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Ohne Mundart geht es nicht

Kreuzlingen – Die Einbürgerungskommission hat ihr Verfahren überarbeitet. Vor allem die mündliche Prüfung stand in der Vergangenheit in der Kritik. Statt einer Testsituation gibt es neu ein Kennenlerngespräch – wenn man die schriftliche Prüfung besteht. Diese wurde ergänzt mit Wissensfragen.

Pass

Der Weg zum Schweizer Pass bleibt lang in Kreuzlingen. (Bild: archiv)

Anstrengungen, das Einbürgerungsverfahren in Kreuzlingen zu verändern, gab es zuletzt vonseiten der SP. Ein Vorstoss von Gemeinderätin Nina Schläfli wurde im vergangenen Jahr abgelehnt. Sie wollte es zu einem reinen Verwaltungsakt machen. Damals kündigte der neue Präsident der Einbürgerungskommission (EBK), Michael Stahl (FDP), allerdings an, eine Überarbeitung aufzugleisen. Das Ergebnis liegt nun vor.

«Inhaltlich hat sich nichts verändert», weist Stahl gleich zu Anfang auf einen Punkt hin, der ihm ganz wichtig ist. «Viele empfanden den mündlichen Test als unangenehm. Das kann ich auch verstehen. Es ist eine spezielle Situation, von einem neunköpfigen Gremium eine Stunde lang befragt zu werden.»

EBK-Präsident Michael Stahl hat uns erklärt, was sich am Einbürgerungsverfahren geändert hat. (Bild: zvg)

Ausserdem ist die Bewertung anspruchsvoller. Die mündliche Prüfung habe darauf abgezielt, zu testen, ob einer integriert ist. «Viele Fragen zu Kreuzlingen waren dabei», sagt Stahl. «Wissensfragen. Etwa: Wie heisst der Stadtpräsident? Wie viele Mitglieder hat der Gemeinderat? Aber eigentlich konnten die EBK-Mitglieder fragen, was sie wollten.» Durch den grossen Spielraum bei der mündlichen Befragung sah sich das Einbürgerungsverfahren in Kreuzlingen dem Vorwurf der Willkür ausgesetzt. Mit dem neuen Verfahren gibt es gemäss Stahl mehr Rechtssicherheit. Denn die Wissensfragen wurden in den schriftlichen Test überführt. Bestanden oder durchgefallen? Das lässt sich für jeden, auch den Prüfling, transparent nachvollziehen.

80 Fragen in 80 Minuten
Insgesamt 80 Fragen über Schweizer Geschichte, Bildung, Politik und das Staatswesen umfasst der erweiterte schriftliche Test nun, darunter offene Fragen und Multiple-Choice-Fragen. «Es geht in 80 Minuten um Kreuzlingen, den Thurgau und die Schweiz. Wer in der Materie drin ist, hat es in einer Stunde durch», sagt der Präsident der Einbürgerungskommission.
Am Ende gibt es drei Fragen, deren Beantwortung nicht in die Bewertung mit einfliessen und die der Prüfling ohne Zeitdruck beantworten darf. «Was würden Sie in Kreuzlingen verändern, wenn Sie die Möglichkeit hätten und was gefällt Ihnen besonders gut?, lautet eine davon.
«Dabei gibt es kein richtig und falsch», erklärt Stahl. «Aber wir nutzen die Antworten als Basis für die spätere Unterhaltung. Es kann und muss ja nicht jedem alles gefallen. Jeder darf seine Meinung sagen. Schliesslich wollen wir die, die sich einbürgern lassen wollen, kennenlernen.»
Eine Fähigkeit testet die EBK dabei dennoch: Schweizerdeutsch verstehen. «Wenn einer Mundart nicht versteht, führt das grundsätzlich zu einem ablehnenden Antrag», so Stahl.

