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Eine Grenze mit Geschichte

Kreuzlingen – Mit einer gemeinsamen Essenstafel, Musik und Ansprachen der aktuellen und ehemaligen Stadtoberen wurde das zehnjährige Jubiläum der Kunstgrenze begangen.

Die einstigen Initiatoren der Kunstgrenze (v.r.): Josef Bieri, ehemaliger Stadtammann von Kreuzlingen, Horst Frank, ehemaliger Oberbürgermeister von Konstanz, und der Künstler Johannes Dörflinger. (Bild: ek)

Mit einem schier endlos erklingenden Sopran-Sax-Solo ging Bernd Konrad durch die Reihen der Speisetafeln und läutete das zehnjährige Jubiläum der Kunstgrenze ein. Einen langen Atem brauchten auch die Initiatoren der offenen Grenze zwischen Kreuzlingen und Konstanz. «16 verschiedene Abkommen waren nötig, damit der Zaun fallen konnte», erinnert sich der damalige Kreuzlinger Stadtammann Josef Bieri zurück. Die Eröffnung vor zehn Jahren hatte dann auch eine politische Dimension, die von der Schweizer Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz unterstrichen wurde.

«Die Zusammenarbeit war hervorragend», bestätigt Horst Frank, damaliger Oberbürgermeister von Konstanz. «Wir haben gezeigt, dass wir eine Gemeinschaft sind und dennoch unsere eigenen städtischen Charaktere behalten können.»

Der Maschendrahtzaun sei wortwörtlich ein Stachel im Fleisch der Grenzstädter gewesen, bestätigte Andreas Netzle, Stadtpräsident von Kreuzlingen. «Diese künstlich gezogene Landesgrenze wurde darum mit Kunst ersetzt», so Netzle. «Ich wäre gerne dabei gewesen, als vor zehn Jahren der Grenzzaun durchschnitten wurde», sagte Ulrich Burchardt, derzeitiger Oberbürgermeister von Konstanz. Es sei ein Zeichen für ein friedliches miteinander gewesen. Mit Trumps Mauer zu Mexico, Orbans Grenzzäunen und dem Brexit müsse man heute leider einsehen, dass die Welt eine andere Entwicklung eingeschlagen hat. Burchardt zeigte sich jedoch optimistisch, dass dies hier nicht passiere. «Hoffen wir, dass uns die Kunstgrenze die nächsten 100 Jahre erhalten bleibt.»

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