/// Rubrik: Leserbriefe

Nicht nur eitel Sonnenschein

Leserbrief – Die Primarschule Münsterlingen mit ihren Standorten in Scherzingen und Landschlacht wurde im November 2016 von der Fachstelle für Schulevaluation des Amtes für Volksschule Thurgau unter die Lupe genommen. Ende Mai wurde ein kurzer Bericht über die Ergebnisse auf der Homepage veröffentlicht und den Eltern geschickt. Dieser wirft ein insgesamt gutes Licht auf die Schule, obwohl es doch sehr viel Schatten hat, vor allem in Scherzingen. Als Vater habe ich hier einen ganz guten Einblick in die Abläufe und Vorkommnisse. (Thomas Martens, Scherzingen)

(Bild: archiv)

Von der Schulbehörde gepriesen wird das altersdurchmischte Lernen, das an der Schule seit einigen Jahren praktiziert wird und sich dem Bericht zufolge «weitgehend etabliert» hat. Dessen Pflege fordere alle Beteiligten heraus, heisst es weiter und ist – gelinde gesagt – untertrieben. Ich sage ganz klar, dieses Experiment auf dem Rücken der Kinder ist gescheitert und gehört abgeschafft. Man erinnere sich doch nur mal an seine eigene Schulzeit und stelle sich vor, dass Erst- mit Drittklässlern oder gar Viert- mit Sechstklässlern zusammen unterrichtet werden – bei einem Altersunterschied von bis zu 4 Jahren! Ein durchgehend altersgemässes Lernen ist so kaum möglich.

In der Theorie ist das ja grundsätzlich nicht schlecht, allerdings hapert es in Scherzingen an der praktischen Umsetzung. Jüngere Schüler sollen von den älteren lernen, werden von diesen aber eher unterdrückt, als gefördert. Ein Mentorenprogramm mit Schülern, die sich für eine solche Aufgabe eignen, wäre der wesentlich bessere pädagogische Ansatz, wenn es ihn überhaupt braucht. Meiner Meinung nach ist das Konzept des altersdurchmischten Lernens in Münsterlingen vielmehr dem Geld geschuldet. Durch das Zusammenlegen von Klassen kann man natürlich Lehrpersonen und weitere Kosten einsparen, was das Budget erheblich entlastet.
Doch damit nicht genug. Das Schulklima soll laut Bericht «weitgehend gut» sein, die Schülerinnen und Schüler sollen sich in den Klassen «mehrheitlich wohl» fühlen.

Die leitenden Werte seien an der Schule grundsätzlich verankert. Die Lehrpersonen sorgten für ein angenehmes und gutes Lernklima. Dies kann so nicht unwidersprochen stehen gelassen werden. Wie unschwer zwischen den Zeilen zu lesen ist, fühlen sich eben nicht alle, oder zumindest einige Schüler nicht wohl. Die leitenden Werte sind eben nicht bei allen gut verankert, sonst gebe es kein Mobbing. Und wenn die Lehrpersonen für ein «gutes Lernklima» sorgen würden, hätten Mobbing und körperliche Übergriffe unter den Schülern keine Chance in Scherzingen. Wie zu hören ist, drangsalieren immer wieder ältere Schüler jüngere, vor allem in der grossen Pause auf dem Schulhof. Hier ist eine viel bessere und genauere Aufsicht gefragt. Vor allem aber die Vermittlung von Werten, wie man miteinander umgeht und einander wertschätzt. Es geht nicht nur um mathematische und sprachliche, sondern auch um soziale Kompetenz. Und wenn sich Schüler oder Eltern an Lehrpersonen bzw. Schulbehörde wenden, sollten diese Anliegen auch ernst genommen werden bzw. fehlbare Schüler sanktioniert werden. Offenbar gibt es gerade im Bereich der Kommunikation und Transparenz in der Schulbehörde noch erheblichen Nachholbedarf.

In diesem Sinne wäre es wünschenswert und ein erster Schritt, wenn die Schulbehörde anstatt eines wohlwollenden Kurzberichtes über die Evaluation den gesamten Bericht – gerne anonymisiert – auf die Homepage stellen und damit der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen würde. Sicherlich haben nicht nur die Eltern, sondern alle Steuerzahler ein Interesse daran, wie sich die Primarschule Münsterlingen entwickelt. Und noch etwas zur Evaluation: Offenbar wurden diesbezüglich auch Eltern befragt, wer hat diese unter welchen Voraussetzungen ausgewählt? Wir waren jedenfalls nicht dabei.

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