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Über Jahre hinweg die Kinder beraubt

Kreuzlingen – Der Verein Kreuzlinger Kinderkrippe versuchte an der Generalversammlung einen Schlussstrich über die aus der Vereinskasse entnommenen Gelder zu ziehen. Der Vorstand trat nach der gemeinsamen Aufarbeitung der Vorfälle geschlossen zurück.

Die Idylle an der Generalversammlung in der «Felsenburg» trügt. (Bild: ek)

Das Aufsehen war gross, als im Januar die Meldung über Unregelmässigkeiten in der Kasse des Vereins Kreuzlinger Kinderkrippe an die Öffentlichkeit gelangte. Zumal auch Schule und Stadt Kreuzlingen öffentliche Gelder für den Verein sprechen. Viel zu berichten gab es damals jedoch nicht. Die Staatsanwaltschaft wie auch der Vorstand hielten sich mit Verweis auf das laufende Verfahren bedeckt. Ein halbes Jahr später, an der Generalvesammlung des Vereins, versuchte Präsident Thomas Gut die Geschehnisse nun transparent aufzuarbeiten.
In seinem Rückblick über die vergangenen beiden Jahre erklärte Gut die vom Vorstand geplante Neuausrichtung der Kinderkrippe, nach der Abgabe des Horts an die Schule. Doch diese Pläne gerieten ins Stocken, als im Oktober 2016 die Hiobsbotschaft durch die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsstraffälle kam. Gegen eines der Vorstandsmitglieder laufe eine Strafuntersuchung wegen Veruntreuung. Klar ist mittlerweile, dass der für die Buchführung zuständige Vizepräsident über Jahre hinweg Geld in seine eigene Tasche wirtschaftete. «Wir hatten immer harte finanzielle Vorgaben. Nun wissen wir auch, warum», so Gut.

Zusammen mit Michael Thurau, der in Zukunft die Rechnung des Vereins als aussenstehender Treuhänder prüft, nahmen sie die Finanzen der vergangenen Jahre Ziffer für Ziffer auseinander. Der Verdacht bestätigte sich, der direkte Schaden für die Kinderkrippe belief sich auf 24471 Franken. Diese Summe ist vom Delinquenten mittlerweile zurückgezahlt worden. Wie genau jahrzehntelang Gelder abflossen, bleibt für die Öffentlichkeit jedoch weiterhin unklar. «Darüber haben wir Stillschweigen vereinbart», so Präsident Gut. Betrachtet man die Budgets, fallen vor allem Unregelmässigkeiten im Personalaufwand auf.

Ein halbe Million abgezweigt
Der viel grössere Schaden ist jedoch bei Stadt und Schule zu verzeichnen. Über Jahre hinweg  bezuschussten die beiden Körperschaften die Kinderkrippe samt Hort mit Millionenbeiträgen. Man kann davon ausgehen, dass sich die Schadenssumme dort auf über eine halbe Million Franken beläuft. «Zur Höhe der Summe darf ich mich nicht äussern», sagte Vize-Stadtpräsidentin Dorena Raggenbass, welche als Vertreterin der Stadt im Vorstand sitzt. Sie verweist lediglich auf die Rechnung der Stadt, in welcher der Betrag ersichtlich sein wird. In diese hat die Öffentlichkeit jedoch erst im Frühling 2018 Einsicht.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsstraffälle sind mittlerweile abgeschlossen. Derzeit wird noch der polizeiliche Ermittlungsbericht abgewartet. «Erst dann wird entschieden, ob das Verfahren eingestellt oder ob es zu einer Anklage oder einem Strafbefehl kommt», so der Medienverantwortliche Stefan Haffter. Wann das der Fall sein wird, könne er nicht abschätzen.

Geschlossener Rücktritt
Für die Vorstandsmitglieder war die Konsequenz klar: «Wir müssen zurücktreten. Aber erst, nachdem wir alles lückenlos aufgearbeitet haben», sagte Thomas Gut. So gestaltete sich die 73. Generalversammlung des Vereins zu einem Abschiedsfest von Gut, Thilo Mangelsdorf und Lisa Schwierskott. «Man stelle sich nur vor, was wir mit den zusätzlichen finanziellen Mitteln hätten aufbauen können», sinnierte Gut.

Die Stadt Kreuzlingen  indes möchte aus dem Vorfall Lehren ziehen: «Wir überarbeiten derzeit unsere Richtlinien für Vergaben von Geldern und dem Controlling darüber», kündigte Raggenbass an. In einem Übergangsjahr wird Monika Friemert den Verein zusammen mit Zeljka Blank-Antakli und Raggenbass leiten. Danach soll ein Regelwerk vorliegen, damit sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt.

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One thought on “Über Jahre hinweg die Kinder beraubt

  1. Toni Müller

    ja komisch, dass hier alles unter „Verschluss“ gehalten wird! und nicht „Ross und Reiter“ genannt werden.
    Dann hat man ja noch gehört, dass diese Person in Rennfahrerkreisen verkehrt? und das evt. noch weiteres zum Vorschein kommen könnte. Also ich hoffe die Presse bleibt dran, damit man gewarnt ist vor so einem Treuhänder !!

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