Grüezi Schweiz
Das Einbürgerungsverfahren können nur Personen durchlaufen, die mindestens zwölf Jahre in der Schweiz, davon fünf im Kanton Thurgau und drei in der Stadt Kreuzlingen gelebt haben. In einem vorbereitenden Gespräch prüft die Einbürgerungskommission zunächst, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind. Darauf folgt der schriftliche Test, danach das mündliche Gespräch. Die EBK gibt dann eine Empfehlung zuhanden des Gemeinderats ab. Die Kosten betragen rund 2400 Franken. Die Stadt Kreuzlingen bietet Vorbereitungskurse für Einbürgerungswillige an.

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6 thoughts on “Ohne Mundart geht es nicht

  1. schiesser

    Was war da los? Im September 2010 (18. und 23. TZ) erklärte der damalige Präsident der Kreuzlinger Einbürherungskommission, Daniel Lauber (SVP), in einer öffentlichen Veranstaltung und kurze Zeit später gegenüber einer TZ-Journalistin erneut, die Kommission arbeite mit einem Fragebogen mit 59 Fragen, um das Wissen der EinbürgerungskandidatInnen kennenzulernen. Dieser Fragebogen ersetze die zuvor üblichen Hausbesuche. Mehr als die Hälfte der Fragen müsse richtig beantwortet werden, sonst werde die Einbürgerung abgelehnt. Zudem gehöre ein Gespräch zu dem Verfahren. In dem Fragebogen stünden Fragen zur Stadt, zum Kanton und zur Schweiz. Auch Landkarten gehörten dazu, in denen z.B. Eiger, Möch und Jungfrau eingezeichnet werden müssten. Wer in der Schule „nicht nur den Mädchen nachgeschaut habe“ könne das problemlos, befand er damals. Und nun erklärt Michael Stahl (FDP), bisher habe es keinen schriftlichen Test gegeben, sondern man habe die KandidatInnen mündlich befragt. Na was denn nun? Wurde der frühere Test aufgegeben und wird nun wieder eingeführt? Wenn Ja: Warum führt man etwas wieder ein, was sich anscheinend vor wenigen Jahren nicht bewährte? Oder wieso hat man etwas Bewährtes (worauf ja die Wiedereinführung schliessen liesse) überhaupt erst abgeschafft? Das wäre ja völliger Leerlauf. Abgesehen davon: Eine der Amtssprachen in der Schweiz istDeutsch – nicht Dialekt. Was soll also dieses „Dialekt oder keine Einbürgerung?“ Nächstens schreibt dann auch noch einer vor, welcher Dialekt es sein muss. Wer z.B. vor seinem Umzug nach Kreuzlingen in der Westschweiz lebte, versteht vielleicht einwandfrei Schriftdeutsch, versteht aber Thurgauer Dialekt auch nach vier Jahren Kreuzlingen noch nicht perfekt. Und dann bürgert man ihn nicht ein? Das ist ja wohl Verhältnisblödsinn.

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    1. Michael Stahl

      Guten Tag

      Folgende Aussage in Ihrem Kommentar ist falsch:

      „Und nun erklärt Michael Stahl (FDP), bisher habe es keinen schriftlichen Test gegeben, sondern man habe die KandidatInnen mündlich befragt.“

      Der „alte“ schriftliche Test wurde nur durch die bis anhin mündlich gestellten Fragen ergänzt.

      Freundliche Grüsse
      Michel Stahl

      Antworten
      1. schiesser

        Und wegen eines „ergänzten“ Tests, macht man per Medieninformation ein Fass auf? Was Sie Herr Stahl da schreiben, geht weder aus dem Artikel in diesem Blatt, noch aus jenem in der TZ hervor. In beiden entsteht der Eindruck, bisher habe es ein einstündiges Prüfungsgespräch gegeben, in dem die Kenntnisse abgefragt worden seien. Diesen „mündlichen Test“ hätten viele Betroffene als unangenehm empfunden, weshalb man die Wissensfragen in einen schriftlichen Test überführt habe. Nirgends ein Wort darüber, dass man bisher sowohl schriftlich als auch mündlich Wissen abgefragt hat. Nebenbei: Wieso fragte man zweimal ab? Hat man dem eigenen Test nicht getraut? Oder weshalb reichten 59 Fragen nicht aus, um das Wissen zu erkunden? Oder soll man vermuten, dass so viele Probanden den bisherigen Test bestanden, dass die Kommission dringend nochmal Druck aufsetzen wollte um die Einbürgerungsrate niedrig zu halten?

