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Die freche kleine Schwester von Konstanz

Kreuzlingen – Aus den Arbeitsgruppen zur kulturellen Situation in Kreuzlingen ist ein Kulturbericht entstanden, welcher eine neue Sicht auf die Kultur in Kreuzlingen legt. Damit ist die Grundlage gelegt, für Kreuzlingen ein städtisches Profil zu zeichnen.

Der vorgestellte Kulturbericht leuchtet die Kreuzlinger Szene aus: Verfasser Kurt Schmid, Vize-Stadtpräsidentin Dorena Raggenbass (m.) und Margret Meier-Ammann, Vertreterin des Kulturdachverbandes. (Bild: ek)

«Um unser Kulturangebot würden uns andere Städte beneiden», ist sich Kurt Schmid sicher. Im Auftrag der Stadt hat er einen ersten Kreuzlinger Kulturbericht verfasst. Auf Basis von Ergebnissen, die vier Arbeitsgruppen zu den Themenbereichen Museen, Kommunikation, Kulturzentrum und -angeboten zwischen den Jahren 2012 bis 2015 erarbeitet haben, ist eine 30 Seiten starke Bestandesaufnahme entstanden. Fazit: Dass Kreuzlingen eine solche lebendige Szene aufweist, ist eher den Akteuren als den städtischen finanziellen Mitteln zuzuschreiben.

Vom Ländlichen zum Urbanen
«Freiwillige rufen etwas ins Leben, was wir dann punktuell unterstützen», erklärt Vize-Stadtpräsidentin Dorena Raggenbass das bisherige Vorgehen in Sachen Kulturförderung. Nun sei es aber an der Zeit, von diesem ländlichen Konzept weg zu kommen und ein städtisches Profil zu schaffen.
Denn das rasante Wachstum der Stadt im vergangenen Jahrzehnt habe neben Wohlstand auch zu einer grossen ausländischen Bevölkerung und Skepsis gegenüber dem baulichen Wandel geführt. Und genau hier sei die Kultur von entscheidender Bedeutung. «Sie ist gesellschaftsverbindend, identitätsbindend und lebendig», schreibt Schmid in seinem Bericht. Sie präge das Stadtklima und führe schlussendlich zu wesentlichen Standorts- und Nachhaltigkeitsfaktoren für die Bevölkerung.

Boden für eine blühende Kultur
Diese Weichenstellung für ein gemeinsames Profil müsse jedoch geplant sein, und genau dafür bildet der verfasste Bericht die Grundlage. Bis zum Herbst will Raggenbass dem Stadtrat ein Konzept vorlegen, in einem Jahr soll dieses fixfertig stehen.
Ein grosse Hürde der hiesigen Kulturschaffenden sei etwa die Kommunikation nach aussen. Die «kleine freche Schwester» von Konstanz in einem Einzugsgebiet von 120000 Einwohnern soll besser wahrgenommen werden. Selbst Konstanz attestiert in einem eigenen Kulturbericht aus dem Jahr 2012 Kreuzlingen ein «grosses und vielfältiges» Angebot. Um dieses sichtbar zu machen, sollen Informationsanbieter stärker vernetzt werden, um mehr Medienpräsenz zu erreichen. Auch ein städtisches Label wird angestrebt, unter dem Einzelanlässe in einen Zusammenhang gesetzt werden.  Eine weitere Idee ist die Umnutzung des Schiesser-Areals zu einem «kulturellen Schmelztiegel», was zurzeit in einem parallel laufenden Projekt erarbeitet wird. Das Kulturzentrum soll der eher zersplitterten Kreuzlinger Szene einen Ort geben und soweit das möglich ist die Kräfte bündeln.

Noch nicht Mehrheitsfähig
Eine im Bericht vorgeschlagene Massnahme wurde bereits genehmigt. Die Kreuzlinger Stimmberechtigten sicherten den städtischen Museen eine weitere finanzielle Unterstützung zu. Doch Verfasser Kurt Schmid ist sich sicher, dass damit schon viel Goodwill aufgebraucht wurde. «Würden wir heute mit unseren Vorschlägen an die Urne gehen, bin ich überzeugt, dass wir verlieren würden», so Schmid. Deshalb sei noch viel Aufklärungsarbeit nötig, um zu zeigen, dass ein attraktives Kulturleben auch das Image von Kreuzlingen steigert. Damit verbunden ist allerdings ein massvoller Ausbau der Kulturförderung und die gezielte Neuausrichtung. «Das immer noch wachsende Kreuzlingen kann sich beides leisten», schreibt Schmid im Kulturbericht.

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One thought on “Die freche kleine Schwester von Konstanz

  1. Gert Wülser

    Ich hoffe sehr, dass der interessante, von Jürg Schoop gestaltete
    Katalog zur Ausstellung im Sanatorium vom 26. Mai – 23. Juni 1984
    „Kreuzlingen BELL-VUE Projekte, Ideen Installationen“
    mit den Projektbeiträgen aller beteiligten KünstlerInnen und dem Veranstaltungskalender
    (Organisationskomitee DIE KUNSTGRENZE,
    Redaktion: Thomas Onken, Kurt Schmid, Jürg Schoop, ThomasVaterlaus)
    noch im Gedächtnis publik und irgendwo antiquarisch oder in einer Bibliothek, einem Archiv usw. einsehbar vorhanden ist.
    Warum werden der Katalog und auch der Name von J. Schoop im Artikel gar nicht erwähnt?

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