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Heisser Scheiss

Kreuzlingen – Der Kreuzlinger Rapper Karim «Lucky» Laidouci bringt sein fünftes Mixtape auf den Markt. Im Interview erzählt er, warum er auf Hochdeutsch rappt, wie er zu Autotune steht und warum es nicht mehr Kreuzlinger Rapper gibt.

Das neue Mixtape von Lucky Laidouci ist ein Glücksgriff. (Bild: zvg)

Lucky, du bist ja ausserordentlich produktiv, das ist mittlerweile dein fünftes Mixtape. Woher nimmst du die Energie und Inspiration soviel zu produzieren?
Für mich ist Musik machen eine Leidenschaft, die ich täglich mache. Für mich kommt ansonsten nichts in Frage. Entweder bin ich jeden Tag im Studio oder produziere zuhause Beats. Deswegen  habe ich auch schnell einige Tracks zusammen für ein Mixtape oder Album. Der Fokus liegt aktuell nur noch bei der Musik. Ich erhalte auch viel Unterstützung von meinen Freunden, welche ebenfalls produktiv und kreativ sind. Sie motivieren mich und schätzen die Musik von mir. Natürlich schätze ich auch die Unterstützung. Ich zerbreche mir auch nicht den Kopf für die Songtexte und habe genug Beats.

Warum rappst du eigentlich auf Hochdeutsch und nicht auf Schweizerdeutsch?
Ich würde sehr unsicher erscheinen auf einem Song, wenn ich Schweizerdeutsch rappen würde. Ich habe es manchmal versucht, jedoch war das Ergebnis nicht zufriedenstellend. Zusätzlich ist anhand von Statistiken der Thurgauer Dialekt einer der unbeliebtesten, deswegen denke ich, dass die Reichweite sich nicht vergrössern würde. Ich höre oft  von anderen Musikern aus dem Thurgau, dass sie vorallem bei den Zürchern nicht gerade gut ankommen. Meiner Meinung nach ist der Thurgauer Dialekt aber der Beste.

In deinen ersten Alben war dein Rap noch sehr «straight», mittlerweile sind auch Einflüsse von Trap zu hören. Gehst du mit der Mode oder ist das eine persönliche Entwicklung?
Der Einfluss von Trap war bei mir da, bevor er in Deutschlnd oft zu hören war. Als ich mich damals von Trap Musikern inspirieren liess, waren die Feedbacks sehr negativ und als ich begann Autotune zu verwenden wurde es noch schlimmer. Das war noch im Jahre 2014 und nun haben manche deutsche Rapper mit Autotune Hits und das mit einigen Millionen Klicks. Es war eine persönliche Entwicklung, für die ich sehr dankbar bin, weil ich durch Trap gelernt habe meine eigene Richtung zu finden. Ich bin keine Kopie mehr, weil ich nun einen Wiedererkennungswert habe. Meiner Meinung nach kann man meine Musik nicht mehr stark mit Rap vergleichen.

Auf Youtube verzeichnest du stattliche Klickzahlen. Bist du mittlerweile in der Rapszene angekommen?
Nein, noch nicht, jedoch habe ich einen grossen Sprung gemacht. Wenn ich mir überlege, wie es letztes Jahr ausgesehen mit der Reichweite und heute ist der Unterschied spürbar. Damals habe ich ein Musikvideo veröffentlicht und hatte knapp 300 Aufrufe, nun sind es 13’000. Ich bekam  auch schon positives Feedback von Sierra Kidd und Massiv, Songs sind mit ihnen jedoch noch keine entstanden. Jedoch sind nun Zusammenarbeiten mit bekannteren Künstlern geplant für dieses Jahr, welche mich nach vorne bringen könnten.

Gibt es auch in Kreuzlingen eine Rapszene?
Meiner Meinung nach Nein. Ich kenne einige Leute, die zwar heimlich rappen, aber niemals den Schritt wagen würden, sich öffentlich als Rapper darzustellen. Der Grund dafür ist, das viele damit rechnen, dass man als Rapper von manchen Leuten belächelt wird. Natürlich wird auch gelästert über die Songs und Videos. Dies hat meiner Meinung auch zur Folge, dass diese Leute eine lange Zeit unglücklich sind, weil sie es niemals allen Personen Recht machen können.
Eine Rapszene wird meiner Meinung nach nie entstehen, weil die Jugendlichen zu viel Angst haben von den Reaktionen andere Leute. Wäre aber aufjeden sehr interessant.

Hinter einen Mixtape steckt ja mehr als nur Text einzusprechen. Du hast auch die Beats produziert und die Aufnahmen abgemischt und gemastert. Wie und wo hast du das gelernt?
Es hat sehr viel Geduld gekostet und einige Sommer. Ich habe zuerst das Mixing und Mastering gelernt, danach wie man Beats produziert. Ich konnte nur von Fehlern und anderen Produzenten lernen. In einer Firma, bei der ich gearbeitet habe, erhielt ich auch noch zusätzlich Tipps von einem sehr erfahrenen Musikproduzenten. Ich habe wirklich die meiste Zeit damit verbracht zu lernen, wie man Beats produziert und sie abmischt. Es hat mir auch sehr viel Spass gemacht, diese Dinge zu erlernen. Jedoch war es sehr hart, sich alles Wissen alleine anzueignen. Jetzt bin ich so unabhänging, dass ich bei niemandem nach Beats oder Mixing & Mastern betteln muss für meine Songs. Ich kann Singles und Alben veröffentlichen, wann immer ich will. Durch die ganzen erlernten Dinge konnte ich meinen eigenen Rapstil kreieren, welcher sich von anderen Musikern unterschiedet.

Ich erstelle auch meine Alben und Singlecovers selber. Zusätzlich auch das Artwork für die CD-Inlays und CD-Labels.

Deine Songs sind prominent auf Spotify und iTunes vertreten. Machst du mit deiner Musik Geld?
Aktuell kann man die verdienten Beträge als «Taschengeld» ansehen, jedoch habe ich angefangen mehr zu investieren, um die Qualität zu steigern und mehr zu verdienen.
Das Problem ist, dass Streamings bei Spotify oder Apple Musik sehr wenig Gewinne einbringen. Deswegen boykottieren auch viele Künstler Streaminganbieter. Jedoch ist die Veröffentlichung auf Spotify für kleine Künstler notwendig, weil man mit der Konkurrenz mithalten will. Aktuell interessieren mich aber die Einnahmen nicht stark, weil mir die Freude zur Musik reicht. Aber ich denke irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem mir auch die Einnahmen Kopfschmerzen bereiten werden.

«Grosse Träume, keine Grenzen» ist die Hookline vom Song «Denzel». Was sind deine nächsten Ziele?
Mein nächstes Ziel für dieses Jahr ist es eine treue Fanbase aufzubauen, die es schätzt, dass ich alles selber produziere. Es ist verständlich, das nicht allen meine Musik gefällt, jedoch gibt es einige Leute, die sich mit dieser Art von Musik identifizieren können. Ich möchte die Leute zu irgendeiner Leidenschaft motivieren, welche sie weiterbringt im Leben, so wie mich die Musik glücklich macht. Vor einem Jahr hätte ich nie gedacht, dass die Musik bei irgendjemand ankommen wird. Doch nun sieht alles anders aus. Alles ist möglich.

Das neue Mixtape gibt es ab Freitag auf Spotify und iTunes zu hören.

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