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«Nur eine Sache des Herzens – oder Herzenssache?»

Kreuzlingen – Vergangene Woche fand bereits der vierte Publikumsvortrag des Herz-Neuro-Zentrum Bodensee im Kreuzlinger Dreispitz statt. Rund 100 Interessierte Gäste folgten den Ausführungen von Dr. med. Wiete Mohn Schmid, Chefärztin der Kreuzlinger Anästhesie und Intensivmedizin zum Thema «Kardio-anästhesie». Welche Aufgaben bei Operationen vom Anästhesisten übernommen werden und warum er sich insbesondere in der Kardioanästhesie vom reinen Narkosearzt zum Teampartner des Chirurgen weiterentwickelt hat, erklärte die Chefärztin in ihrem Vortrag.

Dr. med. Wiete Mohn Schmid während den Ausführungen zum Thema «Kardioanästhesie». (Bild: zvg)

«Die Narkose ist so alt wie die Menschheit», führte die Chefärztin zu Beginn ihres Vortrages aus. Schliess- lich stehe in der Bibel, dass der Herr einen Tiefschlaf auf Adam fallen liess und ihm ganz schmerzfrei eine Rippe entfernte. Doch rasch führte Frau Dr. Mohn Schmid ihre Gäste dann in den hochtechnisierten und modernen Arbeitsalltag von Anästhesisten am Herz-Neuro-Zentrum Bodensee ein.

Anästhesiologie bedeutet Patientensicherheit
Dr. Mohn Schmid erklärte, dass sie und ihre Kollegen sich bereits vor der Operation um die optimale Vorbereitung der Patienten kümmern. So werden in einem Narkose-Vorgespräch Anliegen und Ängste der Patienten besprochen wie auch Begleiterkrankungen und besondere Risiken ermittelt. Zudem werden alle narkoserelevanten Parameter, insbesondere Befunde, Laborwerte und Medikation, aufgenommen und unter Einbezug dieser Informationen eine individuell auf die Patienten massgeschneiderte Narkose definiert. Dr. Schmid führte weiter aus, dass der Anästhesist während der Operation Schlaftiefe und Schmerzfreiheit sowie sämtliche Körperfunktionen permanent überwache und bei Bedarf frühzeitig eingreifen könne.

Vom Narkosearzt zum Teampartner des Herzchirurgen
Insbesondere in der Kardioanästhesie hat sich der Anästhesist aufgrund seiner zusätzlichen Aufgabenbereiche, wie z.B. der erweiterten Überwachung von Herzrhythmus und Blutdruck oder der routinemässigen Durchführung der intraoperativen Schluckechokardiographie, zum Partner des Operateurs weiterentwickelt. Dank diesem bildgebenden Verfahren, bei dem ein Endoskop mit eingebautem Schallkopf durch die Speiseröhre bis direkt hinter den Herzmuskel geführt wird, erhält der Operateur ein umfassendes Bild über die anatomischen Herzstrukturen. Auch über die Pumpleistung des Herzens sowie allfällige Anomalien informiert das «Schluckecho», so dass die Operationsstrategie bei Bedarf angepasst werden kann. Das Verfahren ermöglicht insbesondere auch eine Erfolgskontrolle. So kann der Chirurg zum Schluss einer Herzklappenoperation in Echtzeit überprüfen, ob die reparierte oder neue Herzklappe dicht ist.Zum Abschluss beantwortete Dr. Schmid ausführlich die Fragen der interessierten Besucher und lud sie ein, einen Blick auf die Arbeitsinstrumente des Anästhesisten zu werfen, zum Beispiel das Gerät zur Messung der Schlaftiefe.

Beim nächsten Patientenseminar des Herz-Neuro-Zentrums am 4. Mai mit dem Titel «Herz im Takt?» informiert der Chefarzt der Rhythmologie über die Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Die Teilnahme am Patientenseminar ist kostenlos.

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