/// Rubrik: Kultur | Sport

Freiwillig: Drei Jahre ohne Alkohol

Kreuzlingen - Hinter dem Begriff «Kodex» verbirgt sich eine Schweizer Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat, Teenager im Alter von zwölf bis 16 Jahren von Tabak- und Alkoholkonsum abzuhalten. Carola Kuhn hat das Programm drei Jahre lang durchlaufen. Im Interview verrät die SBW-SportKV-Schülerin und Unihockeyspielerin, wie so eine Mitgliedschaft aussieht und was sie dazu bewogen hat, mitzumachen.

KodexCarolaKuhn

«Ich verabscheue Zigaretten», sagt Carola Kuhn, welche in der U19-Damen-Nationalmannschaft Unihockey spielt. (Bild: bf)

KLZ: Ein Feierabendbier, ein Glas Wein zum Essen oder mal einen Schnaps zur Verdauung. Hier zu Lande trägt der Alkohol in seinen verschiedensten Variationen viel Tradition mit sich. Was hat dich wann dazu bewegt, auf Alkohol zu verzichten?
Carola Kuhn: Mein grosser Bruder hat über die Schule davon erfahren und war bereits vor mir Mitglied. Im  Frühling 2014 habe ich mich dann freiwillig dazu entschieden, das auch Mal zu probieren. Da ich schon damals leidenschaftliche Unihockey Spielerin war, hat das gut in meinen Lebensstil hineingepasst. Es ist ja kein Geheimnis, dass Zigaretten und Alkohol gerade bei Leistungssport nicht gerade förderlich sind.

Gab es neben dem Sport einen weiteren Motivationsgrund?
Ja, ausserdem sah ich die Mitgliedschaft als Chance mein Durchhaltevermögen auf die Probe zu stellen, die ich auch erfolgreich wahrgenommen habe.»

Du bist heute 17 Jahre alt, demnach seit einem Jahr offiziell kein Kodex-Mitglied mehr. Wie kann man sich als nichts ahnende so eine Mitgliedschaft vorstellen?
Ziemlich unkompliziert. Man füllt einen Antrag aus, sendet diesen dem zuständigen Verein zu. Mit meiner Unterschrift habe ich mich dann für ein Jahr «verpflichtet» meinen Alkohol- und Tabakkonsum auf Null zu beschränken. Während des Jahres gibt es keine Vereinstreffen oder Ähnliches.

Du warst drei Jahre Kodex-Mitglied. Was hat dich dazu bewogen, noch weitere zwei Jahre quasi enthaltsam zu leben?
Da mein Alkoholkonsum zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht vorhanden war, sah ich die Auflage mehr als machbar an. Und wenn das erste Jahr so gut geklappt hat, wieso nicht noch ein Zweites beziehungsweise Drittes anhängen?

Gab es eine Entlohnung oder eine Auszeichnung für deine erfolgreich abgeschlossene Drei-Jahres-Mitgliedschaft?
Allerdings. Um genau zu sein sogar drei. Nach dem ersten Jahr erhielt ich eine Bronze Medaille, nach dem Zweiten Silber und nach dem Dritten, der höchst erreichbaren Stufe im Kodex-Verein, erhielt ich dann zur Ehrung eine Gold Medaille und ein Zertifikat über meine erfolgreich abgeschlossene Mitgliedschaft.

Herzlichen Glückwunsch. Drei Jahre ausnahmslos ohne Zigaretten und Alkohol. Für manch eine Person wäre das wohl unvorstellbar. Gab es Situationen, in denen du Gewissensbisse hattest?
Da ich Zigaretten sowieso verabscheue und meine Freunde hauptsächlich auch Sport treiben kamen kaum Situationen zustande, in denen ich tatsächlich mit meinem Gewissen zu kämpfen hatte.

Oder gab es einen Ausrutscher?
Beinahe. In meinem letzten Jahr. Silvester 2015 auf 2016. Da hätte ich fast ein Glas Sekt getrunken. Ich hatte in dem Neujahrstrubel für einen winzigen Moment vergessen, was mir da eingeschenkt wurde. Aber wie gesagt, nur beinahe.

Gibt es eine Art Kontrolle oder einen Test während der Mitgliedschaft?
Der Test ist dein Gewissen. Ich habe mir etwas vorgenommen und symbolisch habe ich ja sogar einen Vertrag unterschrieben. Ich möchte mich nicht selbst belügen.

Und wenn einem mal ein Malheur passiert ist?
Dann meldet man das dem Verein und muss eben auf die Medaille verzichten.

Gibt es nach den drei Jahren eine Quintessenz, die du den Lesern mitgeben möchtest?
Heutzutage versteht sich «cool sein» oft durch den Konsum von Alkohol oder Zigaretten. Ich habe aber gelernt, dass Stärke vor allem auch darin liegt, «Nein» sagen zu können.

Die Mitgliedschaft bei Kodex ist nur im Teenageralter von zwölf bis 16 Jahren möglich. Was hälst du von diesem Konzept?
Da Alkohol, und Zigaretten sowieso, gerade in der Wachstumsphase sehr kontraproduktiv für die Gesundheit sind, finde ich die Altersbegrenzung, präventiv gesehen, sehr sinnvoll. Ab 16 Jahren darf man, zumindest Bier und Wein, schweizweit ja auch legal trinken.

Auch wenn das Gesetz eben oftmals in jugendlichen Kreisen nicht berücksichtigt wird. Wurdest du da manchmal komisch angeschaut?
Nein, das ist ja jedem seine Sache. Man muss eben aufrichtig sein und hinter seinen Entscheidungen stehen.

Würdest du anderen Jugendlichen diese Mitgliedschaft raten?
Ja, da gerade in diesem Alter, oft auch durch Gruppenzwang, viel zu früh Alkohol getrunken wird. Und vor allem mit 14 Jahren zu rauchen, ist wie ich finde ein absolutes «no go».

Da du ja vor und während deiner dreijährigen Mitgliedschaft nie Alkohol getrunken hast, erinnerst du dich an das erste mal?
Ja. Das war noch am selben Tag, als ich meine Gold Medaille in Empfang nahm.

Und wie war es?
Ich hab es schon gespürt.

Wie sieht dein Alkoholkonsum heute aus?
Ich trinke während der Spielsaison allerhöchstens mal ein Bierchen. Aber das kommt sehr selten vor. Ist die Spielzeit zu Ende vielleicht einmal in zwei Monaten. Und dann am liebsten Malibu Orange.

Wäre es eine Option für dich, komplett auf Alkohol zu verzichten?
Komplett? Nein. Es macht einfach auch zu viel Spass mal mit den Kollegen anzustossen. Das Wichtige ist eben, was ich durch «Kodex» gelernt habe, es nicht zu übertreiben, meine Grenzen zu kennen und die berauschende Wirkung des Alkohols in gesundem Masse zu geniessen.

 

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.