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Kirche geht nur mit Freiwilligen

Kreuzlingen – In der Evangelischen Kirchgemeinde Kreuzlingen besitzt Freiwilligenarbeit einen sehr hohen Stellenwert. Dabei geht es nicht darum, Mitarbeiter zu gewinnen, die ohne Bezahlung arbeiten. Vielmehr fördert die Gemeinde die Freiwilligen direkt: Indem diese sich ihren Neigungen und Talenten gemäss einbringen können und dabei Unterstützung erfahren. Viele verschiedene Projekte hat Pfarrer Damian Brot so schon mit Freiwilligen erfolgreich aufgegleist.

Im «Open Place» bei der Kirche Kurzrickenbach heisst Pfarrer Damian Brot Freiwillige willkommen. (Bild: sb)

Die Freiwilligenarbeit in der Evangelischen Kirchgemeinde ist partizipativ gestaltet. Das bedeutet, Freiwillige dürfen und sollen eigene Ideen miteinbringen. Wenn diese sich nicht mit den Vorstellungen der Gemeinden beissen, dann steht einer Umsetzung nichts im Wege. Dabei lassen Pfarrer Damian Brot und sein Team die Freiwilligen eigenverantwortlich schaffen. Beste Beispiele sind derzeit die Lebensmittelabgabe «VerwertBar» an der Kirche Kurzrickenbach und viele Projekte, die dort im Haus Weisser stattfinden, sei es der «Café-Treff Philosophie» oder die Reihe «Märchen für Erwachsene».

«Kirche geht nicht ohne Freiwilligenarbeit», sagt Brot. «Sie ist das Herzstück. Freiwillige bereichern und beleben unsere Kirche. Sie machen die Gemeinde bunt und lebendig.» Jeder ist dazu eingeladen, seine Talente und Kreativität einzubringen. Mehr noch: «Wir verstehen es als unsere Aufgabe, Menschen in ihren Begabungen zu fördern», so Brot. Das stärke nicht zuletzt die Identifikation der Mitglieder mit ihrer Gemeinde. Und bringt oft Angebote, die ohne deren Einsatz nicht umsetzbar wären.

Die Initiatoren der oben genannten Projekte gestalten diese weitgehendst in Eigenregie, die «VerwertBar» gründete sogar einen Verein. Im Grunde aber können Freiwillige in allen Bereichen der Gemeinde mitarbeiten. Sie werden dabei möglichst professionell betreut und dürfen mitentscheiden.

Auch der Verein «VerwertBar», welcher Lebensmittel sammelt und verschenkt, freut sich über weitere Fahrer und Helfer. (Bild: sb)

Etwa im Bereich «Kinder und Familien». «Bei der jüngst zu Ende gegangenen Kinderbibelwoche haben Freiwillige mitgeholfen», zählt der Pfarrer aus Kurzrickenbach eine Möglichkeit auf und nennt weitere: «Während den Gottesdiensten soll es bald ein Kinderprogramm geben. Auch hier sind helfende Hände willkommen. Und die verschiedenen Lager sind dank den Helfern ein Erfolg. «Auch bei Gottesdiensten, vor allem den «besonderen» wie dem viermal jährlich stattfindenden «Go Special» sind viele helfende Hände involviert. Freiwilligenarbeit ist aber auch in eher heiklen Bereichen wie der Seelsorge gewünscht. «Wir möchten die Geburtstagsbesuche und generell den Besuchsdienst ausbauen», sagt Brot. Dort werde allerdings deutlich, dass Freiwillige nicht nur Rechte in Anspruch nehmen, sondern auch Pflichten haben. Dazu gehört beispielsweise die Schweigepflicht in der Seelsorge, aber auch die Sorgfalt. Denn Freiwillige tragen auch Verantwortung gegenüber den Menschen, mit denen sie im Auftrag der Kirche zu tun haben.

In der Öffentlichkeitsarbeit will man ebenfalls verstärkt auf Freiwillige setzen. Gesucht werden Menschen, die gut Fotos machen oder schreiben können oder einfach nur Lust haben, die sechs Aushängekästen der Gemeinde zu dekorieren – die Möglichkeiten für einen Einsatz sind vielfältig. Und natürlich sind auch solche willkommen, die gut mit anpacken können oder technisch begabt sind. «Unser Mesmer lernt gerne Helfer ein, damit diese bei Veranstaltungen die Tonanlage oder die Technik bedienen können», sagt Brot.

Ein Kurs, um seine Talente zu finden
Die Fahrtrichtung zeigt aber deutlich, dass man weg möchte vom Hierarchiegefälle der Freiwilligen auf der einen und der Profis auf der anderen Seite. Brot legt Wert darauf, dass die Freiwilligen Weiterbildungen besuchen können und so viel wie möglich in Entscheidungen miteingezogen werden – bis hin zu der Verwirklichung eigener Projekte. Und wer gar nicht weiss, was er alles kann und auf die Beine stellen könnte, dem greift die Gemeinde mit einem Kurs unter die Arme. In einem vierteiligen Seminar «Entdecke dein Potential» können die Teilnehmer ihre Talente und Fähigkeiten ausloten. Fast 30 Menschen kamen zum ersten Durchgang in diesem Jahr. Ein Beweis, dass Nachfrage vorhanden ist und die Kirche mit ihrem Fokus auf der Partizipation richtig liegt.

Seit 2015, damals noch unter Kirchenpräsidentin Susanne Dschulnigg, hat die Behörde ihre Anstrengungen im Bereich Freiwilligenarbeit nach und nach verstärkt. So nahmen die Pfarrer und Diakone samt Kirchenmusikerin und Mesmern an einem Motivationsseminar im vergangenen Jahr teil. Anfang dieses Jahr besuchte eine Mitarbeiterin der Freiwilligenorganisation Benevol die Gemeinde und führte eine Weiterbildung durch. Am Ende steht ein Freiwilligenkonzept, an dem zurzeit gearbeitet wird.

Es definiert die Leitlinien für die Freiwilligen, aber auch für die Angestellten, mit denen sie zusammenarbeiten. «Eine Kirchgemeinde ist ein enorm vielfältiges Gebilde», weiss Pfarrer Brot. «Unser Ziel ist es, Freiwillige nicht nur in den verschiedenen Bereichen zu beschäftigen. Wir wollen sie stärker und mitbestimmend in die Gestaltung des Gemeindelebens einbeziehen. Die Besucher sollen quasi von den Zuschauerplätzen auf die Bühne wechseln.»

Wer sich gerne engagieren möchte, kann sich bei Damian Brot,
Tel. 071 672 42 04 oder damian.brot@evang-kreuzlingen.ch, melden.

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