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Sportnetz will für Eissport kämpfen

Kreuzlingen – Das Sportnetz Regio Kreuzlingen hat Ruedi Herzog zum neuen Präsidenten gewählt. Die Mitglieder des Dachverbands der Sportvereine beschlossen ausserdem, gegen die Verdrängung des Eissports in der Bodensee-Arena und für die Erweiterung und Sanierung des Schwimmbads Egelsee zu kämpfen.

Reto Oberhänsli (l.) übergab das Zepter an Ruedi Herzog. Ihm und dem Vorstand erteilten die Mitglieder zum Einstand gewichtige Aufträge. (Bild: sb)

«Wir sind die Interessenvertretung des Sports in der Region», formulierte der langjährige Präsident Reto Oberhänsli das Selbstverständnis des Sportnetz Regio Kreuzlingen. Und stellte den Anwesenden im Anschluss an seine letzte, in gewohnt engagierter Weise geführten Mitgliederversammlung eine entscheidende Frage: «Soll sich das Sportnetz für den Eissport in der Bodensee-Arena ins Zeug legen?» Von 28 Vereinen aus der Region waren Vertreter gekommen. Deren Votum fiel einstimmig aus.

Der bestätigte Vorstand des Sportnetzes erhielt den Auftrag, sich gegen eine Unterzeichnung des neuen Vertrags mit dem Schweizer Fernsehen einzusetzen und die politischen Entscheidungsträger zu bearbeiten. Kommt er trotzdem zustande, soll es zumindest «adäquate Ersatzmassnahmen» für den Eissport geben. «Dieser Vertrag wird nicht unterschrieben», forderte Oberhänsli.

Hintergrund ist ein vergangene Woche bekannt gewordene Anfrage des SRF, der alle Eissportvereine alarmiert hatte. Das Fernsehen möchte die Eishalle dauerhaft belegen. Von September bis Mai soll sich diese in ein TV-Aussenstudio verwandeln. Das würde die Hockeyspieler, Eiskunstläufer und Curler weiter an den Rand drängen, wäre aber finanziell lukrativ. Bis zu einer halben Million Franken weniger Zuschüsse würde die Bodensee-Arena den Steuerzahler dann kosten.

Auf einen  Blick
Bereits vor zwei Jahren hatte Reto Oberhänsli den Vorstand über seine Rücktrittsgedanken eingeweiht. Er stand dem Sportlerdachverband acht Jahre lang mit unermüdlichem Einsatz vor. Heute hat das Sportnetz 74 Mitglieder, davon sind 50 Sportvereine. Aus dem Vorstand trat weiterhin Mirko Spada zurück. Der neue Präsident, SP-Gemeinderat Ruedi Herzog, kam durch seine Kinder zum Wasserball und waltete schon als Präsident des Schwimmclubs.

An der Versammlung fasste Andi Staub, Präsident des Eishockeyclubs Kreuzlingen-Konstanz, kurz zusammen: «Faktisch wäre es eine Umnutzung.» Auf lange Sicht bedeute es seiner Meinung nach das Ende für den Eissport in Kreuzlingen, eine «Katastrophe». Sein Plan B: Eine bessere Vermarktung der Eisflächen. Man sei nicht gegen Events per se und habe hier immer Hand für Lösungen geboten.

Stadträtin Dorena Raggenbass war ebenfalls anwesend. Der Stadtrat (Eigentümer der Bodensee-Arena ist die Stadt Kreuzlingen) befinde sich in einer Zwickmühle. Einerseits sei es ein lukratives Angebot, andererseits wolle man dem Eissport nichts verbauen. «Das Geld könnte in Infrastruktur für den Eissport investiert werden. Wir versuchen, einen Kompromiss zu finden», sagte sie.

Gute Nachrichten
Gute Nachrichten gab es in Bezug auf die Schwimmhalle. Nach dem Kreuzlinger Gemeinderat könnten die Stimmberechtigten bereits am 26. November über den Kredit für eine Erweiterung und Sanierung des Schwimmbads Egelsee abstimmen. Ebenfalls einstimmig gaben die Anwesenden den Auftrag, dass sich das Sportnetz in geeigneter Form für eine Annahme einsetzen soll. Schulpräsident René Zweifel berichtete Erfreuliches: «Nahezu alle Aussengemeinden sind bereits mit im Boot. Ihr Zuschuss an die Betriebskosten beträgt bereits 240’000 Franken pro Jahr, auf zehn Jahre zugesagt.» Im Abstimmungskampf wolle man vor allem den Nutzen des Schwimmbads für die gesamte Bevölkerung hervorheben.

Keine Mitarbeit beim Fantastical
Es waren aber auch weniger kämpferische Tagespunkte traktandiert. So stehen den Vereinen heute über den Unterstützungsfonds bereits 12’000 Franken zur Verfügung. Für ausserordentliche Anschaffungen, Anlässe oder Aufwände können Mitglieder des Sportnetzes bis zu 20 Prozent der Gesamtsumme bezuschussen lassen. Auch die Koordination der Sportanlagenbenutzung läuft gut. Die regionale Ausdehnung des Sportnetzes müsse gemäss Oberhänsli weiter forciert werden. Am Fantasical beteiligen sich die Sportler erst im nächsten Jahr wieder. Sportliche und gesellschaftliche Anlässe, etwa die Sportlerehrung oder der Super-X-Kampf, wurden Revue passiert.

