Beschwerden beim Departement für Bau und Umwelt (DBU) des Kantons Thurgau ein, wovon zwei geschützt wurden. Das Verwaltungsgericht Thurgau, die nächst höhere Instanz, wies jedoch beide ab. Die Coop Mineralöl AG, welche die Tankstelle an der Sonnenstrasse 16 betreibt, hat ihre Beschwerde nun bis nach Lausanne ans Bundesgericht gezogen, um die einjährige Versuchsphase zu verhindern.

«Der Entscheid des Verwaltungsgerichts ist nun auf dem Prüfstand. Der Stadtrat hält natürlich weiter an seinem Vorhaben fest», sagt Stadtpräsident Andreas Netzle.
Angedacht ist eine Halbierung des reinen Durchgangsverkehrs auf dem Boulevard. Ob die geplanten Massnahmen die gewünschte Reduktion der heute rund 8000 Fahrzeuge bringt und was dies für Auswirkungen auf das übrige Strassennetz hat, soll die Versuchsphase zeigen. Diese sei elementar für die Planung und Verbesserung der Verkehrsführung auf dem Boulevard. «Bisher gehen alle Parteien nur von Modellrechnungen aus, wir brauchen diese Versuchsphase, um Fakten zu schaffen», sagt Netzle. Ein Jahr sei zwar eine sehr kurze Zeit, um den Verkehrsfluss zu ändern, Tendenzen könnten damit jedoch ausgelesen werden. Und damit hätten alle Parteien einmal konkrete Zahlen, wo allenfalls Verbesserungspotential besteht.

Tankstelle würde schliessen
Eine zu lange Zeit, für die Klägerin Coop Mineralöl AG. «Die geplanten Massnahmen sind unverhältnismässig. Unsere Kunden müssten mit der neuen Verkehrsführung einen zusätzlichen Umweg von 3,4 Kilometer machen, um zu uns zu kommen», erklärt Mediensprecherin Sabine Schenker. Die Frequenzen würden somit unweigerlich abnehmen. «So sehr, dass wir den Standort schliessen müssten», ist die Unternehmensleitung überzeugt.

Das Warten beginnt erneut
Wäre die Beschwerde nicht weitergezogen worden, hätte das neue Verkehrsregime im Mai eingeführt werden können. «Dieser Zeitplan ist definitiv hinfällig», sagt Sandro Nöthiger, Leiter Tiefbau der Stadt Kreuzlingen. Aus dem vergangenen Jahresbericht des Bundesgerichts geht hervor, dass es durchschnittlich 132 Tage dauert, bis die höchste richterliche Instanz ein Urteil fällt. Doch auch wenn der Entscheid schnell zu Gunsten der Stadt gefällt würde, kann nicht sofort losgelegt werden. «Für die Versuchsphase brauchen wir aktuelle Verkehrsmessungen und auch dem Gewerbe wollen wir eine Vorlaufzeit einräumen, damit sie ihre Kunden informieren können», erklärt Nöthiger. Beim Departement Bau wartet man nun also auf den Entscheid aus Lausanne, bevor ein neuer Zeitplan erstellt wird.

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2 thoughts on “Warten auf das Signal aus Lausanne

  1. Toni Müller

    Lieber Herr Netzle und Stadträte, lassen sie endlich die Finger von der Umgestaltung des Boulvard’s (so lange sie keine richtige Umfahrung bereit bzw. bereits gebaut ist ! z. B. Tunnel !!). Die Abwanderung der Kundschaft immer nur dem Eurokurs zuzuschieben ist einfach. Schaffen Sie eine einkaufsfreundliche Einkaufsstrasse, mit genügend Parkplätzen (mehr als jetzt!). Lassen sie die unötig vielen Psydo-Veranstaltungen, die keinen Mehrwert bringen (z.B. Spielstrasse !) und vor allem lassen sie alles so wie es ist, es funktioniert, so am Besten. Mich wundert auch das nicht mehr Ladeninhaber/Restaurantbesitzer hier gegen diese hirnverbrannten Ideen von Herr Netzle Sturmlaufen – die Kundschaft wandert ab, dort wo man hinfahren kann mit dem Auto, die Ware einladen kann und wieder gut wegfahren kann (Industriegebiet Konstanz + und noch billiger). Wir wollen keinen Irrgarten an Signalen und Wege, bis man eine Milch kaufen kann! Das ist der Kreuzlinger Trumpf, keine Verkehrsfreien Boulvard (im Moment, wenn Sie eine andere Variante – für den Verkehrsfluss haben, dann schon – aber bitte zuerst bauen). Also Herr Netzle und Stadträte hören sie auf am Boulvard etwas zu verändern – und dies für die nächsten 50 Jahre und keine „unnützen Veranstaltungen“ mehr auf dem Boulvard Herr Niederberger – BITTE !

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    1. Dr. Meier

      Ich schliesse mich Ihrer Meinung an Herr Müller. Bravo! Lassen sie den Boulevard wie er ist, sonst wandern noch mehr Kunden nach Konstanz ab und lassen sie bitte dies unnötigen Veranstaltungen. Keiner will es noch komplizierter und kundenunfreundlicher, als es jetzt schon ist.
      Ihre Massnahmen machen die Situation nur noch schlimmer. Bitte lassen sie es einfach so wie es ist. BITTE!
      Verschlimmbesserung ist der Begriff, der hier angebracht ist.

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