/// Rubrik: Stadtleben

Nostalgie für die Mercerie

Kreuzlingen – Alte Häuser müssen in Kreuzlingen neuen Bauten weichen. Dass dabei versucht wird, viel Historisches zu bewahren, geht oft unter. Mit viel Liebe zum Detail begleitet Monica Schär in ihrer neusten Dokumentation den Rückbau der ehemaligen Mercerie Kirchmann.

Hier entsteht bewegte Geschichte: Monica Schär samt Videokamera in ihrem Arbeitszimmer. (Bild: ek)

Der «letzte Tante-Emma-Laden von Kreuzlingen» war für Monica Schär kein Neuland. Bereits 2009 hatte die ehemalige Moderatorin des Kreuzlinger Fernsehens eine Reportage über die bewegte Geschichte des Mercerieladens an der Marktstrasse gedreht. Das reichhaltige Angebot an  Stoffen, Spitzen, Fäden und Knöpfen
erfreute sich bis zur Geschäftsaufgabe einer treuen Stammkundschaft. Annelise Köder, welche seit 1954 im Nähbedarfsgeschäft vom Inhaber Kirchmann tätig war, zeigte darin ihr Reich. «Sie war die Seele des Ladens», bekräftig Schär. Kennengelernt hat die Filmemacherin sie aufgrund eines Hausfrauenproblems. Aus dem Knopfkauf wurde ein stündiges Gespräch, welches schlussendlich in einem Filmbeitrag mündete.
Dass Schär Jahre später wieder hier drehen würde, ahnte sie damals noch nicht. Persönliche Verflechtungen mit der Textilexpertin Köder hielten Schär aber mit dem Laden verbunden. Einmal erschien Köder trotz Anmeldung nicht an einer öffentlichen Vorführung des Beitrags. «Für meinen Mann und mich war dies unerklärlich und so kontaktierten wir ihre Verwandten», erinnert sie sich. Diese fanden die Geschäftsfrau verletzt und unterkühlt am Ende ihrer Haustreppe. Mit mehreren Knochenbrüchen kam sie dabei noch glimpflich davon. Doch schon damals zeichnete sich das Ende des Kurzwarenladens ab.
2013 wurde das Gebäude verkauft, aus dem Einfamilienhaus sollte ein Wohnblock werden. «Der Projektleiter Jens Gattelier drückte mir gegenüber sein Bedauern aus, alte Häuser abreissen zu müssen, und auch mich packte wieder das Interesse am Bau», so Schär. Doch diesmal ging es nicht um den Inhalt, sondern das Gebäude an sich.

Rückbau statt Abriss

Das Geschäftsschild an der Markstrasse erinnert noch an die ehemalige Mercerie Kirchmann. (Bilder: zvg)

«Immer wieder beklagen sich Kreuzlinger über das Verschwinden alter Häuser, dabei werden grosse Anstrengungen unternommen, soviel historisches Baumaterial wie möglich zu retten», weiss Schär mittlerweile. Rund drei Jahre war die Pensionärin damit beschäftigt, die verschiedenen Etappen von Abriss und Neubau filmisch festzuhalten. So ist ein halbstündiges Zeitzeugnis über den Rückbau des erstmals 1873 vermerkten Gebäudes entstanden. Architekten, Denkmalschützer und Bauleiter kommen darin zu Wort und erklären ihre Aufgabe und Verantwortung, möglichst viel bauliche Geschichte zu sammeln. So zeugt immerhin noch das ursprüngliche Ladenschild an der Marktstrasse von der Mercerie. Und Monica Schärs Dokumentation darüber.

Bodensee TV
In der Sendung von heute Freitag, 17. Februar, erzählt Rebbauer Ueli Halter über seinen angebauten Bio-Wein aus dem Seeburgpark. Es folgen Statements aus dem Rathaus zu den Wahlen des vergangenen Wochenendes. Die Sendungen vom 18. bis 20. Februar sind den beiden Filmen von Monica Schär gewidmet.
Das Kreuzlinger Fernsehen (KFS) wird unter dem Namen Bodensee TV (BTV) schweizweit via Swisscom TV und entlang des Sees über UPC (Cablecom; auf Kanal 988) rund um die Uhr in der Schleife ausgestrahlt.

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One thought on “Nostalgie für die Mercerie

  1. Bruno Neidhart

    Es sind solche Einzelhandelsgeschäfte, die heute dem Kreuzlinger Zentrum fehlen. Wer erinnert sich in diesem Zusammenhang zum Beispiel nicht an Hofmann-Egli zum Grossen Stein. In diesem Handwerkerladen gab es so ziemlich alles – vom einfachen Nagel bis zu technischen Gerätschaften. Der Laden war „Kult“. Und zum Bio-Wein vom Seeburgpark wäre noch zu vermelden, dass es ihn nicht geben würde, hätten sich die Stimmbürger/Stimmbürgerinnen 1963 nicht gegen eine von der Stadt geplante, gigantische „Hochhausüberbauung mit Supermarkt“ zwischen Schloss und Promenadenstrasse gestemmt. Auch der Hörnliberg (heute Jugendherberge) sollte mit überbaut werden..

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