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Schuld war der Kapitän

Konstanz – Ein halbes Jahr nach der Kollision einer Schnellfähre der Katamaran-Reederei mit einem Segelboot (wir berichteten) hat jetzt die Staatsanwaltschaft Konstanz ihre Ermittlungen abgeschlossen. Die Katamaran-Reederei diskutiert ergänzende Massnahmen zu Sicherheit. Eine Gesetzesverschärfung wird es gemäss der zuständigen Behörde nicht geben.

Gegen den Kapitän erhebt sie den Vorwurf der «fahrlässigen Gefährdung des Schiffsverkehrs in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung» und versandte einen Strafbefehl mit einer Busse von 3600 Euro. Dieser ist noch nicht rechtskräftig.

Beim Schiffsunglück im August sank die getroffene Yacht auf den Grund des Sees, während die Besatzung, ein Rentnerpaar, mit Prellungen, Schürfungen, einer Gehirnerschütterung und Unterkühlungen davon kam. Die Ermittlungen ergaben nun, dass der Schiffsführer der Fähre die vorfahrtsberechtigte Segelyacht angesichts guter Sichtverhältnisse hätte sehen müssen und ein Ausweichen möglich gewesen wäre. Technisches Versagen ist ausgeschlossen. Der Steuermann befand sich allein auf der Brücke, weil der zweite Schiffsführer durch einen Ingenieur in ein neues Bordbuch eingewiesen wurde.

Nachdem nun die Ermittlungen abgeschlossen sind, diskutiert die Katamaran-Reederei darüber über Massnahmen, um die Sicherheit noch weiter zu verbessern. «Da die technischen Vorrichtungen einwandfrei funktioniert haben, können dies allerdings nur ergänzende Masnahmen sein», so ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage. Menschliches Versagen lasse sich trotz aller technischer Sicherheitssysteme nicht völlig ausschliessen.

Die vom Katamaran versenkte Yacht war ein Boot des dänischen Herstellers Faurby. (Bild: Faurby.dk)

Keine Änderung der Erlaubnis für den Katamaran
Das Landratsamt Konstanz hat indessen beschlossen, die wasserrechtliche Erlaubnis für den Katamaran-Fährbetrieb zwischen Konstanz und Friedrichshafen unverändert zu lassen. Dies, weil menschliches Versagen Ursache für den Unfall war. «Zum Zeitpunkt des Unfallereignisses hatte die Katamaran-Reederei Bodensee alle geltenden Auflagen und Bedingungen der wasserrechtlichen Erlaubnis eingehalten», so eine Medienmitteilung.

Selbst unter Berücksichtigung der Auflagen und Bedingungen der ursprünglichen Fassung der wasserrechtlichen Erlaubnis hätte der Unfall nicht verhindert werden können. Die ursprüngliche Forderung, wonach der Führerstand der Fährschiffe jeweils mit zwei Schiffsführern besetzt sein muss, galt ausschliesslich bei Dunkelheit im Schnellfahrbereich und bei unsichtigem Wetter. Da zum Unfallzeitpunkt am frühen Abend jedoch gute Sichtverhältnisse herrschten, hätte somit keine Pflicht zur Doppelbesetzung mit zwei Schiffsführern bestanden.
«Die Katamaran-Fähren sind nach dem Stand der Technik ausgestattet und werden im Vergleich zu anderen Fahrgast- bzw. Linienschiffen bereits mit einem überdurchschnittlich hohen Sicherheitsstandard betrieben», schreibt das Landratsamt. Dies sei von der Schifffahrtsbehörde und der Wasserschutzpolizei jüngst nochmals bestätigt worden.

Damit kontert die Behörde Forderungen wie die der Linken Liste Konstanz, die Sicherheitsbestimmungen zu überprüfen. «Vertreter der Reederei, aller beteiligten Behörden und der Wassersport- und Fischereiverbände sollten sich zusammensetzen, um über notwendige Konsequenzen aus dem verheerenden Unfall zu beraten», hatte diese verlangt.

 

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