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Spaziergänge von digital zu analog

Kreuzlingen - Für den diesjährigen Wiederholungskurs entwickelten die Betreuer der Zivilschutzregion Kreuzlingen in Zusammenarbeit mit der Genossenschaft Alterszentrum Kreuzlingen ein Programm für den Umgang mit Demenzkranken.

Spaziergang im Rahmen des Wiederholungskurs (Bild: zvg)

Die Betreuung von Menschen gehört zu den Kernaufgaben des Betreuungs-Zuges, was regelmässig in Theorie und Praxis geübt wird. «In Notfällen müssen die Betreuer in der Lage sein, den Menschen umgehend professionelle Hilfe anbieten zu können», erklärt Kurt Affolter, Kommandant Zivilschutzregion Kreuzlingen. Am diesjährigen Wiederholungskurs lernten die Betreuer den Umgang mit Bewohnerinnen und Bewohnern des Alterszentrums Kreuzlingen, nachdem sie in ihren Wiederholungskursen zuvor mit Kindern und Asylanten gearbeitet haben.

Kommunikation mit Demenzpatienten

Im Rahmen des zweitätigen Programms beschäftigten sich die Kursteilnehmer mit der Demenzerkrankung. Anhand von Diskussionsrunden und Vorträgen lernten sie die verschiedenen Formen, Stadien und Symptome einer Demenz kennen. Der korrekte Umgang und die Kommunikation mit betroffenen Personen bildeten den thematischen Schwerpunkt. Speziell wurde die Methode «Validation» der amerikanische Sozialarbeiterin Naomi Feil präsentiert: Den Demenzpatienten soll mit einer bestätigenden Gesprächshaltung begegnet werden, die auf negative Floskeln wie beispielsweise «Sie müssen doch gar nicht nach Hause», verzichtet.

Digitale Informationsmedien lassen Erinnerungen aufleben

Am ersten Kurstag hatten die Zivilschutzdienstleistenden die Gelegenheit, persönlich mit Bewohnern des Alterszentrums zu sprechen und sich in der Validation zu üben. In Zweiergruppen unternahmen sie «Internet-Spaziergänge». Ausgerüstet mit einem I-Pad, war es für die Dienstleistenden und den Bewohnerinnen und Bewohnern des Alterszentrums ein Leichtes, in alten Erinnerungen zu schwelgen. Rasch wurden auf Google-Maps Bilder des Elternhauses oder des Schulgebäudes aus früherer Kindheit ausfindig gemacht, auf Youtube die Schlager der Jugendzeit gespielt. Die Idee, mit digitalen Informationsmedien Erinnerungen aufleben zu lassen, habe sich aus der Zusammenarbeit der Leitungen des Zivilschutzes und des Alterszentrums Kreuzlingen ergeben, erklärte Gruppenführer Ramon Sprenger.

Die Tablets regten die Gespräche regelrecht an, denn die modernen Geräte weckte die Neugier der Bewohnerinnen und Bewohner. Letztlich nützte das digitale Medium dort am Meisten, wo es sich erübrigte, denn die Gesprächsthemen entwickelten sich rasch weg von den Bildschirmen hin zu den persönlichen Biographien der Betagten. Die fröhlichen Gesichter der Seniorinnen und Senioren und die Atmosphäre entspannter Gespräche verrieten es – das gemeinsame und lustvolle Gedankenspazieren bildete den eigentlichen Höhepunkt.

Abwechslung beim Spaziergang

War am ersten Tag geistige Bewegung angesagt, wurde am zweiten die Aktivität umso physischer. Rund 30 Bewohnerinnen und Bewohner des Alterszentrums genossen nachmittags bei der Wildsauenhütte ihr Mittagessen unter freiem Himmel. Die Abwechslung der Waldumgebung inspirierte manchen Teilnehmer. So ergriff ein früherer Forstwart das Wort und informierte über die Flora und Fauna dieser Umgebung. Nachmittags kehrten die Bewohnerinnen und Bewohner mit vielen Eindrücken zurück ins Alterszentrum. Bei den zufriedenen und erschöpften Zivilschützern blieben bemalte Servietten zurück. Eine Seniorin beschriftete sie mit den Worten: «Ein schöner Tag, Danke! Oha!».

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