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Autofahrer haben gewonnen

Kreuzlingen – Nach dem deutlichen Nein (57,3 Prozent) zu 2,9 Millionen Franken für die Aufwertung und Neugestaltung der Romanshornerstrasse kündigte Stadtrat Ernst Zülle an, die Gründe für die Ablehnung in die weitere Planung einfliessen zu lassen. Denn saniert werden muss die Strasse sowieso.

Stadtrat Ernst Zülle, Cyrill Huber, Präsident des Pro-Komitees und zahlreiche Befürworter des Projekts nahmen den Entscheid am Sonntagnachmittag im Kreuzlinger Rathaus enttäuscht zur Kenntnis. FDP-Gemeinderat Alexander Salzmann hingegen hatte sich im Vorfeld für eine Ablehnung stark gemacht und sah sich bestätigt: «So wird Druck aufgebaut. Ohne Südumfahrung sind die Kreuzlinger nicht bereit, weitere Verkehrsberuhigungen zu akzeptieren. Da sollte sich der Stadtrat nun dahinter klemmen.» Kontraproduktiv sei es auch gewesen, zu betonen, es handele sich um ein Pilotprojekt. «Wir sind nicht das Versuchskaninchen des Kantons», so Salzmann. Für Bruno Rieser, ebenfalls ausgesprochener Gegner des Projekts, gab es mehrere Einzelheiten wie etwa die fehlenden Velostreifen im Westen, die zur Ablehnung führten. Rieser: «Eine ‹normale› Sanierung würde durchkommen. Die Stimmberechtigten sind bereit, für eine gute Lösung zu zahlen.» Das Nein richte sich nicht gegen eine Sanierung per se und auch nicht gegen eine «Verschönerung» des Dorfkerns. Beide sind überzeugt, auch für ein künftiges Projekt Bundesgelder zu erhalten.

Stadtrat Ernst Zülle informierte noch am Wahlsonntag. (Bild: sb)

30er-Zone war zu krass
Das hofft auch Stadtrat Zülle. Eine gewisse Umgestaltung und Aufwertung müsse dazu aber auch im neuen Projekt zu erkennen sein. Entscheidend ist auch, wie der Kanton als Bauherr nach diesem Abstimmungsergebnis reagiert. Gespräche seien bereits aufgegleist «Das neue Projekt wird kaum kostengünstiger werden», sagt er. «Wir werden die geäusserten Kritikpunkte einarbeiten. Ob wir an einer Temporeduktion und Mischverkehr festhalten können, entscheiden die weiteren Gespräche mit dem Kanton.» Unbestrittene Punkte, etwa die Mehrzweckstreifen in der Fahrbahnmitte oder die Aufwertung des Dorfkerns, sollen wiederkehren. Ziel sei eine mehrheitsfähige Überarbeitung. Vors Volk müsste diese nicht zwingend. «Denkbar wäre, die Strassensanierung über eine neue Botschaft oder den Budgetprozess nur im Gemeinderat zu behandeln», so Zülle.

Er hofft, mit den Arbeiten im 2019 beginnen und diese dann in Etappen bis 2020 realisieren zu können. Sein etwas resigniertes Fazit zum Abstimmungsergebnis: «Massnahmen, bei denen die Autofahrer Abstriche hinnehmen müssen, haben es in Kreuzlingen sehr schwer.»

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4 thoughts on “Autofahrer haben gewonnen

  1. Bruno Neidhart

    Eine 30er-Zone in einem engen Dorfkern ist heutzutage nicht „zu krass“! Und so fände dann der automobile Weltuntergang definitiv nicht in Kurzrickenbach statt, sollte dereinst eine Geschwindigkeitsreduktion für nicht mal 200 Meter eingeführt werden. Wer heute noch so denkt, ist nicht von dieser Welt. Über andere Massnahmen bei einer Neuausrichtung der Romanshornerstrasse kann ja geredet und gestritten werden. Dass es auf der Kostenseite beim 2. Mal nicht viel anders aussehen wird, erinnert übrigens ans vielleicht kommende „Egelsee 2“!

    Die Südumfahrung „ausserhalb der Stadt“ im Blick auf weitere Verkehrsberuhigungen „in der Stadt“ gegeneinander ausspielen zu wollen (Alexander Salzmann/FDP), ist unvernünftig. Es handelt sich hier um zwei verschiedene Aspekte heutiger Strasseverkehrsplanung. Folgte man dem FDP-Gemeinderat, so wären in den kommenden 10-15 Jahren (oder noch viel länger!) jegliche innerstädtischen Änderungen in Sachen Sicherheit, Lärmreduktion, Umweltbezug, usw., im Kreuzlinger Strassennetz ausgeschlossen. Das wäre keine sinnvolle Verkehrspolitik. Diese hat sich stets nach den herrschenden Gegebenheiten zu richten, wie sich z.B. der Starssenverkehr in einem Ortsteil entwickelte. Die Romanshornerstrasse ist dazu ein Musterbeispiel. Und irgendwo und irgendwann entsteht eben mal sogar ein „Pilotprojekt“. Stadt und Kanton gegeneinander deswegen ebenso auszuspielen, ist politisch wenig zielführend.

