/// Rubrik: Leserbriefe

Parkplätze in Hülle und Fülle

Leserbrief – Herr Netzle erläutert das Parkplatzkonzept und kommt dabei zu einigermassen erstaunlichen Feststellungen. (Ernst Frischknecht, Kreuzlingen)

Leserbrief zum Artikel «Parkplätze im Fokus»

(Bild: archiv)

Einerseits sollen die sage und schreibe 4600 Parkplätze ausreichend sein und andrerseits ist bereits heute eine beträchtlichen Ausweitung vorgesehen: Am Hafenbahnhof und an der Seestrasse sollen neue Parkhäuser errichtet werden und selbst dem Strabag-Areal könnte das gleiche blühen! Umso paradoxer mutet in dem Zusammenhang die Bemerkung an, dass die Stadt Anreize zum Umstieg auf den öV schaffen wolle. Mit noch mehr Parkflächen und dann noch in Grenznähe fördert man doch einzig den Autoverkehr in das Zentrum  – bestimmt aber nicht den Langsamverkehr. Da wäre es doch viel mutiger und sinnvoller, ganz bewusst die Parkflächen zu reduzieren und an Bahnstationen Park and Ride Möglichkeiten zu schaffen. Hinzu kommt eine verhängnisvolle Preispolitik bei Bahn und Bus in der Stadtregion, wo schlagartig die Tickets markant aufgeschlagen haben.

Das angekündigte Parkplatzmanagement ist zu begrüssen – nur: wo bleibt die längst fällige Parkplatz-Bewirtschaftung bei Coop Ziil, beim Seepark und beim städtischen Schwimmbad? Warum ist davon keine Rede?

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5 thoughts on “Parkplätze in Hülle und Fülle

  1. Bruno Neidhart

    Eine (Klein-) Stadt zeichnet sich nicht dadurch aus, dass sie in jedem Winkel mit einer massiven „Parkplatz-Bewirtschaftung“ auf allfällige Kunden, welche das einheimische Gewerbe, Sportstätten, usw. beflügeln sollen, eintrischt. Im Gegenteil. Besonders auch das lahmende Zentrum braucht Parkplätze. Davon möglichst viele blaue. Dies ist eine Chance für den nach wie vor dominierenden automobilen Individualverkehr, der letztlich gewerbewirksam die Stadt speist. Der Traum, in einer Kleinstadt könne der ÖPNV das leisten, was heutige Individualität auszeichnet, bleibt noch lange Traum.
    Und den „Lamgsamverkehr fördern“, Herr Frischknecht, kann man urplötzlich, wenn man möchte. Kreuzlingen ist in einigen Stadtbereichen tatsächlich noch „zu schnell“. Und für „Park and Ride“ ist eine kleine Stadt ungeeignet, sofern es sich nicht auf das Auspendeln aus der Stadt bezieht, solche Anlagen dann die Bereiche von Bahnhöfen betreffen.

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  2. Alexander Salzmann, Gemeinderat (FDP)

    Werter Herr Frischknecht
    Rein finanziell betrachtet, sind die oberirdischen Parkplätze in der ganzen Stadt Gold wert. Diese bringen Parkgebühreinnahmen und Parkbussen von 2-3 Millionen, was 5-7 Steuerprozenten entspricht. Jede Reduktion der Anzahl oder Verschiebung derselben in Parkhäuser reduziert netto diese Einnahmen (sowohl die Baute selbst wie auch Parkbusseneinnahmen) bei gleichbleibendem Umsatz. Dies müsste dann jemand tragen (Steuerzahler? Gebührenzahler? Da habe ich noch keine Antworten gehört…..).
    Der ÖV wurde in den letzten Jahren massiv ausgebaut (z.B. Einführung Viertelstundentakt, Buslinie Tägerwilen), aber die Kundschaft hat es nicht so geschätzt wie erwartet, so dass der Kostendeckungsgrad des ÖV weiter abnahm. Daher sind die Erhöhung der Ticketpreise unausweichlich, wenn wir nicht weiter den Steuerzahler belasten oder gar den ÖV reduzieren wollen. Es ist halt die Frage, was man will.
    Ihr Vorschlag einer massiven Reduktion der Anzahl der Parkplätze entspricht nicht meinem liberalen Staatsverständnis. Der ÖV sollte aufgrund seiner Qualität überzeugen, nicht aufgrund seiner Alternativlosigkeit. Und da stellt sich schon die Frage, wie viel zusätzlichen ÖV unsere Einwohnerschaft wirklich nachfragen würde, wenn man den letzten, vergangenen Ausbauschritt vergegenwärtigt.