Die Jahresrechnung 2016 schliesst mit einem Überschuss von 10’368 Franken.

Noch ist alles offen
Der Stadtrat tagte schon am darauffolgenden Dienstag zum Thema Bodensee-Arena. Zu Gast: deren Verwaltungsratspräsident Matthias Mölleney. Einen Beschluss habe man nicht gefasst, berichtet Stadträtin Dorena Raggenbass. «Wir verlangen vom Schweizer Fernsehen und dem Verwaltungsrat noch diverse Abklärungen. Unter anderem sollen sie prüfen, ob der Vertrag auch ohne eine Vermietung im September zustande kommen kann.» Ziel sei es, einen Kompromiss zu erarbeiten, sodass der Eissport eine Zukunft habe, ohne das reizvolle Angebot des SRF auszuschlagen. Am Donnerstag soll eine Gemeinderatsinformation erfolgen.

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3 thoughts on “Sportnetz will für Eissport kämpfen

  1. Bruno Neidhart

    Kreuzlingen fehlt ein tragfähiges, verlässliches Gesamtkonzept für den Sport. Ein solches hätte zum Inhalt, was in den kommenden 10-15 Jahren zu planen und zu realisieren wäre, um auf Veränderungen, die wichtige Sportarten betreffen können, zu reagieren. Bezogen auf Klein Venedig beinhaltet dies besonders auch die Verlegung der FCK-Fussballfelder, weil bereits mittelfristig das Gebiet Klein Venedig über die Grenze hinweg als allgemeine Erholungsfläche gilt. Da auf dem Döbeli nur noch eine kleine Erweiterung der Anlage des AS Calcio politisch als denkbar erscheint, kommt somit dem Gebiet „Seezelg“ im Osten der Stadt Bedeutung zu, der letzten Möglichkeit für Flächensportanlagen innerhalb der Stadtgrenze. Dort möchte sich (wie man mal lesen konnte) ebenso der wettkampfrührige Tennisclub „Hörnli“ konzentrieren, so z.B. zusätzlich mit einer veritablen Halle zu den bereits bestehenden Aussenfeldern. Und was mit dem im Artikel besonders angesprochenen Eissport zukünftig geschieht, hängt wirklich in der Luft. Die jetzige Halle ist für Kreuzlinger/Konstanzer Verhältnisse damals zu gross geraten. Dass sich hier in der Folge besonders das Fernsehen eingenistet hat, derzeit den Eissport stark verdrängt, ist zu bedauern. „Fernsehunterhaltung“ ist nun mal kein Sport! Gleichzeitig wäre bereits heute zu evaluieren, wo mal eine sinnvolle, redimensionierte Halle zu stehen kommen könnte, angegliedert ein zweites – wie heute -, „offen-gedecktes“ Eisfeld. Kreuzlingen-Konstanz hat besonders im allgemeinen Eislaufsport seit der fulminanten „Eisdöbeli-Zeit“ der Nachkriegsjahre eine grosse, allgemeine Eislauftradition, die es weiter zu pflegen gilt. Und auch der „grenzenlose Eishockeysport“ beginnt sich derzeit erfolgreich zu etablieren.

    Wenn schon eine neue Schwimmhalle erwähnt wird, „da die erste Vorstellung leider eine Gegnerschaft zu mobilisieren vermochte“, so ist die Bemerkung von Herrn Zweifel, dass ein neuer Anlauf auch „für die gesamte Bevölkerung“ (wie übrigens bereits im ersten Anlauf beschrieben!) angedacht sei, in dem Sinn zu erweitern, dass diese Schwimmhalle auch so konzipiert sein sollte, um sie ebenso dem Leistungs-Schwimmsport optimal dienstbar zu machen, hat die Stadt doch in ihren Mauern einen national (nicht nur) bemerkenswerten Schwimmclub, der noch weiter gedeihen wird, wenn die Voraussetzungen zur Ausübung des Schwimmsports einigermassen zeitgemäss stimmig sind. Die bereits heute ausgewiesenen sportlichen Erfolge sind zu honorieren. Sie betreffen erfreulicherweise – neben den Wasserballern -, besonders auch die schwimmsportliche Jugendabteilung des Clubs!

    Und so sind denn für die angesprochenen 10-15 Jahre (usf.) für Planung und Realisierung schon heute Mittel bereit zu stellen, welche im Zeitverlauf über das derzeitige fokussierte Denken auf die rund 50 Millionen, die allein für das (sogar angezweifelte) Stadthaus mit Tiefgarage hingelegt werden, hinausgehen müssten, um allgmeine Belange des Sports in den kommenden Jahren tatkräftig unterstützen zu können, somit besonders Anlagen zu erstellen sind, die für die nächsten 30-40-50 Jahre Bestand haben und die Stadt auch auf sportlicher Ebene profilieren. Eine allgemein für die Gesellschaft eminent wichtige Aufgabe – besonders zugunsten der breiten Stadtjugend im heutigen Umfeld.
    Anpacken!

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