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Kein schlechtes Pflaster für Senioren

Kreuzlingen – Eine breit angelegte Umfrage bei den Kreuzlinger Seniorinnen und Senioren zeigt, dass Kreuzlingen ein attraktiver Wohnort ist. Handlungsbedarf ist dennoch angezeigt. Deswegen sollen die Ergebnisse in ein Alterskonzept mit Massnahmen münden.

Stadträtin Barbara Kern und René Künzli, Präsident der terzStiftung, haben erfreulich viel Rücklauf auf ihre Fragebogen zum Leben und Wohnen im Alter bekommen. (Bild: sb)

«Die Bevölkerung wird immer älter», sagt Stadträtin Barbara Kern. «Darauf müssen wir reagieren. Um die Richtung zu bestimmen, haben wir nicht Experten von aussen gefragt, sondern die Bevölkerung selbst.» Das Departement Soziale Dienste verschickte mit Hilfe der terzStiftung einen Bogen mit 36 Fragen. Diese behandeln Themen wie Wohnsituation, Mobilität, Dienstleistungen sowie Freizeit, Kultur und Bildung oder Information. Die Fragen entstanden in Zusammenarbeit mit Dienstleistungsinstitutionen für Ältere wie Pro Senectute, Alters- und Pflegeheimen oder dem Mahlzeitendienst.

Der Rücklauf war erfreulich hoch, so Kern. Jeder dritte der 8400 Fragebögen kam ausgefüllt zurück. Für René Künzli, den Präsidenten der terzStiftung, steht fest: «Der Stadtrat hat mit den Themen einen Nerv getroffen. Die Bevölkerung fühlt sich ernst genommen.»

Anteilsmässig nahmen mehr Frauen als Männer an der Befragung teil. Sie richtete sich an Personen ab 50 Jahre. Der grösste Anteil der Antwortenden war unter 64 Jahren alt, dann folgt mit 42 Prozent der Anteil der unter 79-Jährigen. Nur ungefähr einer von zehn Teilnehmenden war älter als 79. «Nach Bildung, Einkommen oder Vermögen haben wir nicht gefragt», so Künzli. Der soziale Status lasse sich aber anhand der Antworten zur Wohnsituation ablesen: Der Grossteil (1581) der Teilnehmenden wohnt im eigenen Haus oder Stockwerkeigentum, 1121 wohnen zur Miete, 14 bei ihren Kindern, 26 in einer Altersinstitution und acht in einer Alters-WG.

Aus den Antworten lasse sich gemäss Stadträtin Kern in verschiedenen Bereichen Handlungsbedarf ableiten. 91 Prozent der Antwortenden wünsche sich etwa, dass der Stadtrat den Bau von bezahlbaren Wohnungen fördert. «Das ist ein klares Signal», interpretiert die Stadträtin. Im Hinblick auf stationäre Pflege sei Zurückhaltung spürbar. Für jeden Fünften kommt ein Leben im Alters- oder Pflegeheim auf keinen Fall in Frage. «Die Menschen wollen heute so lange wie möglich selbstbestimmt daheim leben», stellt sie fest – ein Ergebnis, dass sie nicht überraschte, und das auch dem politischen Willen entspreche. Der Ruf von Altersinstitutionen sei schlechter als die Wirklichkeit, den gelte es, zu verbessern.

Mit der Altersfreundlichkeit ihrer Wohnumgebung sind die meisten (76 Prozent) zufrieden. Im Hinblick auf den öffentlichen Personenverkehr gibt es allerdings zahlreiche Verbesserungsvorschläge. So sind vielen die Umsteigezeiten von Bahn auf Bus zu knapp bemessen oder es werden fehlende Sitzgelegenheiten bei den Bushaltestellen bemängelt.
Auch der Bekanntheitsgrad einiger Dienstleister könnte grösser sein. So ist zwar 75 Prozent der Teilnehmenden die Spitex ein Begriff, aber nur 16 Prozent wissen, was Benevol Thurgau oder der Entlastungsdienst leisten. In Punkto soziales Leben sagt vor allem die Gruppe der über 79-Jährigen über sich, es falle schwer, andere Menschen zu treffen. «Aus den Kommentaren geht hervor, dass das alte Zentrum zum Bären schmerzlich vermisst wird», so Kern. «Viele Ältere wünschen sich Tanzveranstaltungen. Im Trösch mit grossem Saal und Küche wäre das möglich.»

Bezüglich Internetnutzung geben 79 Prozent der Befragten an, dieses zu nutzen. Nur die älteste Kohorte weicht hier ab: Zwei Drittel der über 79 Jährigen geht nicht online.

«Der Stadtrat hat mit dieser Befragung auf vorbildliche Weise die Basis für ein Alterskonzept gelegt», lobt terz-Stiftungspräsident Künzli. Ein solches ist nämlich bereits vom Stadtrat genehmigt. Bis zum Frühling nächsten Jahres will Stadträtin Kern es erarbeiten. «Das Alterskonzept wird konkrete Massnahmen enthalten», so Stadträtin Kern. «Es soll kein Papiertiger werden.»

Wer mehr über die Umfrageergebnisse wissen möchte, ist herzlich zur öffentlichen Präsentation eingeladen: am 8. Juni im Dreispitz.

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