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«Es soll keinem Nachteil entstehen»

Kreuzlingen – Das Schweizer Fernsehen will in der Bodensee-Arena niemandem über die Füsse fahren. Doch die Eissportvereine würden selbst bei einer Kompromisslösung vor Schmerzen schreien. Denkbar schlechte Voraussetzungen für den Verwaltungsrat, der den Deal am liebsten abschliessen möchte. Heute Abend schaltet sich der Gemeinderat ein.

Die Bodensee-Arena ist ein Eisstadion, das die Eisproduktion seit Jahren mit Events querfinanziert. (Bild: archiv)

Einstimmig hat der Verwaltungsrat der Bodensee-Arena entschieden, Vertragsverhandlungen mit dem Schweizer Fernsehen (SRF) zu beginnen. Jetzt wartet er auf grünes Licht vom Stadtrat, der die Stadt als Besitzerin der Eis- und Veranstaltungshalle vertritt. Auch beim SRF wartet man auf ein Signal. Noch gibt es weder Details noch einen Vertragsentwurf.

«Eine knifflige Situation, in der es besser ist, Interesse zu signalisieren, damit die Verhandlungen beginnen können», sagt Verwaltungsratspräsident Matthias Mölleney. «Bis Mitte Mai braucht das Fernsehen unsere Entscheidung.» Sowieso: «Dieses Angebot anzunehmen wäre das Beste für die Bodensee-Arena. Das ist glasklar. Als Verwaltungsrat sind wir verpflichtet, zum Wohle des Unternehmens zu handeln.» Interessengruppen wie Kreuzlingen Tourismus und der Kreuzlinger Gewerbeverein setzen grosse Hoffnungen auf das Vorhaben Fernsehen, sagt er.

Zwischen 300’000 und 500’000 Franken zusätzliche Einnahmen würde die Dauervermietung an das SRF in die Kassen spülen, jedes Jahr, acht Jahre lang. Zusätzliche Attraktionen für den öffentlichen Eislauf wie ein neues Eisfeld auf dem Parkplatz und bauliche Massnahmen, um das bestehende Ausseneisfeld fit zu machen, wären in seiner Rechnung mit inbegriffen. Eine Summe, die mit anderen kulturellen Events nicht zu erreichen wäre, «auch wenn wir alles versuchten». Mölleney spricht von Schwierigkeiten beim Booking von Events in der dann realistischerweise bis zu 3500 Menschen fassenden Location: «Zu klein für die grossen Stars und zu gross für andere», so der Verwaltungsratspräsident.

Eishockeynachwuchs in der Arena. (Bild: zvg)

Das sieht Andreas Staub ein wenig anders. Er ist der Präsident des Eishockeyclubs Kreuzlingen Konstanz (EHCKK) und kritisiert: «Um im Eventbereich richtig Gas zu geben, müsste man längerfristig planen können, und das wurde durch die Präsenz des Fernsehens bisher verhindert. Wir sind nicht gegen Events oder Fernsehen per se, aber schon immer klipp und klar gegen eine Dauervermietung.» Mit dem neuen Bandensystem im Sommer hätte sich diese Situation verbessern können, man müsste dann nicht mehr abtauen, um Grossveranstaltungen im Eisstadion durchzuführen. Die angekündigte Dauervermietung wirft nun ihren Schatten auch auf diese Pläne.

Staub spricht für alle Eissportvereine. «Wenn diese Verträge unterschrieben werden, bekommen wir grosse Probleme. Wir benötigen mehr Eis, nicht weniger. Am Besten die ganze Saison zwei Eisfelder.» Der EHCKK zum Beispiel wachse stetig. 2013 habe im Club 37 Kinder gespielt, heute zählt der Nachwuchs dagegen rund 230 Köpfe. «Selbst wenn das Fernsehen auf den September verzichtet, ist die Konsequenz für uns klar. Kinder raus, Club verkleinern.»