        Antworten
        1. Michael Stahl

          Guten Tag

          Und wieder eine Unterstellung von Ihnen:

          „Und wegen eines „ergänzten“ Tests, macht man per Medieninformation ein Fass auf?“

          Der Zeitungsbericht war nicht meine Idee, sondern die Idee der Presse. Und selbstverständlich gebe ich Auskunft über den Sachverhalt. Noch zu folgendem Vorwurf:

          „Nirgends ein Wort darüber, dass man bisher sowohl schriftlich als auch mündlich Wissen abgefragt hat.“

          siehe kursiver Text am Ende des Berichtes:

          „In einem vorbereitenden Gespräch prüft die Einbürgerungskommission zunächst, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind. Darauf folgt der schriftliche Test, danach das mündliche Gespräch.“

          Grundsätzlich hat sich am Ablauf somit nichts geändert.

          Freundliche Grüsse
          Michael Stahl

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          1. schiesser

            Ich bitte um Entschuldigung für die Aussage, die EBK habe „per Medieninformation ein Fass aufgemacht“. Aus der Tatsache, dass die beiden lokalen Blätter gleichzeitig praktisch identische Bercihte veröffentlichten, schloss ich, es habe eine Medieninformation stattgefunden. Dem scheint nicht so zu sein. Erstaunlich ist immerhin, dass anscheinend zwei Journalisten zeitgleich die gleiche Artikelidee hatten. Dass Wissenfragen in einen „überarbeiteten, schriftlichen Test verschoben“ werden, sagt nicht, dass bisher ein schriftlicher Test durchgeführt wurde – und wenn heute auf ein Gespräch ein schriftlicher Test folgt, heisst das auch nicht, dass dieser schriftliche Test bereits bisher stattfand.
            Unklar bleibt mir weiterhin, weshalb man überhaupt noch in einem Gespräch Wissenfragen stellte, wenn man zuvor bereits einen entsprechenden schriftlichen Test durchgeführt hatte. Selbstverständlich liegt es in der Kompetenz der EBK statt 59 Fragen jetzt 80 zu stellen, aber ich staune schon etwas darüber. Falls sich in den letzten paar Jahren in diesem Punkt nicht viel geändert hat, dürfte Kreuzlingen damit den umfangreichsten Test im ganzen Kanton durchführen. Gibt’s dafür einen Grund? Waren die Kreuzlinger Einbürgerungswilligen besser informiert als die in anderen Gemeinden, so dass die Einbürgerungsquote über jener anderer Gemeinden lag und man durch die bisher mündlichen und nun zusätzlichen schriftlichen Fragen versucht(e), die Quote zu senken? Oder welches Ziel verfolgt man mit einem derart umfangreichen Test (mündlich/schriftlich)? Zudem: Wieso der Dialekt“zwang“ – um zu verstehen und verstanden zu werden, würde auch Schriftdeutsch genügen. Ich gehe mal davon aus, dass es bei der Mundart nicht auch noch eine Festlegung auf eine bestimmte Mundart gibt (sonst müssten in der Kommission ja alle die gleiche Mundart sprechen und ausserhalb des Kantons brächte das ja schon wieder nichts fürs Verständnis).

  2. Michael Stahl

    PS Auszug aus der Thurgauer Zeitung:

    Nun hat die EBK das System geändert. «Seit Anfang 2017 verwenden wir einen überarbeiteten, schriftlichen Wissenstest», sagt Stahl. Die Wissensfragen über Kreuzlingen wurden von der Befragung in die schriftliche Prüfung verschoben. «Auf der psychologischen Ebene wird das Gespräch angenehmer, weil wir kein Wissen mehr direkt abfragen.» Das Gespräch werde zudem kürzer. Bisher dauerte es bis zu 60 Minuten, neu soll es noch 15 bis 30 Minuten dauern. «Natürlich wollen wir uns nach wie vor Zeit nehmen und die Gesuchsteller kennen lernen», sagt Stahl.

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