/// Rubrik: Artikel

Thesen an die Kirchentür nageln

Kreuzlingen – Das Jubiläumsjahr der weltweiten 500-Jahr-Jubiläumsfeier der Reformation geht auch in Kreuzlingen in die nächste Runde. Vier Veranstaltungen und ein Kurs bieten Einblick in die Geschichte der Reformation und ihre Bedeutung für die heutige Zeit.

Kirchenpräsident Thomas Leuch (l.) und Pfarrer Gunnar Brendler vor einem Nachbau der Wittenberger Kirchentür. (Bild: sb)

Vor fast genau 500 Jahren nagelte Martin Luther seine 95 berühmten Thesen zur Erneuerung der Kirche an die Tür der Wittenberger Schlosskirche – der Beginn einer ganzen Reihe von Veränderungen in Kirche, Staat und Gesellschaft. Doch welches Potential liegt heute noch in der damals so revolutionären Botschaft? Wie kann man diese in die heutige Zeit übersetzen? Das sind einige der Fragen, mit denen sich die kommenden Jubiläums-Veranstaltungen der Evangelischen Kirchgemeinde, teils zusammen mit der Katholischen Kirchgemeinde und den evangelischen Freikirchen organisiert, auseinandersetzen.

Lehrreich und kurzweilig
Den Anfang macht eine historische Führung samt spannendem Vortrag am Donnerstag, 21. September. Ab 19 Uhr führt Ulrich Büttner durch die Kirche Kurzrickenbach und zeigt, wie Konstanzer Glaubensflüchtlinge halfen, die dortige evangelische Kirchgemeinde aufzubauen. Denn die Konstanzer, teils wichtige Bürger, wurden um 1548 im Zuge der Re-Katholisierung durch die Habsburger vertrieben. In Kurzrickenbach fanden sie eine neue Heimat in der damaligen Kapelle St. Peter. Ein Stück Weltgeschichte wird greifbar. Im Anschluss an die Führung gibt’s einen Apéro.

Am Glauben arbeiten
Am 30. September dann stattet der bekannte Theologe, Schriftsteller und Pfarrer Klaus Douglass dem evangelischen Gemeindehaus einen Besuch ab. In seinem Seminar können die Teilnehmenden die Kerngedanken der Reformation vertiefen. Douglass hat ein Buch geschrieben, in dem er 96 eigene Thesen vorstellt, mit denen die Kirche gesunden kann. Wenn er sich zu Wort meldet, dann oft provozierend, aber immer unterhaltsam.

Das dürften auch die Besucherinnen und Besucher eines ökumenischen Gottesdienstes geniessen. Dort tritt er, ebenfalls auf Einladung des Zusammenschlusses «Kirchen für Kreuzlingen», tags drauf als Gastprediger auf. Der Anlass hat Event-Charakter: Douglass will live Thesen an eine riesige Schlosstür nageln und Popmusik umrahmt das Geschehen.
Das Seminar gilt gleichsam als Startschuss für einen sechsteiligen Glaubenskurs

Das Thema ergründen
Zum Abschluss des Reformationsjubiläums lädt die Kirchgemeinde zum Themenabend mit hoher katholischer Beteiligung. Bischofsvikar Ruedi Heim stellt sich am Freitag, 17. November, mit dem evangelischen Kirchenratspräsidenten des Thurgaus, Wilfried Bührer, der Frage: «500 Jahre Reformation – was gibt’s denn da zu feiern?». Dabei sollen beide Seiten eine kritische Sicht auf die Geschehnisse und Auswirkungen der Reformation werfen.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.