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Eine Rolltreppe für Forellen

Kreuzlingen – Ein renaturierter Bach im Kanal ist eine Rarität im Thurgau. Hier in Kreuzlingen kann man diese nun sehen – zwischen Bahnhofstrasse und Konstanzerstrasse fliesst der Saubach offen und mit vielen Vorteilen für Fische und Kleintiere.

Stefan Braun, Ernst Zülle und Roman Niedermann (v.l.) am Saubach. (Bilder: vf)

«Wer selbst schon einmal Wasser im Keller hatte, weiss, was es für eine Arbeit es ist, es wieder trocken zu bekommen», so Stadtrat Ernst Zülle, der bereits zwei Keller entwässert hat. Um derlei Risiken gering zu halten, werden die Bäche in Kreuzlingen nun verändert. Die vier Hauptbäche in Kreuzlingen sind der Saubach, der Schoderbach, der Krebsbach und der Chogenbach mit ihren Zuflüssen. Sie erstrecken sich über ungefähr 16 Kilometer, mehr als ein Drittel davon im direkten Stadtgebiet. Die eingedolten Bachstücke werden nun nach und nach freigelegt und renaturiert, um die ökologischen Funktionen sowie die Aufgabe des Hochwasserschutzes zu gewährleisten. Nach dem Chogenbach war nun der Saubach zwischen Bahnhofstrasse und Konstanzer Strasse im Umbau.

Der freien Natur nachempfunden, aber im Kanal: eine Rarität im Thurgau.

Seeforellen statt Gasleitungen
Für 620 000 Franken, wovon der Haupt­teil kantonal beglichen wurde und etwas über ein Drittel auf Kosten der Stadt, gibt es nun einen schönen Bachlauf, der frei ist von Öltanks, Gartenlauben und Gasleitungen. Stattdessen gibt es Kiesbetten, Wiesenschaumkraut und Steinfliegenlarven.    Ein perfektes Ökosystem für die heimische Flora und Fauna also. Diese wurde noch durch 300 kleine Seeforellen ergänzt, die Roman Niedermann von der Jagd- und Fischereiverwaltung in das kühle Gewässer einsetzte. «Sie können sich hier im Saubach verstecken und auch durch eingearbeitete Stufen bachauf- und ab schwimmen. Bis zum Bodensee und wieder zurück – zum Laichen kehren sie nämlich wieder zurück an ihren Ursprungsort», so Niedermann.

Das Hochwasser kann kommen
Aber nicht nur die Wassertierchen profitieren von der Erneuerung. Auch für die Anwohner ist der neue Anblick mehr als nur ein visueller Vorteil, es gibt nämlich spezielle Hochwasservorrichtungen, die im Rahmen der Bachaufwertung vorgenommen wurden: Kellerfenster wurden verdichtet, Kellereingänge mit speziellen Schutzvorrichtungen versehen, die im Fall eines Hochwassers angebracht werden können und auch der Zugang zur Konstanzerstrasse kann im Ernstfall abgedichtet werden. «Das Projekt begann mit dem Hochwasserschutz und ist dann zu einem Umweltthema geworden», sagte Umweltbeauftragter Stefan Braun bei der Präsentation. Seit 2013 war das Projekt in Planung, das sich jetzt sehen lässt. Zum Beispiel in der Gartenwirtschaft vom St. Gallerhof. Hier lässt sich bei einem schönen Essen oder einem Kaffee der Bach voll geniessen, das beruhigende Plätschern, der schöne Anblick und auch eine ganz natürliche Kühlung an heissen Sommertagen.

 Warum eigentlich «Saubach»?

Der Sau- oder Schoderbach ist Grenzbach zwischen den Gemeinden Emmishofen und Konstanz. Er entspringt unter dem Namen «Tobelbach» bei Bätershausen, fliesst nach Norden, durchzieht Emmishofen und mündet nach fünf Kilometern bei Konstanz in den Rhein. Der Name «Saubach» hat zwei Ursprungsmöglichkeiten. Die erste stammt von der Präposition «zue», also der Bach, der zu oder in den Schoder- oder Grenzbach fliesst (Grimms Wörterbuch). Die zweite Deutungsmöglichkeit kommt von der «Suu», also ein Bach, der schmutzig und versumpft ist (Schwäbisches Wörterbuch) – der Schweinebach. Da der Bach bis weit ins 20. Jahrhundert als Kanalisation diente, ist diese Interpretation auch möglich, obwohl sie jünger ist.     (Quelle: www.ortsnamen.ch)

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