/// Rubrik: Kultur | Topaktuell

Unter’m Berg

Kreuzlingen – Aus Genf kommt Peter Stoffel in den Kunstraum. Der St. Galler Künstler zeigt dort brandneue Werke. Riesige geomorphe Strukturen und Bilder, die einen Sog auf den Betrachter auswirken. Morgen um 19.30 Uhr ist Vernissage.

Maler Peter Stoffel. (Bild: sb)

Er ist keiner, der Köpfe malt. Das machen Menschen, die als Kinder Comics gelesen haben, sagt Peter Stoffel. Im Appenzell aufgewachsen, entwirft er Kopflandschaften, fiktive Neuschöpfungen aus der Erinnerung, aber aufgebrochen, dekonstruiert, bis am Ende nur noch Muster und Linien übrig bleiben. Früher haben seine Bilder einen Horizont gehabt, sagt er. Heute haben sie zehn. «Ich denke in Bergen, die Landschaft hat mich organisiert», lautet ein Bonmot des Künstlers über seine Raumvorstellung. Und: «Ich würde gerne einmal Berge von unten sehen.» Berge? Das Meer? Ein Pilzbefall oder das erste Moos auf dem Stein? Was wir sehen, ist nicht geometrisch, nicht abstrakt – freie Malerei. Die grossen Formate sind detailreich, halten einen aber zunächst auf Distanz.

Daneben stehen die fraktalen Bilder. Die Kleinen wollen, dass wir näher treten. Was der Betrachter im Grossen sieht, taucht im Kleinen wieder auf. Fast schon psychedelische Momente entstehen. Verästelungen, kristalline Formen, Dreiecke. Ein Werk führt zum Nächsten, sie alle sind miteinander verwandt. Sie entstehen neben-, aus- und miteinander. Ein Detail des einen kann den Grundstein für Weiteres sein. «Der Künstler hat sich in seinem Schaffen der Vielfalt verschrieben», hat mal jemand über ihn geschrieben.

Peter Stoffel arbeitet hauptsächlich mit Öl auf Leinwand. Für seine Ausstellung «Gedränge von Leere» hat der Künstler zusammen mit Kurator Richard Tisserand die Fensterseite des Kunstraums als weisse Wand verschlossen. Denn seine Bilder benötigen Raum, mehr Wände, müssen sich ausdehnen. Sie haben Rahmen, gehen aber darüber hinaus. Kunst ohne Grenzen. Kunst, die sich ausbreitet.

Und daneben? Eine Wurstmaschine. Die Vorbereitungen auf die Ausstellung umfassen auch die Produktion eigener Würste für die Vernissage. «Irgendwas muss man ja tun», sagt Stoffel.

Kurator Tisserand, der dem Künstler seit einigen Jahren folgt, ist froh darüber, ihn endlich für ein Projekt im Kunstraum begeistert zu haben. Und weil es zu Stoffel immer edle Ausstellungskataloge via «edition fink» gibt, organisiert Tisserand zusammen mit Nils Röller von der Zürcher Hochschule der Künste ein Mini-Symposium zum Thema Künstlerbücher. Start ist morgen Freitag, 12. Mai, vor der Vernissage um 16 Uhr. Hingehen!

www.peterstoffel.net

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