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Hanf kann Heilmittel sein

Kreuzlingen – Seit kurzem kann man sich in Kreuzlingen mit einer Vielzahl an Hanfprodukten eindecken. Grund dafür ist die Hanftheke, die erst vor wenigen Wochen ihre Türen für Kreuzlinger Bürger geöffnet hat. Als Praktikantin der Kreuzlinger Zeitung versuchte ich mich an einem Selbsttest. Was halten die heilenden Versprechen des Cannabis?

Hanftee wirkt entspannend und schmeckt gut. Bild: Melanie Ruhe

Bevor ich die neu eröffnete Hanftheke betrete, habe ich bereits gewisse Vorstellungen. Ich denke an einen dunklen, eher zwielichtigen Hanf-Shop, der Bongs, Papierchen und anderes Zubehör für den typischen Kiffer verkauft. Allerdings liegen im Angebot des übersichtlichen Ladens an der Hauptstrasse sowohl verschiedene Sorten Hanfblüten, Hanföle und Hanftropfen, als auch Lebensmittel, die mit Bio-Hanf angereichert sind. Der Fokus der Hanftheke liegt deutlich auf den gesundheitlichen Vorteilen, die Cannabis-Produkte mit sich bringen sollen und davon gibt es eine Menge: Entspannung und Schmerzlinderung sind nur zwei davon.

Heilendes Kraut
Cannabis ist schon lange als Behandlungsoption für etliche Krankheitsbilder bekannt. Die psychoaktive Wirkung der Pflanze, die der Hanf-Wirkstoff THC im Körper auslöst, und das damit verbundene Verbot als Rauschdroge verhinderte bisher jedoch die Möglichkeit, die medizinischen Kapazitäten des Gewächses für Leidende voll zu nutzen. Zusätzlich müssen Kranke, die Cannabis aufgrund der heilenden Wirkung konsumieren wollen, mit gesellschaftlicher Stigmatisierung rechnen.
Die Hanftheke, welche zum Schweizer Unternehmen «Swiss Cannabis» gehört und eine von 22 Filialen in der deutschsprachigen Schweiz ist, verkauft nur Hanfblüten und Co., die hauptsächlich den Wirkstoff Cannabidiol, kurz CBD, in sich tragen. Das berauschende THC darf von Gesetzes wegen den Wert von einem Prozent Anteil nicht übersteigen. Auf diese Weise wird das Gras aus der Hanftheke für jene interessant, die sich weder der Illegalität verschreiben noch den Rausch von herkömmlichem Cannabis erleben wollen.

Hanf-Apotheke
Das CBD-Gras stattdessen verspricht Entspannung und auf gewisse Weise auch Milderung von (chronischen) Schmerzen und Schlaflosigkeit. «Allerdings ist es uns nicht erlaubt, genaue Heilversprechen zu geben. Das geht von Gesetzes wegen nicht», erklärt die Verkäuferin in der Hanftheke.
Viele Studien behaupten mittlerweile aber anderes. Und auf solche Studien scheint die Hanftheke ihr Konzept aufzubauen. Der Verkaufsraum ist hell und offen aufgebaut, die Mitarbeiterin trägt ein weisses Polo-Hemd und eine passende weisse Hose. Als Kunde fühlt man sich fast, als befände man sich in einer Apotheke. Die Hanfblüten sind in einer durchsichtigen Theke direkt neben der Kasse verstaut und erinnern so an herkömmliche Medizin. Alleine hier einzukaufen mag das Gefühl vermitteln, man tue etwas Gutes für die eigene Gesundheit.

Gras im Speiseplan
Am anderen Ende des Raumes befindet sich eine kleine Ecke mit Lebensmitteln. Hier gibt es Schoko-Gebäck, Pasta, Mehl und mehr. Der Clou: Alles, was man hier findet, ist mit Hanf hergestellt. Die Verkäuferin lässt mich einiges probieren und zählt ein paar der Vorteile auf, die Hanf im Speiseplan so mit sich bringt. «Da sind sehr viele Omega3-Fettsäuren enthalten, und wichtiges Eiweiss. Hanf ist wirklich ein Superfood», schwärmt die Hanfexpertin. Sie selbst esse so gut wie jeden Tag eines der Produkte mit Hanf. Ich entscheide mich für geröstete Hanfsamen, weil man die jeder Mahlzeit hinzufügen kann, sei es Müsli, Gemüsepfanne oder Salat. Dazu gönne ich mir Hanftee, weil ich leicht erkältet bin. So ausgestattet bin ich bereit für einen kleinen Selbstversuch. Wie wirken die Hanf-induzierten Lebensmittel auf mich? Spüre ich auch durchs Essen etwas von der Entspannung, die durch das Rauchen der Hanfblüten versprochen wird?

Der Selbstversuch
Den Hanftee probiere ich als erstes. Ich erwarte einen starken Hanf-Geruch, aber stattdessen riecht der frisch aufgebrühte Tee aus Hanfblättern, in dem zusätzlich noch getrocknete Melisse- und Himbeerblätter enthalten sind, einfach nur gesund und erinnert an Heu. Genau wie herkömmlicher Kräutertee. Da mein Hals von der Erkältung gereizt ist, tut mir das warme Getränk sehr gut. Ob ich aber noch mehr erwarten kann, ausser die Vorzüge einer heissen Tasse Tee, wird sich später herausstellen.
In der Zwischenzeit probiere ich pur ein paar Körnchen der Hanfsamen. Diese sind extra vorsichtig geschält worden, sodass noch besonders viel vom super-gesunden Hanföl mit all den ungesättigten Fettsäuren und Eiweissen auf natürliche Weise in den Samen enthalten bleiben, weiss ich von der begeisterten Mitarbeiterin im Hanfladen. Als leicht-nussig würde ich den Geschmack beschreiben. Nicht besonders aufdringlich, sodass man den Hanf ohne Probleme sowohl salzigen als auch süssen Gerichten zufügen kann.
Zum Abendessen koche ich mir etwas Gemüse mit Couscous. Diesmal streue ich zu guter Letzt eine reichliche Menge der Körner über mein Essen. Sie passen gut dazu und ich bin fast schon ein wenig stolz auf meine gesunde und ausgewogene Ernährung.

Ausgeschlafen
Nachdem ich am nächsten Morgen meinem Müsli mindestens genauso viele Samen beimische wie am Abend zuvor, ziehe ich ein erstes Resümee: Meine Nacht war definitiv erholsamer als sonst. Fast 13 Stunden habe ich durchgeschlafen. Das könnte an der hohen Cannabisdosis vom Vorabend liegen. Oder aber an der krankheitsbedingten Erschöpfung, die mich schon am vorherigen Tag gebeutelt hatte. Alles in allem konnte ich eine auffällige Änderung meines Befindens nämlich nicht feststellen.
Sicherlich muss man für die Wirkung des Hanfs, wie ich ihn konsumiert habe, besonders sensibel und aufnahmefähig sein. Wahrscheinlich muss man sich auch mehr Zeit lassen und den Hanf über einige Tage oder sogar Wochen zu sich nehmen. Auch die gefühlt 20 Tassen des Hanftees haben nicht die gewünschte Wirkung hervorgebracht. Die Schmerzen meines angeschlagenen Halses waren nicht erträglicher als ohne den Hanf.
Im Endeffekt muss man die Qualitäten des Cannabis selbst für sich herausfinden.

Die Hanftheke befindet sich in der Hauptstrasse 64. Mehr Infos unter www.swiss-cannabis.ch

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