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Wenn Velofahrten im Spital enden

Kreuzlingen/Region – In den Gemeinden Kreuzlingen, Bottighofen und Tägerwilen haben sich im Jahr 2016 innerorts insgesamt 30 Unfälle mit Fahrradlenkern und E-Bikes ereignet. Davon endete ein Unfall tödlich, sieben Personen wurden schwer verletzt. Dies macht ein Fünftel aller Velounfälle im gesamten Thurgau aus.

Häufig enden Velofahrten im Spital. (Bild: Peter Freitag/pixelio)

Mit steigenden Temperaturen, steigen auch die Meldungen der Kantonspolizei, die über Unfälle mit involvierten Fahrradfahrern berichten. Beispielsweise hiess es am Mittwoch, 21. Juni: Drei Velofahrer fuhren auf der Kirchstrasse von Siegershausen in Richtung Alterswilen. Dabei bemerkten sie zu spät, dass eine vor ihr fahrende Autolenkerin Höhe Schulhaus rechts abbiegen wollte. Die Velofahrer bremsten brüsk ab und versuchten noch, dem Auto auszuweichen. Dabei touchierte ein 72-Jähriger aus der Gruppe einen anderen Velofahrer, stürzte zu Boden und musste ins Spital gebracht werden. Oder  letzte Woche, 16. Juni: In Kreuzlingen übersah ein 80-jähriger Autolenker vor der Einfahrt in den Kreisel Seepark einen 24-jährigen Velofahrer. Dieser stürzte zu Boden, wurde im Bereich der Beine vom Auto überrollt und mit mittelschweren Verletzungen ins Spital eingeliefert. Oder in der Meldung vom 10. Juni: Eine 20-jährige Autolenkerin bog in Richtung Lengwil ab und kam dabei zur Kollision mit einem 19-jährigen, vortrittsberechtigten Velofahrer. Dieser musste vom Rettungsdienst ins Spital gebracht werden (bei dem Velofahrer handelte es sich um den Snowboardprofi Sebastian Schüler, wir berichteten letzte Woche auf Seite 3). Auch am 30. Mai endete eine Velofahrt im Spital: Ein 51-jähriger Autofahrer war in Richtung Tägerwilen unterwegs und übersah beim Abbiegen  eine entgegenkommende vortrittsberechtigte Velofahrerin. Die 53-Jährige zog sich bei der Kollision mittelschwere Verletzungen zu und musste vom Rettungsdienst ins Spital gebracht werden.

Hohe Unfalldichte in Kreuzlingen

Laut Verkehrsstatistik der Kantonspolizei Thurgau ereigneten sich 2016 im Thurgau 123 Unfälle mit dem Fahrrad, bei welchen 34 Personen schwer und 87 leicht verletzt wurden. Zwei Fahrradunfälle endeten tödlich. Bei Unfällen mit  Elektrofahrrädern wurden 13 Personen schwer und 14 leicht verletzt. Diese Zahlen sind im Vergleich zu den Vorjahren deutlich steigend.  Knapp ein Viertel der Verunfallten waren Kinder unter 15 Jahren, ein anderes Viertel betraf Senioren über 65. Nicht einmal die Hälfte der Verunfallten trug einen Helm. Als Hauptursachen der Unfälle nennt die Polizei momentane Unaufmerksamkeit, die Einwirkung von Alkohol oder das  Missachten des Vortrittsrechts, beispielsweise bei Fusswegen, Ausfahrten oder Waldwegen. In Kreuzlingen und den umliegenden Gemeinden haben sich im vergangenen Jahr innerorts insgesamt 30 Unfälle mit Fahrradlenkern und E-Bikes ereignet. Unfälle ausserorts waren im Jahr 2016 nicht zu verzeichnen. Die Unfallfolgen der Fahrradlenker waren ein tödlicher Unfall, sieben Schwer- und 20 Leichtverletzte. Damit machen die Unfälle in Kreuzlingen, Tägerwilen und Bottighofen ein Fünftel des gesamten Kantons aus.

Ist Kreuzlingen ein gefährliches Pflaster für Velofahrer?

