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Ohrenstöpsel im Alterszentrum

Kreuzlingen – Hör mal, wer da hämmert: Die Sanierung vom Altbau des Alterszentrum Kreuzlingen hat begonnen. Die Freude bei den Verantwortlichen ist gross, denn das Vorhaben verspätete sich um über ein Jahr, um die markante Treppe des 70er-Jahre-Baus zu erhalten.

Genossenschaftspräsident Carl Ruch und Geschäftsführerin Anna Jäger. (Bild: sb)

Genossenschaftspräsident Carl Ruch, Geschäftsführerin Anna Jäger und Architekt und Genossenschaftsvorstand Marc Grosjean informierten am Dienstag über das Bauvorhaben. Für dieses genehmigte die Genossenschaftsversammlung im Oktober 20,5 Millionen Franken. Ziel ist es, das Alterszentrum fit zu machen für die nächsten 50 Jahre. Fachmänner sanieren Zimmer für 60 Pflegeplätze und erneuern die Nasszellen. Beim Wintergarten haben die Arbeiter bereits Hand angelegt und mit der Erweiterung begonnen. Dadurch entsteht ein Saal, der 200 Personen Platz bietet (heute: 80). Er ist dann unterteilbar und es soll zusätzlich möglich sein, ihn zu mieten. Der heutige kleine Saal wird ausgebaut und die Caféteria beherbergen.

Nicht nur die Bewohner mussten das Gebäude für die Dauer der Renovation verlassen und Zimmer im Neubau beziehen. Auch die Küche erhält einen provisorischen Ort, um die alte zu modernisieren. Der Empfang wurde geschlossen und verlegt, und der Coiffeur schneidet Haare nun woanders.

Für die Mitarbeiter und die Bewohner des Alterszentrums bedeutet dies eine grosse Anpassungsleistung. Auch vom Baulärm und den Vibrationen sind beide betroffen. Deswegen hat die Geschäftsleitung Lärmschutz verteilt, Ohrenstöpsel für Mitarbeiter, Kopfhörer für die Bewohner. Laut Plan sollen die lärmintensiven Arbeiten – Rückbauarbeiten, Wand- und Deckendurchbrüche, Betonschneidearbeiten – bis Herbst beendet sein. «Über den Frühling und Sommer ist es nicht ganz so schlimm, weil die Bewohner sich viel draussen aufhalten», sagt Geschäftsführerin Jäger.

Ziel ist es, die Renovation bis Ende 2018 fertigzustellen. «Wir wollen so schnell wie möglich wieder erschwingliche Zimmer anbieten für Menschen, die Ergänzungsleistungen beziehen», so Jäger. Die sanierten Pflegezimmer werden auf einen Tagessatz von maximal 120 Franken kommen. Derzeit zahlt nämlich etwas mehr, wer aus dem Altbau in den Neubau zügeln musste.

Doch ein Umbau kann immer Überraschungen bergen. «80 Prozent sind planbar, der Rest ist Unschärfe», zeigt Architekt Grosjean auf. Vom Team erfahren die Verantwortlichen jedenfalls volle Unterstützung: «Es ist eine Zeit, in der sich jeder einschränken muss, aber es ist allen klar, dass wir am Ende eine bessere Qualität als heute erhalten. Und darum ziehen alle mit», lobt Genossenschaftspräsident Ruch.

Architekturwettbewerb für die Alterssiedlung
Wenn der Altbau fertig ist, kommt der Umbau der Alterssiedlung an die Reihe. Hierfür lanciert der Vorstand der Genossenschaft einen offenen Architekturwettbewerb. Beginn ist im Juni. Eine Vorauswahl trifft das Gremium nicht. «Wir wollen eine breite Teilnahme ermöglichen, damit auch kleine, junge Büros ihre Entwürfe einreichen», erklärt Grosjean. «Auf diese Weise können wir das beste Projekt finden.» Bis Ende Jahr soll eine «hochkarätige Jury» den Sieger küren. In ihr haben  unter anderem der Kantonsbaumeister, der renommierte Architekt Beat Consoni, ein Vertreter der Stadtbildkommission, die Denkmalpflege oder der Stadtrat Einsitz.

Über eine Machbarkeitsstudie des Büros Consoni hat sich der Vorstand verschiedene Varianten aufzeigen lassen. Denkbar wäre etwa ein Neubau in der Regelbauweise, eine Neubau, der mittels Gestaltungsplan über die Regelbauweise hinaus geht, beispielsweise ein Hochhaus, oder eine Erweiterung des bestehenden Baus. «In der Bewertung berücksichtigt die Jury architektonische und wirtschaftliche Aspekte», so Grosjean.

Am Ende soll die Siedlung aus 70 Alterswohnungen bestehen, die zukünftigen Ansprüchen gerecht werden müssen. Baubeginn könnte 2019 sein, Bezug 2021.

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