Diese Existenz bedrohende Qualität will Verwaltungsratspräsident Mölleney hingegen nicht anerkennen. «2013 gab es gar kein Eis in der Halle, und irgendwie ging das auch», sagt er. Einige bauliche Massnahmen, etwa ein Windfang, reichten aus, damit das Ausseneisfeld allen Ansprüchen genüge, vielleicht nicht ab September, aber sicher ab Oktober.

Damit läge der Puck für einen Kompromiss wieder beim Fernsehen. Und das sucht Ersatz, weil im ersten Halbjahr 2019 das grösste Studio in Zürich abgerissen wird. Deswegen sollen alle grösseren Produktionen an einem Standort zusammengefasst werden. Aber könnte das SRF vor diesem Hintergrund überhaupt auf den September verzichten? Verbindliche Antworten diesbezüglich waren bisher nicht zu hören.

Nur so viel: «Selbstverständlich suchen wir eine Partnerschaft mit einer Location, die einvernehmlich ist und alle zufrieden stellt», sagt SRF-Unterhaltungschef Christoph Gebel. «Wir wollen auf keinen Fall, dass aus unserer Präsenz für jemanden ein Nachteil entsteht.»
Deshalb, so Gebel, prüfen die Verantwortlichen auch verschiedene Lösungen.

Heute Abend ist das Thema Bodensee-Arena im Gemeinderat traktandiert, wie Stadtpräsident Andreas Netzle heute morgen an der Presseinformation im Vorfeld der Gemeinderatssitzung bekannt gab. «Informiert hätten wir sowieso», sagte er. Jetzt biete sich die Gelegenheit, ein Stimmungsbild abzuholen. Inwieweit dieses Einfluss auf den weiteren Verlauf hat, werde sich weisen. Je eindeutiger die Meinungen verteilt sind, desto entscheidender. «Um eine Entscheidung zu treffen, ist es heute aber noch zu früh», beschied Netzle. «Dazu müssen erst wichtige Informationen, etwa der Businessplan für ein Komeptenzzentrum Eissport, ausgewertet werden.»

Kasten Hintergrund
Das SRF will künftig alle Samstagabendsendungen («Happy Day» etc.) an einem Standort produzieren. Die Bodensee-Arena wäre ein möglicher Ort. Seit 2008 haben die Verantwortlichen hier gute Erfahrungen mit der für sie idealen Grösse und optimalen Infrastruktur gemacht. Sie prüfen aber auch andere Standorte. Die Dauervermietung wäre von September bis Mai.

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One thought on “«Es soll keinem Nachteil entstehen»

  1. Alexander Salzmann, Gemeinderat (FDP)

    Wir werden wahrscheinlich die Auswahl haben zwischen „SRF während ganzem Winter“ und „kein SRF“. Der SRF-Vertrag bringt der Bodenseearena zusätzliche Einnahmen (ca. 5 Millionen in 10 Jahren), welche für den Eissport ausgegeben werden können. Bei „kein SRF“ wird das Defizit der Arena in Höhen kommen, bei denen der Stimmbürger dann kaum mehr bereit ist die Halle halten zu wollen; eine solche Situation hatten wir auch schon mal. Ich glaube der Eissport ist gut beraten, die Hallte mittels SRF zu retten und dafür etwas im Umfang von maximal CHF 5m zu erhalten (zusätzlich zu bestehenden Ausseneisfeld), also zusätzliche Infrastrukturen. Ansonsten besteht das nicht unwahrscheinliche Risiko, dass wir die Halle ganz zumachen, und dass kann dem Eissport auch nicht gefallen. Es ist nun nicht Opposition gefragt, sondern ein gutes Arrangement für den Eissport angesichts der neuen Situation. Ich wäre froh, wenn der Eissport bis zur Gemeinderatssitzung im Mai 2017 sich mit diesem realistischen Szenario befasst und seine Forderungen präzise stellt.

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