Der Stadt liegt eine Langsamverkehrsplanung samt Analyse von Schwach- und Gefahrenstellen vor. Diese umfasst 67 Standorte in Kreuzlingen, 52 davon betreffen Fahrradfahrer. Diese werden bis zum Jahr 2020 nach und nach in Angriff genommen und verbessert. Sandro Nöthiger vom Departement Bau sieht den Handlungsbedarf. Nach seinen Angaben steht als nächste Massnahme dieUmgestaltung der Verkehrsführung am Hörnli an. Diese beginnt im Herbst diesen Jahres. Diese Sichtweise kann Eddie Kessler vom Verein ProVelo Thurgau nicht vertreten. Er sieht Kreuzlingen als eine Stadt an, in der verhältnismässig viel Velo gefahren wird und die Unfallrate entsprechend hoch ist. Dies liegt aber seiner Meinung nach nicht nur an der hohen Frequenz, sondern an den Rahmenumständen im Gesamten: «In Kreuzlingen erfolgt die Ausrichtung des Verkehrs in erster Linie auf die Autofahrer. Dementsprechend werden Personen auf Velos im Stadtbild gar nicht richtig wahrgenommen und es fehlt der Respekt.» In Konstanz seien aber noch viel mehr Velos unterwegs, solche Situationen kämen aber weniger vor, erklärt Kessler. Hier seien die Radwege klar vom Autoverkehr getrennt und somit entstehe eine ganz andere Wahrnehmung. Der Radfahrer präge das Strassenbild massgeblich, somit seien andere Verkehrsteilnehmer sensibilisiert und eine Achtsamkeit gegenüber der Velos ist selbstverständlich. Für Kreuzlingen würde Kessler sich eine solche Selbstverständlichkeit auch wünschen. «Es gibt Analysenund Pläne, aber die Realisierung der Massnahmen geht nur schleppend voran. In den letzten Jahren ist kaum eine Verbesserung spürbar gewesen», so der Fahrradexperte. Vielleicht zeichnet sich diese in den kommenden Jahren ab, so die Hoffnung. Bis dahin heisst es: Augen auf und Obacht im Strassenverkehr! Und wer sich fit und sicher fühlen möchte, kann eines der Kursangebote von ProVelo in Anspruch nehmen. Ob Sicherheit auf dem E-Bike, Kurse für Kinder oder Senioren oder eine allgemeine Auffrischung – das Angebot ist gross. Informationen hierzu gibt es im Internet unter www.provelothurgau.ch.

An unserer Leserumfrage in der vergangenen Woche haben sich 102 Personen beteiligt.

60 Prozent fühlen sich grundsätzlich sicher, auch wenn es einige Stellen gibt, die sie ungern mit dem Velo befahren.
24 Prozent begeben sich auf gar keinen Fall mit dem Fahrrad in den Stadtverkehr, da dies viel zu gefährlich ist.
Und 17 Prozent kommen bestens mit dem Bike zurecht und sind ständig damit unterwegs.

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One thought on “Wenn Velofahrten im Spital enden

  1. Odilia Vaes

    Als Niederländerin bin ich mit dem Fahrrad aufgewachsen. Als 10-11- jähriger macht man von der Schule aus eine Fahrradprüfung; ich gehe davon aus, dass das immer noch so ist. Dann gibt es in NL selbstverständlich fast überall Fahrradwege. Das Problem in der Schweiz sehe ich in den Fakt, dass Fahrradfahren hier als Freizeitbeschäftigung gilt. So nicht in NL: man fährt von A nach B. Dementsprechend ist das Verhalten der Autofahrer hier im Lande : man hat nicht gelernt Rücksicht zu nehmen auf Fahrradfahrer, und fährt sie manchmal fast über ein Haufen. Aber auch die Fahrradfahrer sollten sich mit den Verkehrsregeln auseinandersetzen, einfach Richtung anzeichen und links abbiegen ohne nach hinten zu schauen….; ich erlebe es immer wieder und frage mich dann ab was diese Leute veranlasst einen Fahrrad zu fahren! Grausamst und so dumm! Ist ja klar , dass es ständig Unfälle gibt. Die Schweizer sollten mal eine Woche probefahren in den Niederlanden , mit dem Rad und mit dem Auto; da lernnt man innerhalb kürzester Zeit wo es lang geht! Eine Denkumstellung aller Verkehsteilnehmern ist dringend gefragt!

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