/// Rubrik: Kultur | Stadtleben

Wahre Hochbeet-Freundschaft

Kreuzlingen - Der Gartentag am 29. April und eine weitere Hochbeet-Saison stehen vor der Tür. Wir haben zwei Hobby-Gärtnerinnen portraitiert, die an der Aktion teilgenommen haben.

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Ein Hochbeet wie aus dem Bilderbuch im Sommer 2016. (Bild: zvg)

Anlässlich des Kreuzlinger Gartentags 2016 rief das Departement Gesellschaft der Stadt die Aktion «Kreuzlingen wird essbar» ins Leben. 13 Hochbeete sollten in ganz Kreuzlingen verteilt werden und gemeinsam von engagierten Hobbygärtnern als Nachbarschaftsprojekt gepflegt und bepflanzt werden. Die Hochbeete wurden in der Sägerei «Rütishauser» in Güttlingen aus Schweizer Holz vom Schreinermeister angefertigt.
Etwa zwei Monate vor dem vergangenen Gartentag wurden die Hochbeet-Patenschaften öffentlich ausgeschrieben. Flavia Mösli und Mechthild Täschler witterten ihre Chance und beworben sich, unabhängig voneinander, um die einjährige Pflege eines der Hochbeete. Die Kreuzlingerin Mösli, und die Norddeutsche Täschler haben sich das erste Mal beim Gartentag 2016 auf dem Boulevard getroffen. «Da haben wir uns nicht zum letzten Mal die Hände gemeinsam schmutzig gemacht», erinnert sich Täschler. Mitten auf der Hauptstrasse haben alle Hochbeet-Paten gemeinsam mit der Stadtgärtnerei die Beete erstmals mit Radieschen Sätzlingen, diversen Kräutern, Sonnenblumen und, nicht zu vergessen, Erdbeeren bepflanzt. Vor allem der prägnante Geruch der Hornspäne ist ihr noch heute im Gedächtnis, «ein wahrer Wunderdünger».
Bis Ende Mai war das Hochbeet des Kreuzlinger Garten-Duos in der vertrauenswürdigen Obhut der Stadtgärtnerei.  Einen vollen Monat wurde die Standortfrage des Beetes verhandelt. Andere Paten hatten da mehr Glück. Wichtige Faktoren wie Grundbesitzerfragen und ein Wasseranschluss, der in laufbarer Reichweite sein sollte, führten im Fall Mösli und Täschler zu ersten Startschwierigkeiten. Aber das Engagement der beiden Frauen, Gespräche mit dem Vermieter und Besitzer der grossflächig ungenutzten Wiese direkt vor Mechthilds Haustür an der Chalchthorestrasse und den Kontakt zu Zjelka Blank, Leiterin der Fachstelle für Integration und Familie herzustellen, trugen schnell Früchte.
Alle Hindernisse überwunden, ging es dann an den wesentlichen Spass. Mindestens einmal die Woche trafen sich die Kreuzlingerin und die Deutsche, um Unkraut zu jäten, neue Pflänzchen wie Tomaten, Pepperoni, Rüebli und Kohlrabi zu setzen, und vor allen Dingen, um zu quatschen. Neben den reichlich geernteten Zucchettis, zahlreichen Rüebli und verschiedenen Kräutern, hat die vergangene Saison vor allem eines gebracht: eine wunderbare Freundschaft. Während der sehr heissen Tage im Sommer haben die beiden sich fast jeden zweiten Tag beim Giessen getroffen und gemeinsam ihre eigens angebauten Erdbeeren vernascht oder verschenkt. Henriette, die Tochter von Mechthild Täschler, profitierte ebenfalls von den frischen Beeren direkt neben der Spielwiese.

Eigens angebaute Tomaten sind eben die Besten. (Bild: zvg)

«Wer pflegt, darf ernten»
Da die Chalchthorestrasse «der Passantenweg» in Richtung See ist, kamen die beiden Gründäumlinge oft mit Spaziergängern und Velofahrern ins Gespräch. «Man hat sich immer so nett mit den Leuten unterhalten, das war toll», schwärmt Mösli. «Es war immer schön, jemandem eine Freude zu machen», findet Täschler, die gern mit anderen Kleingärtnern fachsimpelt oder eines ihrer selbst aufgezogenen Gemüse anbietet.
Wenn jemand allerdings sein komplettes Abendmahl von ihrer Ernte bezogen hätte, wären Flavia und Mechthild «not amused» gewesen. Aus Respekt vor ihrer Arbeit möchten die Freizeit-Gärtnerinnen nämlich gefragt werden, wenn ein jederman die «regionale Gemüseküche» kosten möchte.
Ursprünglich hätten die Hochbeet-Standorte nach der einjährigen Patenschaft verlagert werden sollen. Da das Projekt in der Chalchthorestrasse jedoch so wunderbar funktioniert hat, darf das Hochbeet ein weiteres Jahr dort stehen bleiben.

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Flavia Mösli (2.v.l.) und Mechthild Täschler mit Ehemann Daniel und Tochter Henriette bepflanzen erstmals ihr Hochbeet auf dem Boulevard. (Bild: zvg)

Flavia und Mechthild sitzen bereits auf heissen Kohlen und überlegen und planen bereits die kommende Hochbeet-Saison. «Bei einer Fläche von etwa 2,5 auf 1,5 Metern muss man organisiert und bedacht pflanzen», sagt Mösli. Die Hochbeet-Freundinnen können es kaum erwarten, ihre Erfahrungen aus der letzten Saison umzusetzen, viele tolle Gespräche und neue Tipps zu ergattern und freuen sich auf den Austausch mit anderen Hochbeet-Paten.

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