    Mit besten Grüssen
    Alexander Salzmann

    P.S.: Gemäss Stadtrat sollen die Hörnli-Parkplätze ab nächstem Jahr bewirtschaftet werden. Da gab es einen Verzug wegen der Chogenbachsanierung. Migros-Seepark ist mir nicht bekannt.

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    1. schiesser

      Sehr geehrter Herr Salzmann
      mir sticht in Ihrer Antwort an Herrn Frischknecht eine Kleinigkeit ins Auge – und zwar die behaupteten Einnahmenausfälle für die Statd durch Aufhebung bestehender Parkplätze. Ja, wenn man einen Parkplatz aufhebt, nimmt man darauf nichts mehr ein. Aber das bedingt, dass der Parkplatz 1. nicht in der Blauen Zone liegt (siehe Innenstadt) – dann nimmt die Stadt nämlich auch heute keine Gebühren aus der Parkplatzbewirtschaftung ein – und, 2. dass er nicht in einem Parkhaus wieder „aufersteht“. Denn Parkplätze in öffentlich zugänglichen Parkhäusern kosten Parkgebühren. Üblicherweise mindestens so viel, meistens mehr, als Freiluftplätze. Die Stadt Kreuzlingen hat ja beispielsweise für das unter dem neuen Stadthaus vorgesehene Parkhaus deutlich mehr Einnahmen als Betriebskosten errechnet. Und wenn wir uns erinnern, gab es für Neubau und Betrieb eines anderen geplanten Parkhauses private Interessenten. Das wäre wohl nicht so gewesen, könnte man mit Bau und Betrieb von Parkplätzen in Parkhäusern kein Geld verdienen – das auch die Stadt verdienen könnte. Parkbussen entfallen zwar, aber dafür gibt’s dann Bussen für das Parkieren auf dem Trottoir oder auf anderen, nicht mehr existierenden Parkplätzen. Wetten?

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      1. Alexander Salzmann, Gemeinderat (FDP)

        Sehr geehrter Herr Schiesser

        Besten Dank für Ihren Kommentar. Das mit der blauen Zone stimmt natürlich. Bei den Parkhäusern bin ich mir da nicht so sicher. Die Betriebskosten decken die Kosten für den laufenden Betrieb eines Parkhauses ab, aber nicht Kosten für dessen Erstellung und Amortisation. Alles zusammengerechnet wird es wohl darauf hinauslaufen, dass bei einer Verschiebung bewirtschafteter Parkplätze in Parkhäuser wir wohl nicht in allen Regionen der Stadt Gewinne erzielen werden können – allenfalls noch in der grössten Goldgrube im Klein Venedig. Daher bin aus finanzieller Perspektive betrachtet skeptisch diesen ganzen Parkhauskonzepten gegenüber; obwohl die heutige Parkplatzsituation vor allem am See nicht gerade erbaulich aussieht.

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  3. Ivan

    Ich habe es mehrmals erlebt im TG und vorallem in Kreuzlingen. Wie oben im Artikel beschrieben, geht es euch ums Geld verdienen durch Bussen Einnahmen. Deshalb patroulieren permanent 2 Menschen einer privaten Sicherheitsfirma, fürs Ordnungsamt. Es kann und darf nicht sein, dass ihr uns mit eurem übereifrigen Bussen verteilen abzockt und so eure Budgets mächtig erhöht. Ihr seit vom Volk eingesetzt und zieht uns so das Geld aus den Taschen.

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