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    1. Alexander Salzmann, Gemeinderat (FDP)

      Sehr geehrter Herr Neidhart

      Es geht nicht darum, eines mit dem anderen ausspielen zu wollen. Ich erlebe einfach ein sehr grosses Engagement der Stadtoberen, wenn es um Verkehrsbehinderung innerhalb der Stadt geht, aber kaum eine Engagement, wenn es um die Südumfahrung geht. Das wird auch aus den Reaktionen des zuständigen Stadtrats hervor. Ich bin nun einmal der Ansicht, dass wir nicht in Kreuzlingen den Verkehrsfluss künstlich erschweren sollten, wenn der „Abfluss“ auf die Südumfahrung nicht existiert, oder wenigstens eine Jahreszahl bekannt ist, bis wann diese fertiggestellt sein wird.
      Und selbstverständlich bin ich für jede Verbesserung betreffend Lärm, Sicherheit etc., aber diese Botschaft hätte mehr Unsicherheit gebracht. Nur weil man eine schlechte Botschaft ablehnt, die zwar nett daherkommt, aber gravierende Mängel enthält, spielt man noch lange nicht die Verkehrsteilnehmen gegenseitig aus. Daher ist der Titel dieses Berichts dich sehr tendenziös.
      Und nur weil ich diese Botschaft ablehnte, negiere ich nicht die zweifellos gute Inhalte derselben. Ich bin nun mal kein schwarz-weiss Maler und weiss um die Vorzüge und Nachteile dieser Botschaft und hatte mich entsprechend positioniert.

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      1. Bruno Neidhart

        Ich erachte grundsätzlich z.B. eine Reduzierung der Geschwindigkeit von Fahrzeugen nicht als „Verkehrsbehinderung innerhalb der Stadt“, sofern eine solche Massnahme an einer sinnvollen Stelle vorgenommen wird. Das Zentrum Kurzrickenbachs wäre m. E. so eine Stelle (nicht nur, weil ich dort zur Schule ging!). „Verkehr“ ist ein vielfältiger Begriff in einer Stadt. Er betrifft neben Autos, Busse und Lastwagen, auch Radler, Fussgänger (Kinder!), Gehbehinderte, Rollstuhlfahrer, Gehwagenbenutzer, usw. Von einer Verkehrsmassnahme sollten möglichst viele profitieren können. Und wie weit ein grösseres „Engagement der Stadtoberen“ für eine Südumfahrung rundum tatsächlich schöne, raschwachsende Früchte tragen würde, weiss ich wirklich nicht. Was mir jedoch schwant ist, dass durch die vielen Interessen an dieser Strasse – im positiven wie im negativen Denken -, eine Realisierung enorm viel Zeit brauchen wird, sofern überhaupt einmal Einigkeit über Sinn und Zweck erreicht werden sollte. In der Zwischenzeit wird sich der Verkehr „unten in der Stadt“ bereits weiter entwickelt haben. Und sollte eines Tages dieser Umfahrungs-Strassenzug aber tatsächlich zur Verfügung stehen, müsste geradezu „zwangweise“ viel Verkehr darauf geleitet werde, um innerhalb der Stadt eine deutliche Verkehrberuhigung erzielen zu können. Dies bedingte eine gehörige Reorganisation der gegenwärtigen Verkehrsverläufe. Was dazu dann das einheimische Gewerbe noch anzuführen hätte, kann ich nicht sagen. Ich stimme Herrn Salzmann jedoch durchaus zu, dass sich die Stadtoberen wirklich anstrengen sollten, alle Aspekte einer Verkehrsverbesserung im Raum Kreuzlingen und Umgebung gleichwertig zu bearbeiten. Es gibt da einen schönen Spruch: „Wenn du nicht mehr weiter weisst, so bilde einen Arbeitskreis“. Und tatsächlich wäre ein „Arbeitskreis Südumfahrung“ sinnvoll. In Abständen könnte er über die erzielten Resultate nach der Vorsprache bei den vielen Involvierten – Privaten, Behörden, Umweltverbänden, Strassenplanern, usw. – regelmässig Bericht erstatten. Somit wäre die Angelegenheit ständig auf dem Kalender. Alle Interessierten wären laufend zeitnah informiert.

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        1. Alexander Salzmann, Gemeinderat (FDP)

          Werter Herr Neidhart
          Ja, ein Arbeitskreis Südumfahrung mit entsprechenden regelmässigen Infos wäre sehr zu begrüssen.

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