/// Rubrik: Artikel

Endspurt vor der Premiere

Kreuzlingen – Noch eine Woche hat das Ensemble des See-Burgtheaters bis zur Premiere von Ödön von Horváths «Kasimir und Karoline». Ein Endspurt mit Zwischenfall: Weil sich ein Schauspieler verletzte, muss die Regie seine Rolle auf den letzten Drücker umschreiben.

Die Hauptdarsteller Maria Lisa Huber und Kaspar Locher (unten) und das Ensemble 2017. (Bild: sb)

Der Unfall geschah am Samstag. Darsteller Andrej Reimannrutschte mit Schwung eine Leiter des dreistöckigen Bühnengerüsts hinunter. Dabei blieb er mit dem linken Arm in einer Sprosse hängen. Sein Schrei muss weit zu hören gewesen sein. Produktionsleiter Leopold Huber packte den Verletzten ins Auto und fuhr ihn höchstselbst in die Notaufnahme. Am Dienstag erst wurde Reimann entlassen.

Regisseurin Astrid Keller und ihre Assistenin Constanze Wagner müssen die Rolle jetzt in letzter Minute umschreiben. Sprechen kann Reimann weiterhin. Für die tollkühnen Stunts aber hat die Theaterleitung spontan eine Ersatz verpflichtet. Den Kontakt stellte der bekannte Seeburg-Schausspieler Simon Engeli her, der dem Ensemble derzeit als Berater für die Kampfszenen unter die Arme greift.

Der Unfall ist für den Betroffenen tragisch. Der Bruch erforderte eine Notoperation. Dass keine Spätfolgen auftreten, kann nicht mit hundertprozentiger Sicherheit gesagt werden. Die Premiere des Horvath-Stücks war allerdings nie in Gefahr. Nach dem Motto «Da haben wir schon Schlimmeres erlebt» veranlasste das Team die erforderlichen Umstellungen und probte weiter.

Und die junge Truppe – bis auf zwei sind alle Darsteller unter 20 – funktioniert sehr gut zusammen. Sie ist international: Aus der Schweiz, Österreich, Italien, Lichtenstein, Serbien und Argentinien kommen die Mitglieder. Der Spass am Spiel ist ihnen sogar während des Pressegesprächs anzumerken. Die Bühne mit den ausrangierten Lichtern einer Achterbahn ist ihnen wie ein Spielplatz. Der Stoff hat’s dafür in sich. Da blinkt’s bunt, es gibt ordentlich «Remmidemmi» und die Komik kommt auch nicht zu kurz, wie Astrid Keller ankündigt. Aber inhaltlich wird der Verlust der Liebe thematisiert und die Unmöglichkeit, den Verhältnissen zu entrinnen. Nicht aufbauend – aber unterhaltend. Oder einfach wahr, wie Leopold Huber sagt. «Sehr schön und sehr wahr, denn nur das Wahre ist schön.» Er habe selten einen guten Horvath gesehen. «Aber das wird einer.» Ohne Kitsch, mit treffenden Dialogen und nah am Leben der Gegenwart.

Das Publikum darf sich ausserdem auf einen spektakulären Chor freuen (Choreographie: Sonny Walterspiel). Für die Musik ist einmal mehr Goran Kovacevic verantwortlich. Er und sein florentinisches Orchester verstehen es, auf dem schmalen Grad zwischen Klassik und Festzeltmusik zu wandern. Schostakovich und Mozart treffen auf Partyschlager wie «Zipfel Eini, Zipfel Aussi».

Premiere ist am Donnerstag, 13. Juli, 20.30 Uhr (Bewirtung ab 18.30 Uhr). Bis 10. August sind 20 Open-Air-Vorstellungen geplant. Infos und Karten: www.see-burgtheater.ch

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.